Hochschulfinanzierung – Die Firma zahlt

Unternehmen fördern Hochschulen und Studenten mit jährlich 2,5 Milliarden Euro. Sie vergeben Stipendien, finanzieren duale Studiengänge und Stiftungsprofessoren. Die Wirtschaft schafft so bessere Studienbedingungen als der Staat. Werden die Universitäten zu Dienstleistern der Industrie? von Marion Schmidt

http://www.zeit.de/2013/52/studenten-foerderung-unternehmen/komplettansicht

An der Frankfurter Goethe-Universität gibt es neuerdings ein “Welcome Centre”. Hier werden ausländische Wissenschaftler bestens umsorgt, egal, ob sie eine Wohnung suchen oder einen romantischen Ausflug in den Rheingau machen wollen. Ein Angebot, das nur wenige Unis in Deutschland haben. “Wir hätten uns das aus dem normalen Haushalt nicht leisten können”, sagt der Präsident der Universität, Werner Müller-Esterl. Finanziert wurde das Center mit einer Spende von der Santander Bank in Höhe von 340.000 Euro. Die Bank will damit den internationalen Austausch von Wissen fördern. Aber sicher auch das eigene Image.

An der Uni, an der linke Gruppen bis vor Kurzem noch ein Institutsgebäude besetzt hielten und Veranstaltungen gegen Kapitalinteressen organisierten, sorgte die Spende der spanischen Bank nun keineswegs für Unruhe. Proteste von Studenten blieben aus. Und Präsident Müller-Esterl ist froh über die Spende: “Für alles, was wir mehr bieten wollen, müssen wir zusätzliches Geld akquirieren.” Ohne Zustiftungen von privater Seite könnten noch nicht einmal neue Professuren eingerichtet werden.

Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, das hierzulande immer etwas schwieriger war als in anderen Ländern, entspannt sich zusehends. “Die Hochschulen sind offener geworden und verstehen sich zunehmend als Partner der Unternehmen”, sagt Markus Lecke, der bei der Deutschen Telekom für Hochschulkooperationen zuständig ist.

Es ist allerdings keine plötzlich erwachte Liebe zur Industrie, die diese Offenheit bewirkt. Sie folgt vielmehr der Finanznot der Hochschulen. Obwohl Bund und Länder im vergangenen Jahr knapp 25 Milliarden Euro für akademische Bildung ausgaben, sind die deutschen Universitäten überfüllt und unterfinanziert. Mit den staatlichen Mitteln lassen sich die Aufgaben in Lehre und Forschung kaum noch bewältigen; von Zusatzangeboten wie einem Welcome Centre ganz zu schweigen.

In diese Lücke springen nun die Unternehmen. Insgesamt 2,5 Milliarden Euro haben Firmen im vergangenen Jahr in Studium, Lehre und Studenten investiert; das sind 328 Millionen Euro mehr als drei Jahre zuvor. Damit gibt die Industrie mehr für die Lehre aus als für die universitäre Forschung. Das belegt eine jetzt vorgelegte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft.

Kaufen sich die Unternehmen mit dem Geld Studenten und Universitäten?

Das Engagement der Unternehmen ist zumindest nicht ganz uneigennützig. Die Verantwortung für den Bildungsstandort Deutschland, sagen die befragten Unternehmen, spielt nur für jeden zweiten von ihnen eine Rolle. Sie finanzieren zumeist das, was ihnen nutzt.

Die Firma zahlt

12.110 Lehrbeauftragte aus der Wirtschaft

65.070 Studenten in dualen Studiengängen

10.013 von Unternehmen vergebene Stipendien

Es geht den Firmen vor allem darum, spezielle Fachrichtungen zu stärken sowie geeignetes Personal zu finden und an sich zu binden. Die Unternehmen wollen sich ihren Nachwuchs sichern, indem sie gezielt einzelne junge Menschen mit Stipendien, Praktika oder in dualen Studiengängen unterstützen.

Die Hochschulen sind für Unternehmen ein wichtiger Partner, denn sie vermitteln das Wissen für Innovationen, und sie bilden den Nachwuchs aus für Banken, Kanzleien, Autozulieferer und Softwareschmieden. Mit dem wachsenden Fachkräftemangel ist auch das finanzielle Engagement der Firmen gestiegen.

