… warum typisch deutsche Pedanterie für Ingenieure eine gute Eigenschaft ist.

Britische Innovationsmisere: “Deutsche Gründlichkeit ist wichtig”

Großbritannien hat einen Nobelpreis für Ingenieure ins Leben gerufen. Mitinitiator ist der ehemalige BP-Chef Lord John Browne. Im Interview erklärt er, warum vielen Briten die Lust am Tüfteln fehlt – und warum typisch deutsche Pedanterie für Ingenieure eine gute Eigenschaft ist.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/interview-mit-lord-browne-britannien-braucht-ingenieure-a-889758.html

 

SPIEGEL ONLINE: Die Royal Academy of Engineers hat zum ersten Mal den Queen-Elizabeth-Preis verliehen, eine Art Nobelpreis für Ingenieure. Damit wollen Sie den Ingenieursmangel in Großbritannien bekämpfen. Ist dies ein Zeichen des Umdenkens nach der Finanzkrise?

Browne: Wir brauchen mehr Ingenieure in Großbritannien, aber es gibt einen Mangel in fast allen Ländern. Es geht uns darum, Exzellenz zu fördern und den Nachwuchs zu inspirieren. Kinder brauchen Vorbilder. Der Preis ist in Großbritannien angesiedelt und trägt den Namen der Königin von England. Aber er ist ein Weltpreis, so wie die Nobelpreise in Schweden und Norwegen.

SPIEGEL ONLINE: Seit dem Ende des Finanzbooms 2007 wird in Großbritannien viel über den Umbau der Wirtschaft debattiert. Die Finanzbranche schrumpft, und es gibt das Gefühl, das Land habe seine Industrie zu schnell aufgegeben. Kommt jetzt wieder die Zeit der Ingenieure?

Browne: Es geht nicht darum, verschiedene Sektoren gegeneinander auszuspielen. Ingenieure können zusätzliches Wachstum schaffen, sei es in der Formel Eins in Oxfordshire oder in der Londoner Informatikszene. Das wollen wir unterstützen. Es wird jedoch keine schnelle Wende am Arbeitsmarkt geben: Es dauert sieben Jahre, bis ein Ingenieur ausgebildet ist.

SPIEGEL ONLINE: Jedes Jahr verlassen 90.000 Ingenieure die britischen Unis, gebraucht werden jedoch 100.000. Warum ist sind die Ingenieursfächer aus der Mode gekommen?

Browne: Es ist sehr schwierig, und man lernt es nicht in der Schule. Medizin ist zwar auch kein Schulfach, aber als Kind sieht man all diese Fernsehserien, in denen Ärzte die Helden sind. Es gibt keine Fernsehserien über Ingenieure. Die Schulabgänger wählen ein Fach, über das sie nichts wissen. Früher haben die Leute gefragt, wenn sie einen Ingenieur getroffen haben: “Gibt es noch etwas anderes, worüber Sie reden können?” Es war nicht sehr spannend. Das ändert sich langsam wieder. Die Leute finden neue Technologien faszinierend.

SPIEGEL ONLINE: Es heißt immer, die besten Ingenieure kämen aus Deutschland. Warum?

Browne: Seit Bismarcks Zeiten werden Ingenieure als Teil der deutschen Gesellschaft geschätzt und respektiert. Ich bewundere das. Hier in Großbritannien hingegen wurde die Ingenieurskunst lange nicht angemessen gewürdigt. Aber das kann wieder werden.

SPIEGEL ONLINE: Hilft die deutsche Neigung zur Pedanterie?

Browne: Gründlichkeit ist sehr wichtig im Ingenieurwesen. Sie würden nicht in ein Flugzeug einsteigen wollen, in dem die Piloten sich darauf verlassen, dass alles läuft. Sie erwarten, dass sie vor dem Start pedantisch eine Checkliste abarbeiten und die Passagiere sicher ans Ziel bringen. Das Gleiche gilt für Ingenieure. Sie schaffen etwas Neues mit Hilfe von Chemie und Physik, aber am Ende kommt es darauf an, verlässlich zu liefern.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind einer der Wirtschaftsberater der Cameron-Regierung. Erfinder wie James Dyson haben in der Vergangenheit geklagt, dass der Staat nicht genug für Industrie und Eigenproduktion tue. Hat er Recht?

Browne: Das ändert sich gerade. Natürlich gibt es Grenzen, was Regierungen tun können. Grundsätzlich ist die Marktwirtschaft der zentralen Planwirtschaft vorzuziehen. Aber die Tatsache, dass die Weltwirtschaft nicht mehr so automatisch wächst wie in früheren Dekaden, hat der Regierung gezeigt, dass sie aktiver sein muss.

SPIEGEL ONLINE: Die ersten Gewinner des Queen-Elizabeth-Preises sind die Erfinder des Internets: Drei Amerikaner, ein Brite, ein Franzose. Wie könnte Europa die US-Dominanz in einem Fach wie Informatik brechen?

Browne: Es gibt viele großartige Ingenieure in Europa. Wir hatten mehrere in der engeren Auswahl, und ich sehe keinen Grund, warum einer von ihnen nicht im kommenden Jahr den Preis erhalten könnte.

Das Interview führte Carsten Volkery in London

Lord Browne: Warum gibt es eigentlich keine Fernsehserien über Ingenieure?

Lord Browne: Warum gibt es eigentlich keine Fernsehserien über Ingenieure?

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KONJUNKTUR Deutschland (Der Spiegel)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/konjunktur-a-640631.html

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