OECD-Studie Deutsche Rentner bekommen weniger als andere

OECD-Studie Deutsche Rentner bekommen weniger als andere

25.04.2013 ·  Deutsche erhalten im Vergleich zu ihrem Gehalt eine vergleichsweise geringe Rente. Außerdem müssen Bundesbürger länger arbeiten als andere Europäer.

Von Kerstin Schwenn

erzerrt“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Ergebnisse der jüngsten Vermögensstatistik der Europäischen Zentralbank (EZB) genannt. Nach deren Rechnung liegen die deutschen Haushalte gemessen an ihrem Vermögen in Europa auf einem hinteren Platz. Ihre Skepsis begründet die Kanzlerin damit, dass die hohen Rentenansprüche der Deutschen in der EZB-Statistik nicht berücksichtigt seien. Mit dieser Einschätzung ist sie jedoch in die Kritik geraten. Ansprüche seien noch lange kein Vermögen, weil diese Ansprüche immer wieder an die rechtlichen und tatsächlichen Umstände angepasst würden, bemängeln die Kritiker.Überdies zahlten auch andere Länder ihren Bürgern Renten – und zwar offenkundig oft bessere als in Deutschland. Dies lässt sich zumindest aus einer vergleichenden Studie der Wirtschaftsorganisation OECD („Pensions at a Glance“) ableiten, die vor allem auf Daten aus dem Jahr 2010 beruht. Demnach liegt der Wert der Rentenansprüche in Deutschland – ungeachtet der Schwierigkeit, nationale Alterssicherungssysteme zu vergleichen – unter dem Durchschnitt aller OECD-Länder, was Renteneintrittsalter, Rentenbezugsdauer und Rentenhöhe angeht.

Ein wichtiges Kriterium für die Bemessung des Werts von Rentenansprüchen ist die sogenannte Ersatzquote. Dabei handelt es sich um den Anteil, den die Altersrente im Verhältnis zum Einkommen in der Erwerbsphase erreicht. In Spanien liegt die Netto-Ersatzquote für einen männlichen Durchschnittsverdiener, der mit 65 Jahren in Ruhestand geht, nach der OECD-Tabelle bei gut 84 Prozent, in Italien bei gut 76 Prozent, in Griechenland sogar bei mehr als 110 Prozent.

Deutschland liegt auf den hintersten Plätzen

Das heißt: Ein Grieche bezieht mehr Rente, als er im Schnitt an Einkommen verdiente. Hier wirkt sich auch die Art der Rentenberechnung aus. Während nach der deutschen Rentenformel das ganze Arbeitsleben die Rentenhöhe beeinflusst, sind es in Griechenland nur die Verdienste in den letzten fünf Jahren, in Spanien die in den letzten 15 Jahren vor dem Ruhestand. Diese sind meist höher als in frühen Berufsjahren.

Die Ersatzquoten der Südländer übersteigen den OECD-Durchschnittswert von 69 Prozent deutlich. Unter dem Schnitt liegt dagegen Frankreich mit gut 60 Prozent. Für Deutschland weist die Statistik eine Netto-Ersatzquote von knapp 58 Prozent aus. Damit liegt Deutschland (vor Schweden, Großbritannien und Irland) auf den hinteren Plätzen in der Rangliste. Angesichts der den Rentenanstieg dämpfenden Faktoren in der Rentenformel wird die Ersatzquote hierzulande weiter sinken. Zypern ist nicht berücksichtigt, weil es nicht der OECD angehört.

In Deutschland arbeitet ein Arbeitnehmer außerdem durchschnittlich länger als viele andere Europäer, bevor er in den Ruhestand geht. Nach Zahlen von Eurostat – auch diese aus dem Jahr 2010 – dauert ein Arbeitsleben in der EU durchschnittlich 34,5 Jahre. Die Schweden arbeiten mit 40,1 Jahren am längsten, die Ungarn mit 29,3 Jahren am kürzesten. Der Wert für Deutschland lag 2010 bei 36,8 Jahren, also mehr als zwei Jahre über dem Durchschnitt. Nach vorläufigen Zahlen für 2011 stieg die Lebensarbeitsdauer in Deutschland im Schnitt auf 37,4 Jahre. In Spanien wurden 34,5 Jahre bis zur Rente gearbeitet, in Frankreich 34,3 Jahre, in Griechenland 32,1 Jahre und in Italien 29,7 Jahre.