Betriebe, das belegen die Zahlen, investieren vor allem in Köpfe. Allein für duale Studiengänge, in denen berufliche und akademische Ausbildung verbunden sind, geben sie heute rund 948 Millionen Euro im Jahr aus, 2010 waren es noch 273 Millionen Euro weniger. 65.070 duale Studenten werden gefördert, die Zahl stieg innerhalb von drei Jahren um 16.000.

Stark gestiegen ist auch die Zahl der Stipendien. Wurden vor drei Jahren 6.130 Studenten gefördert, so sind es jetzt 10.013, die meisten von ihnen erhalten ein Deutschlandstipendium, das je zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte mit privatem Geld finanziert wird. Die Betriebe lassen sich das 45 Millionen Euro kosten. Hinzu kommen Spenden für neue Gebäude, mehr Personal und eine bessere Ausstattung, die sich Unis wegen der knappen Etats kaum noch leisten können. Allein 12.110 Lehrbeauftragte schickt die Industrie in die Hörsäle. Zudem stellen Firmen wie BMW den Hochschulen nicht nur Mitarbeiter zur Verfügung, sondern auch Testfahrzeuge, Motoren und Messgeräte.

Auch von Unternehmen gestiftete Professoren sorgen für zusätzliches Lehrpersonal und dafür, dass zu Themen gelehrt und geforscht wird, die sonst an den Unis zu kurz kommen würden. “Es wäre schwer, ohne die zusätzlichen Mittel den Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten”, sagt der Präsident Müller-Esterl. Seine Uni hat bundesweit die meisten Stiftungslehrstühle, insgesamt dreißig.

Die Uni Frankfurt versteht es wie kaum eine andere Hochschule, privates Geld anzuziehen. Vermögende Bürger oder Unternehmen zahlen Millionen für Stipendien, Stiftungslehrstühle, auch die Jubiläumsfeier im kommenden Jahr wird durch private Spenden finanziert. Allein 606 Deutschlandstipendien für Studenten kann die Uni im nächsten Jahr vergeben; ein Drittel des Geldes stammt aus der Industrie.

Insofern ist die Kooperation ein Handel auf Gegenseitigkeit – aus der Not heraus: Den Unis fehlt das Geld, den Firmen der Nachwuchs.

“Wir haben ein großes Interesse daran, Studierenden einen Bezug zur beruflichen Praxis zu ermöglichen”, sagt Christoph Anz, der bei BMW für Bildungspolitik und strategische Personalentwicklung zuständig ist, “das sind schließlich unsere Nachwuchskräfte.” Aber BMW und die meisten anderen Firmen brauchen keine Germanisten oder Philosophen. Sie wollen Ingenieure sowie Betriebswirte und unterstützen deshalb vor allem wirtschaftswissenschaftliche und technische Studiengänge.

Das könnte irgendwann dazu führen, dass Hochschulen verstärkt die Fächer anbieten, die von der Industrie nachgefragte Absolventen hervorbringen und für die sie Zuschüsse zum Lehrbetrieb erhalten. Private Fachhochschulen funktionieren genau nach diesem Modell, und zwar erfolgreich. Auch die Länder bauen Studienplätze in den sogenannten Mint-Fächern aus, in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, finanzieren diese aber nicht komplett. Für einen Bachelorstudienplatz in Maschinenbau oder Elektrotechnik etwa geben Bund und Länder aus dem Hochschulpakt zum Aufbau zusätzlicher Studienplätze 26.000 Euro, das deckt jedoch nicht die tatsächlichen Kosten bis zum Masterabschluss von rund 44.000 Euro in diesen Fächern, deren Absolventen derzeit zu den gefragten Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt zählen.

Da kalkulieren manche Landesminister das Engagement der Industrie wohl schon mit ein. Warum auch nicht? Warum soll allein der Steuerzahler für die Ausbildung von akademischen Fachkräften aufkommen? Die Idee, Studenten an den Kosten ihres Studiums zu beteiligen, ist in Deutschland gescheitert. Die Wirtschaft daran zu beteiligen scheint weit weniger problematisch zu sein.

