Die ARD, das ZDF und die Wahl Die richtige Umfrage zur richtigen Zeit

13.09.2013 ·  Die ARD bringt ihre letzte Erhebung zur Bundestagswahl zehn Tage vor dem Stichtag. Das ZDF fragt noch drei Tage vor der Stimmabgabe. Für taktische Wähler macht das die Sache spannender.

Von Ursula Scheer

islang galt: Zehn Tage vor der Bundestagswahl ist Schluss mit den Zukunftsvisionen. Dann hieß es bei ARD und ZDF zum letzten Mal: Was wäre, wenn? Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre? Und die beiden öffentlich-rechtlichen Sender präsentierten zum letzten Mal vor dem Stichtag ihre bunten Tortengraphiken mit Umfrageergebnissen. Dieses Jahr will das ZDF es anders machen. Drei Tage vor der Wahl am 22. September präsentieren die Mainzer nun noch einmal aktuelle Zahlen.Das wäre an sich nicht besonders spannend, wenn dahinter nicht ein paar wirklich spannende Fragen stecken würden. Zum Beispiel die, ob Umfragen, die wenige Tage vor einer Wahl erhoben werden, wirklich näher am Wahlergebnis liegen als ältere. Und vor allem, ob und wie Meinungsumfragen Wahlergebnisse beeinflussen. Auf diese Fragen aber weiß niemand eine klare Antwort. Fest steht nur: Die Wähler entscheiden immer später, wo sie ihr Kreuz setzen – und sie wählen auch taktisch. Umfrageergebnisse aber nutzen gerade taktische Wähler als Informationsquelle. Viele lesen sie als Prognose – dabei können sie erheblich vom Wahlausgang abweichen.

Berichterstatter als Akteure?

Im Januar 2013 etwa ermittelten die Demoskopen Zahlen, nach denen die FDP den Einzug in den Niedersächsischen Landtag verpasst hätte. Tatsächlich erhielt sie am Wahlabend fast zehn Prozent der abgegebenen Stimmen – weil, so der Vorwurf an die Meinungsforscher, veraltete Umfrageergebnisse den Liberalen Leihstimmen von CDU-Stammwählern einbrachten. Für eine schwarz-gelbe Koalition reichte es dennoch nicht mehr, und Spekulationen darüber, ob die Veröffentlichung aktuellerer Umfragen einen anderen Wahlausgang herbeigeführt hätte, schossen ins Kraut.

Die Sender ziehen unterschiedliche Schlüsse aus dem, was man Wahlumfragen zutraut. Für ARD-Chefredakteur Thomas Baumann steht fest: „Je näher Ergebnisse zur Sonntagsfrage am Wahltermin liegen, desto größer ist die Gefahr, dass diese als Prognosen missdeutet werden.“ Und das berge die Gefahr, dass Berichterstatter quasi zu Akteuren im politischen Geschehen würden. Zum Beispiel, indem sie Wähler demobilisierten, die von einem klaren Sieg einer Partei ausgingen, oder taktisches Wahlverhalten förderten.

Taktisches Wählen als Bedürfnis

„Wir legen es nicht darauf an, dass unsere Umfrageergebnisse als Grundlage für Wahlentscheidungen dienen“, sagt Baumann. Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap, dessen Zahlen die ARD veröffentlicht, hält „Last-Minute-Zahlen“ ebenfalls für etwas, das Wähler eher verunsichert als ihnen bei der Entscheidungsfindung hilft. Und so wird die ARD an der traditionellen Frist von zehn Tagen festhalten, die übrigens nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern eine reine Selbstverpflichtung ist.

Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen, die mit dem ZDF zusammenarbeitet, sieht das völlig anders. „Taktisches Wählen ist ein Bedürfnis der Wähler“, sagt er, „und es ist unsere Pflicht, das Bedürfnis nach Information mit möglichst aktuellen Umfragen zu befriedigen.“ Immer verbunden mit dem Hinweis, dass eine Umfrage keine Prognose sei und mit statistischen Fehlern und einer Schwankungsbreite von bis zu drei Prozent behaftet. Theo Koll, der Leiter der ZDF-Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen, will am kommenden Donnerstag eine Graphik zeigen, die genau das aufzeigt, wenn er das „Politbarometer“ moderiert. Er sei kein Meinungsforscher, sagt er, sondern Journalist. „Mir geht es darum, Transparenz für mündige Bürger zu schaffen“ – mit aktuellen Zahlen. Denn die sollten kein Geheimwissen bleiben, sondern allen zugänglich sein.

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Die letzte Umfrage der Öffentlich-Rechtlichen vor der Wahl wird am stärksten beachtet werden. Da mag man sich beim ZDF noch so dagegen verwahren, auf diesen Nebeneffekt zu schielen. Der Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter von der Universität Mainz sagt sogar – anders als die Experten von der ARD: „Die prognostische Qualität von Umfragen steigt mit jedem Tag, den es auf die Wahl zugeht.“ Also doch die ideale Handlungsanweisung für taktische Wähler? Sein Kollege Oskar Niedermayer von der FU Berlin schränkt ein: „Normalerweise verfestigt sich unmittelbar vor einer Wahl die ganze Geschichte.“

Aber nur „normalerweise“ und „im Prinzip“. Denn dann gebe es noch die unvorhersehbaren Ereignisse oder Abstrahleffekte aus der Landtagswahl in Bayern. Sollte die FDP es dort nicht in den Landtag schaffen, könnte entweder der „Underdog-Effekt“ greifen – dass also die FDP bei der Bundestagswahl besser abschnitte als erwartet – oder das genaue Gegenteil eintreten, gemäß der Mitläufer-Hypothese. Der Wähler bleibt dann doch ein unbekanntes Wesen.

ZDF Bundestagswahl 2013 – Prognosen

http://wahl.zdf.de/Wahlen/Bundestagswahl-Prognosen-Kandidaten-Hintergr%C3%BCnde-29197526.html

Im Endspurt bleibt Rennen denkbar knapp

Im Endspurt vor der Bundestagswahl bleibt das Rennen der Parteien denkbar knapp. Das zeigt das aktuelle ZDF Politbarometer. Schwache Werte für FDP und Grüne. weiter bei:

http://www.heute.de/Im-Endspurt-bleibt-Rennen-denkbar-knapp-29832138.html

Das Politbarometer vom 19.09.2013

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