Um eine volle Rente ohne Abschläge zu beziehen, müssen die Europäer unterschiedlich lange arbeiten. In Frankreich müssen 41 Arbeitsjahre geleistet werden, in Griechenland und Spanien reichten bisher 35 Jahre, in Italien 40 Jahre. In Deutschland sind indes 45 Jahre gefordert. Dabei soll es in Deutschland selbst dann bleiben, wenn im Jahr 2029 das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren erreicht ist.

Wie unterschiedlich die Höhe der Nettorenten in den verschiedenen Ländern ist, hat die Europäische Kommission im Jahr 2009 berechnet. Für eine bessere Vergleichbarkeit wurde dazu das gesetzliche Renteneintrittsalter in allen Ländern auf 65 Jahre gesetzt. Die Berechnung zeigte: Überall beeinflusst ein zwei Jahre früheres oder späteres Verlassen des Arbeitsmarktes den Rentenanspruch. Dabei fallen die Ab- und Zuschläge aber sehr unterschiedlich aus. Erwerbstätige in Dänemark und Luxemburg können ihre Renten kaum steigern, wenn sie statt mit 65Jahren erst zwei Jahre später in Rente gehen.

Im Gegensatz dazu steigen beim späteren Renteneintritt mit 67 Jahren die Renten in der Slowakei und in Portugal deutlich: um 10 und 12 Prozent. Wegen der Unterfinanzierung ihrer Rentensysteme haben einige Länder – darunter Deutschland – das gesetzliche Rentenalter schon heraufgesetzt. In Spanien steigt die Altersgrenze bis zum Jahr 2027 schrittweise auf 67 Jahre, in Irland bis 2028 auf 68 Jahre, in Italien bis 2018 auf 66 Jahre. In Frankreich hat Präsident François Hollande indes die geplante Aufstockung des Renteneintrittsalters revidiert, es bleibt wie bislang bei 62 Jahren.

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Der tatsächliche Rentenbeginn liegt in allen Ländern hingegen deutlich früher. Während in Deutschland derzeit noch 59,9 Prozent der Menschen zwischen 55 und 64 Jahren arbeiten, sind es in Frankreich nur 41,5 Prozent. In Griechenland und Italien liegt der Anteil der Älteren auf dem Arbeitsmarkt mit unter 40 Prozent noch niedriger. Entsprechend niedrig ist dort das tatsächliche Renteneintrittsalter. In Frankreich lag es 2010 im Durchschnitt unter 60 Jahren, in Deutschland dagegen bei 63,5 Jahren – mit steigender Tendenz. Die OECD erwartet aber gerade in Italien und Spanien eine starke Zunahme der Beschäftigung Älterer.

Da andere Europäer früher in Rente gehen als Deutsche, haben sie oft auch länger etwas von ihren Altersbezügen. Zum Teil wirkt sich hier auch noch eine regional höhere Lebenserwartung aus. Die OECD vermerkt in ihrer Untersuchung signifikant höhere Rentenbezugszeiten unter anderem in Frankreich, Italien und Griechenland. Männliche Franzosen beziehen im Schnitt 21,7 Jahre Rente, Italiener 22,8 Jahre, Griechen sogar 24 Jahre, aber Deutsche nur 17 Jahre. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 18,5 Jahren. Französinnen leben im Schnitt 26,5 Jahre im Ruhestand, Italienerinnen 27,4 Jahre, Griechinnen 27,1 Jahre und Frauen in Deutschland 20,7 Jahre. Der OECD-Durchschnitt für die Frauen lag bei 23,3 Jahren.

Die überdurchschnittlich gute Versorgung der Rentner in vielen EU-Staaten hat allerdings eine unübersehbare Kehrseite: Die Systeme sind nicht nachhaltig finanziert, so stehen nach Einschätzung der OECD in Frankreich und Italien (wo schon 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Renten fließen) drastische Rentenreformen an, etwa zur Heraufsetzung der Altersgrenze oder zur zusätzlichen privaten Vorsorge. In einigen Ländern, die unter den Euro-Rettungsschirm schlüpften, sind jüngst auch schon erste Reformschritte beschlossen worden.

Quelle: F.A.Z.

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