Die Unternehmen jedenfalls schaffen mit ihren Milliarden vielerorts die Studienbedingungen, die der Staat nicht mehr bieten kann. Die Bundesländer sollen zwar für ihre Hochschulen sorgen, aber viele können dies nicht, weil sie zu hoch verschuldet sind. Und der Bund darf bislang nicht dauerhaft in die Lehre investieren. Die Wirtschaft darf das schon, für sie gilt das Kooperationsverbot nicht.

Doch wer bezahlt, will auch mitreden. Die Unternehmen wünschen sich mehr Praxisorientierung im Studium, mehr berufsbegleitende Studienangebote, mehr Kooperation bei der Planung von Praxisphasen. Dort, wo sie an Studiengängen beteiligt sind, beim dualen Studium, können sie schon jetzt ihre Vorstellungen weitgehend durchsetzen. “Wenn wir als Wirtschaft den Hochschulen 95 Prozent der Absolventen abnehmen, dann darf es auch nicht schlimm sein, wenn wir Einfluss nehmen wollen auf das Studium”, sagt Frank Hohenadel, Leiter Personalentwicklung bei der Deutschen Telekom, durchaus selbstbewusst.

Die Telekom hat früh und gezielt eine Ressource gefördert, die nicht mit dem Eintrag ins Handelsregister verbunden ist: Bildung. 90 Deutschlandstipendien vergibt der Konzern jährlich, 700 Mitarbeiter werden bei einem berufsbegleitenden Studium unterstützt und dazu 1.300 Studenten in dualen Studiengängen. Der Konzern betreibt eine eigene Hochschule in Leipzig und finanziert Forschungslabore sowie Stiftungslehrstühle an mehreren deutschen Unis. “Wir erhoffen uns Impulse für Innovationen”, sagt Frank Hohenadel, “und natürlich Zugang zu engagierten Talenten, die unser Unternehmen voranbringen.” Und schließlich – das verschweigt er nicht – sei das alles auch gut für das Image des Unternehmens.

Die Telekom gibt viel, aber sie erwartet dafür auch viel. “Eine enge Verzahnung mit der beruflichen Praxis ist uns wichtig”, sagt Hohenadel, “da wollen wir auch Impulse setzen für eine stärker berufsorientierte Lehre.” Die Hochschulen als Dienstleister und der Staat, der mit den rechtlichen Rahmenbedingungen dafür sorgt, dass mehr Menschen auch ohne Abitur studieren können, dass berufliche Leistungen häufiger anerkannt werden – so stellt sich der Personalleiter Hohenadel die ideale Hochschulwelt vor.

Die Betriebe wollen allerdings nicht Lückenbüßer für fehlende Landesmittel sein. “Die Privatwirtschaft kann und darf das nicht ausgleichen”, bekräftigt Christoph Anz von BMW, “die Grundfinanzierung muss der Staat leisten.”

Auch damit die Wirtschaft am Ende nicht allein die Lehrpläne, Studienangebote und Forschungsinhalte bestimmt.

Fachkräftemangel Experten dringend gesucht

Die Deutschen sind überzeugt davon, dass künftig Fachkräfte fehlen werden. Doch nur jeder Zweite will, dass die Bundesregierung im Ausland um qualifizierte Zuwanderer wirbt. von 

http://www.zeit.de/2013/36/fachkraeftemangel-zuwanderung-studie

Bundesbürger wünschen sich mehr qualifizierte ausländische Fachkräfte in Deutschland

Lücken auf dem Arbeitsmarkt könnten mit qualifizierten Zuwanderern geschlossen werden

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels sind vier von fünf Bundesbürgern überzeugt: Deutschland werden in den nächsten Jahrzehnten die Fachkräfte ausgehen. Dies ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes TNS EMNID im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. 88 Prozent erwarten den größten Bedarf in der Altenpflege, im Gesundheitssektor, bei den Lehrkräften, in der Landwirtschaft sowie in den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau. 41 Prozent erwarten, dass es in IT-Berufen zu Engpässen kommt….

Studie der Bertelsmann Stiftung : http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-61D9EEA4-33F8B397/bst/hs.xsl/nachrichten_117908.htm

Ausländische Fachkräfte Ergebnisbericht August 2013 Ausl Fachkraefte 2013 xcms_bst_dms_38747_38748_2
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Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren Wie wir lernten, die Banken zu hassen

22.12.2013 ·  Banken haben die Steuerzahler Milliarden gekostet. Und wollen jetzt einfach so weitermachen. Das empört uns.

Von Rainer Hank und Winand von Petersdorff

A Tokyo businessman walks on a street in Tokyo
war das jetzt der Durchbruch? „EU entlastet Steuerzahler bei Bankenrettungen“ titelten die Nachrichtenagenturen in der vergangenen Woche. Soll heißen: Hat sich eine Bank verspekuliert, müssen künftig die Banken selbst und ihre Aktionäre dafür geradestehen und nicht die Bürger wie damals bei der Finanzkrise. Das klingt gut.Ist es aber nicht. Das Jahr 2013 geht zu Ende. Und systemrelevante Banken gefährden immer noch das Wohlergehen dieses Landes und vieler anderer Volkswirtschaften. Warum? Weil die Politik nur an den Symptomen herumkuriert, aber die Ursachen der Krise nicht bekämpft. Was sind die Ursachen der Krise? Dass die Banken zu wenig Aktienkapital haben, mit dem sie für Fehlspekulationen haften können. Aktienkapital (auch Eigenkapital genannt) ist das Geld, das die Eigentümer der Bank zur Verfügung stellen. Weil die Banken immer noch zu wenig Eigenkapital haben, wäre auch bei der nächsten Krise solch ein Sicherheitspolster rasch aufgebraucht. Abermals müsste der Steuerzahler einspringen.

Die linken Kritiker behalten recht: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren – so lautet das skandalöse Geschäftsmodell der Banken. Mit diesem Modell haben sie die Welt an den Rand des Abgrunds gebracht. Sie täten es heute wieder: Banken sind verantwortlich dafür, dass der Ruf der Marktwirtschaft tief in Misskredit kam. Und sie tun bis heute viel zu wenig, diesen Schaden zu heilen.

Warum weigern sich die Banken so hartnäckig?

Man soll sich nicht täuschen lassen vom Kulturwandelgesäusel aus den Bankentürmen. Man soll sich nicht ablenken lassen davon, dass sie jetzt Milliardenbußen zahlen. Man soll sich nicht in Sicherheit wiegen, wenn europäische Finanzminister in notorischer Nachtsitzungsinszenierung eine sogenannte Bankenunion zimmern. Sie lässt die zentrale Frage unbeantwortet, was mit schwachen Banken passiert. Vor allem: Man soll sich nicht zufriedengeben, solange das alte, verderbliche System bleibt.

Im Kern wollen Banken weiterhin Geschäfte machen dürfen, deren Risiken sie der Gesellschaft aufhalsen. Denn sie weigern sich, den zentralen Sicherheitspuffer ihrer Bilanz – das Eigenkapital – auf eine sozialverträgliche Höhe zu bringen.

Warum weigern sich die Banken so hartnäckig? Ganz einfach: Wegen des „Hebels“. Dieser Zauberstab des Fremdkapitals vervielfacht bei geringem Eigenkapital die Renditechance gewaltig. So etwas mögen die Banker. Denn dann können sie sich hohe Gehälter zahlen und saftige Boni gönnen. Aber der Hebel wirkt leider auch in die andere Richtung; er vervielfältigt die Verlustmöglichkeiten. „Ist nicht schlimm“, sagen die Banken – und reichen die Verlustrechnung einfach an die Allgemeinheit weiter. Dass die Banken das Fremdkapital so lieben, liegt daran, dass es für sie billiger ist als Eigenkapital. Weil nämlich die Gläubiger aus guter Erfahrung darauf bauen, dass sie im Falle eines Falles von den Steuerzahlern rausgepaukt werden, ist deren Risiko niedrig, weshalb sie auch eine geringere Verzinsung ihrer Kredite von den Banken fordern.

Die Banken heucheln Demut

Man kann das ganz einfach ausdrücken mit den Worten des diesjährigen Wirtschaftsnobelpreisträger Eugene Fama: „Die Erwartung der Rettung durch den Steuerzahler verleiht den Banken teuflische Anreize, viel zu hohe Risiken einzugehen.“ Fama ergänzt: „Hätten die Banken in der Finanzkrise mehr Eigenkapital gehalten, hätten die Aktionäre viel Geld verloren, die Welt als Ganzes aber nicht viel.“ Zwischen 2008 und 2012 mussten die europäischen Staaten nach Ausweis der Europäischen Kommission ihre Banken mit 5,1 Billionen Euro Steuergeld „retten“.

Die Steuerzahler haben ein Grundrecht darauf, nicht mit den Risiken der Geschäftspolitik von Banken behelligt zu werden. Sollen Banken doch zocken, spekulieren oder Casino spielen. Sollen sie sich als Trenn- oder Universalbank organisieren. Sie können machen, was sie wollen – unter einer Voraussetzung allerdings: Sie riskieren das eigene Geld, nicht das des Steuerzahlers. Man kann das auch als goldenes Gesetz der Marktwirtschaft formulieren: Risiko und Haftung gehören zusammen. Wer die Boni einstreicht, muss auch für die Verluste geradestehen.

Die Banken heucheln Demut. Doch wahre Demut bestünde darin, für mehr Eigenkapital zu sorgen. Das aber scheuen sie wie der Teufel das Weihwasser. Hartnäckig wehren sie sich gegen die Forderungen der Ökonomen nach höheren Sicherheitspuffern. Bei der Deutschen Bank betrug noch im Frühjahr 2013 das Eigenkapital gerade mal 2,1 Prozent der Bilanzsumme; das ist weniger, als Lehman vor der Pleite 2008 hatte. Inzwischen hat die Bank die Bilanzsumme geschrumpft und das Kapital erhöht, um nach eigenen Angaben auf eine Quote von drei Prozent zu kommen. Schon brüstet sich Bank-Chef Anshu Jain in der Süddeutschen Zeitung, dies sei „der höchste Kapitalstand seit Jahrzehnten“. Doch die Behauptung, man sei nun eine „der am besten kapitalisierten Banken der Welt“ (O-Ton Deutsche Bank) ist gelogen: Die großen amerikanischen Banken (Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase) weisen Kapitalquoten von fast fünf Prozent aus. Und auch diese Zahlen ändern nichts daran, dass alle Banken der Welt (einerlei, ob drei oder fünf Prozent) insgesamt grottenschlecht kapitalisiert sind.

Wie viel Eigenkapital wäre angemessen?

Um das zu kaschieren, werfen die Banken Nebelkerzen in die Öffentlichkeit. Eine davon sieht so aus: Eigenkapital koste sie mehr, weil die Aktionäre eine entsprechend hohe Verzinsung verlangten. Um diese Kosten einzuspielen, müssten sie aber ihre Kredite an die „Realwirtschaft“ teurer machen. Das dämpfe dann das Wachstum der Realwirtschaft. Geschickt wird aus der Verweigerung der Reform eine Drohung an die Gesellschaft: Wir schrumpfen euren Wohlstand, wenn ihr uns mit hohen Eigenkapitalvorschriften malträtiert. Wer so argumentiert, der unterschlägt auf ziemlich unanständige Weise die Kosten, die er der Allgemeinheit aufgebürdet hatte in der Finanzkrise infolge der miesen Kapitalausstattung.

Zudem hat die Finanzwissenschaft diese Drohgebärde längst als hohl entlarvt. Denn zum einen wird auch Fremdkapital teurer, wenn wegen des höheren Risikos die Gläubiger der Banken nicht mehr darauf hoffen dürfen, vom Steuerzahler rausgepaukt zu werden. Umgekehrt wird das Eigenkapital billiger, wenn auch das Verlustrisiko für den Aktionär durch den größeren Puffer sinkt. „Das Argument, wonach erhöhte Eigenkapitalanforderungen zwingend zu höheren Kreditzinsen führen, ist weder theoretisch noch praktisch haltbar“, schreiben die Schweizer Ökonomen Thomas Vettiger und Rudolf Volkart.

Aber wie viel Eigenkapital wäre angemessen? Normale Unternehmen im Dax haben im Schnitt eine Eigenkapitalquote von 25 Prozent. Die Industrie hat das übrigens, weil die Banken selbst es verlangen als Sicherheitspuffer für etwaige Kreditausfälle. 25 Prozent Eigenkapital wären auch für Banken das Minimum, findet Ökonom Fama. „Die Frage muss sein: Wie viel Eigenkapital hätte die Bank haben müssen, um einen Bail-out wie 2008 zu vermeiden? Oder anders gesagt: Die Aktionäre hätten alle Verluste tragen müssen. Und ich denke, das wäre auch ohne größere Schäden möglich gewesen.“

Man muss die Banken zwingen

25 Prozent? Was für eine Metamorphose wäre das von Ackermanns Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu Famas Eigenkapitalquote von 25 Prozent. Das wäre wahrhaftig der Systemwechsel.

Unzumutbar, jaulen die Banken. Es ist Rhetorik, an der nur stimmt, dass man als Bank die Eigenkapitalquote auch erhöht, wenn man seine Bilanzsumme, sprich seine Ausleihungen, konjunkturschädigend herunterfährt. Alternativ allerdings erhöht man das Eigenkapital durch die Ausgabe von neuen Aktien oder durch den Verzicht auf Gewinnausschüttungen. Dazu haben die Ökonomen Anat Admati und Martin Hellwig den entlarvenden Satz formuliert: „Wenn höhere Kapitalanforderungen Banken veranlassen, weniger zu verleihen, dann deshalb, weil sie Eigenkapital nicht erhöhen wollen.“ Das Buch von Admati/Hellwig „Des Bankers neue Kleider. Was bei Banken wirklich schiefläuft und was sich ändern muss“, ist übrigens unser Buch des Jahres 2013, liebe Leser, das man auch noch 2014 lesen kann.

Im 19. Jahrhundert waren Eigenkapitalquoten zwischen 25 und 40 Prozent (!) durchaus üblich. Und die Wirtschaft blühte. Heute werden Vorschläge dieser Höhe wahlweise als „Steinzeit-Banking“ (Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen) oder als „Rückkehr zur Postkutsche“ (Deutsche-Bank-Finanzchef Krause) diskreditiert. Anshu Jain gibt zwar Lippenbekenntnisse ab, man könne „gerne“ über mehr Eigenkapital sprechen, lehnt aber die einfachste Quote („Leverage Ratio“, die das Kapital in Beziehung setzt zur Bilanz) als untaugliches Maß strikt ab. Die Alternative, die die Banken bevorzugen, ist das sogenannte risikogewichtete Eigenkapital. Diese Messzahl hatte aber verheerende Folgen: Das Regulierungsregime Basel II bewertete bestimmte amerikanische Hypothekenprodukte mit einem AAA-Rating als sehr risikoarm. 2007/08 hatten diese plötzlich große Verluste produziert. Wenn die Banken (oder die Regulierer) über „Risikogewichtung“ reden, so ist das pure Anmaßung. Denn es unterstellt, man wisse im Voraus, wie riskant ein Bankgeschäft ist. Das kann man aber gerade nicht wissen. Nicht nur Spekulanten können gefährlich sein. Jeder Kredit ist ein Problem, wenn er faul wird.

Was also tun, wenn die Banken nicht freiwillig ihr Kapital erhöhen? Dann muss man sie zwingen. Kann eine liberale Zeitung das wirklich fordern? Ja. Gewiss, Zwang ist ein schmutziges Wort, um noch einmal den Nobelpreisträger Fama zu zitieren. „Rauspauken (Bail-out) ist aber noch viel, viel schmutziger.“

Willy Brandt Visionär, Weltbürger und Kanzler der Versöhnung

Einst spaltete er die Republik: Den einen galt er als Heilsbringer (ein deutscher Kennedy), den anderen als Verräter (ein Emigrant, ein Linker). Willy Brandt, umkämpft, umstritten – doch zu seinem 100. Geburtstag, können sich fast alle auf ihn einigen. Mit 19 ging er in den Widerstand gegen Hitler und ins Exil. Seine Ostpolitik scheint heute größer denn je. Ein Pragmatiker war Brandt als Bürgermeister West-Berlins. Weitsichtig agierte er als Außenminister und als Kanzler. Ein Modernisierer, der das Land weltoffener, jünger, aufgeklärter machte.

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Willy Brandt Der andere Deutsche

Als Bürgermeister West-Berlins, als Außenminister und als Kanzler veränderte Willy Brandt die Bundesrepublik wie kein zweiter Politiker. Zeitlebens aber blieb er auch ein Fremder im eigenen Land. von 

http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2013/04/willy-brandt-chronik

Er war der Kanzler, der nicht sein durfte. Ein Minderheitsdeutscher, der die Hitler-Jahre im skandinavischen Exil verbrachte und ausgebürgert wurde. Einer, der auf den ersten Blick in kein Raster für populäre Politiker in Deutschland zu passen schien. Im Amt des Regierungschefs, für das er dreimal Anlauf nahm, hielt es ihn nur kurz – viereinhalb Jahre lang, von 1969 bis 1974. Verehrt wurde er, aber noch stärker angefeindet. Erst nach seinem Tod 1992 polarisierte Willy Brandt nicht mehr.

Verwundert, als inspiziere er einen Fremden, blickte er immer wieder auf sein Leben zurück. Selbst im hohen Alter noch, beim Verfassen seiner Erinnerungen, rätselte er: “War ich das?” Ihn beschäftigte, weshalb er einmal als Linker, dann wieder als Rechter, schließlich wieder als Linker gegolten habe. Dem Berliner Regierenden Bürgermeister Brandt, dem die antikommunistische Rhetorik locker über die Lippen ging, folgte der Entspannungspolitiker, der mit den Feinden der frühen Republikjahre gegen heftigste Widerstände (“Brandt an die Wand”) die Ostverträge aushandelte. Der Mann, der die Achtundsechziger zum langen Marsch durch die Institutionen eingeladen hatte (und vor allem in seine SPD!), unterzeichnete 1972 den Extremistenbeschluss, der von der jungen Generation als Misstrauenserklärung empfunden wurde. Mehrfach musste Brandt sich neu erfinden in seinem Leben, sich von sich selber verabschieden und neu beginnen.

Zur Welt kam er in Lübecks Arbeitervorstadt St. Lorenz am 18. Dezember 1913 als uneheliches Kind unter dem Namen Herbert Ernst Karl Frahm. Wie sein Vater hieß, wusste er lange nicht. Seine Mutter, Martha Frahm, Verkäuferin in einem Konsumverein, hatte dessen Namen nicht angegeben, als sie den Sohn ins Register des Standesamts eintragen ließ. Den Namen, unter dem er weltweit bekannt wurde, Willy Brandt, hatte er sich selbst als junger Mann gegeben, ein nom de guerre, denn seine SAP, eine sozialistische Splitterpartei, formierte von Januar 1933 an im Untergrund eine Art jugendliche Opposition gegen Hitler. Die mit Brandt befreundete Journalistin Carola Stern vermutet in ihrer Biografie von 1975, dass es mehr war als nur Tarnung und Brandt sich schon auf eine Flucht nach Skandinavien vorbereitete. Gegenüber der italienischen Reporterin Oriana Fallaci stellte Brandt es dann noch einmal anders dar: Danach suchte er einen Namen, der nur ihm gehöre, als wünsche er ein Stück Emanzipation von der eigenen, tristen Familiengeschichte, unter welcher er litt. Wer er ist, wollte er selber bestimmen.

Willy Brandt zum 100. Geburtstag Torquato Tasso trifft Willy Brandt

11.12.2013 ·  Rückblick auf die Zeit, als die Bundesrepublik noch glücklich und das Theater noch wichtig war: Erinnerung an die Regierungsjahre der Emotion unter der Herrschaft einer seltsamen Lichtgestalt.

Von Gerhard Stadelmaier

uf dem Tisch werden im Laufe des Abends des 21. Oktober 1969 die Weinflaschen (1967er Stettener „Pulvermächer“) immer mehr. Der Vater trinkt sich in eine Art Verzweiflung hinein, die er mit etlichen „Ja, aber …!“- und „Dees got doch net!“-Schüben einerseits auflädt, andererseits durchbricht. Am Morgen, um 11.20 Uhr, hatte im Bundestag zu Bonn am Rhein ein Mann mit seiner reibeisenrauhen, dunkel norddeutschen Stimme laut gesagt: „Ja, Herr Präsident, ich nehme die Wahl an“, der diese Wahl, wäre es nach dem Vater und seinen Freunden und Bekannten und Altersgenossen gegangen, nie hätte annehmen dürfen. Es war für sie wie ein Epochen-Ende. Ein Absturz.Dem Sohn dagegen, der am anderen Ende des Tischs, auf dem, wie gesagt, die Weinflaschen zwischen den beiden immer mehr wurden (nach dem „Pulvermächer“ der Stettener „Häder“, Jahrgang 1965), sich in eine Art Freude hineintrank, die er mit etlichen begeisterungssatten „Ja, jetzt ko i gar nemme!“-Schüben einerseits auflud, andererseits zu Teilexplosionen brachte, war die Wahl des Mannes höchst angenehm. Es war für ihn und seine Freunde und Bekannten und Kommilitonen wie eine Epochenwende. Ein Aufbruch. Aber auch wie ein Spiel. Eine hinreißende Szene.

Er fand, der Mann, der da so schlicht theatralisch die Wahl annahm, hätte auf eine größere Bühne gehört, als sie der Bundestag bot. Eine richtige Bühne. Aufs beste deutsche Theater. Das stand damals in Bremen. Er war schließlich nichts weniger als ein Held. Und wohl auch eine Figur, für die heldenhafte literarische und theatralische Leute Wahlkampf gemacht hatten, lauter Größen: der Komponist Hans Werner Henze, die Dichterin Ingeborg Bachmann, der Regisseur Fritz Kortner, der Schriftsteller Günter Grass, die Schauspieler Agnes Finck und Bernhard Wicki.

Zwar hatten der Vater und seine Freunde und Bekannten, denen er im örtlichen „Stenografenverein von 1893“ seit Jahrzehnten ein schier unabwählbarer Dauervorsitzender war, der sie mit Stenografen-Bällen, Stenografen-Wanderungen oder auch Stenografen-Autorallyes und naturgemäß mit Stenografen-Wettschreiben bei Laune hielt, auf die Kanzler Adenauer („der alte Sack“), Erhard („die weiche Null“) und Kiesinger („der Schönschwätzer ond d’rzu no alter Nazi“) geschimpft (wiewohl man auf Kiesinger auch ein bisschen schwabenstolz war, weil er „oiner von onsere Leut’ isch“). Und sie hatten sich insgeheim nach dem einen, dem starken Manne gesehnt, der alles Gesellschaftliche, Politische und vor allem Wirtschaftliche dergestalt regeln würde, dass es ihnen und vor allem ihren Geschäften zupasskäme.

Ohne den Schmutz der deutschen Geschichte

Aber keiner hatte je einen Zweifel daran gelassen, dass die Regierung der Bundesrepublik Deutschland, der ja hinter der Elbe die Ostzone (die man später die DDR zu nennen sich mühsam angewöhnte) und „der Russe“ entgegenstanden, in die Hände der naturgemäß unabwählbaren Regierungspartei gehörte. Und das war gott- und politikgegeben die Christlich Demokratische Union. Ganz Halb-Deutschland von 1949 bis in alle Ewigkeit sozusagen der größere nationale Abglanz des kleineren „Stenografenvereins von 1893“.

Dass jetzt die Sozialdemokraten („die Sozen“), die man sowieso für Kommunisten hielt, mit Hilfe einer verräterischen „alten Umfallerpartei“ (Herbert Wehner) namens F.D.P. (die heute kaum noch einer kennt) den Kanzler stellten, nachdem sie zuvor in einer ungeliebten Großen Koalition von der CDU diszipliniert zu sein schienen, empfand man als ungehörig. Zumal der neue Kanzler nicht das Schicksal des Vaters und seiner Freunde und Bekannten teilte, die man frisch von den Schulbänken weg in den Krieg gezwungen hatte, während Willy Brandt, der sowieso gut zehn Jahre älter war als sie, in die Emigration nach Norwegen ging. An ihm klebte nicht der Schmutz der deutschen Geschichte, sondern es hing an ihm der Glanz des deutschen Anstands, der ihn ein Jahr später in Polen die Knie beugen ließ vor dem Denkmal für die ermordeten Juden des Warschauer Gettos. Und ihm den Friedensnobelpreis einbrachte.

Er hatte nicht nur deshalb etwas seltsam Unwirkliches beziehungsweise der Wirklichkeit Enthobenes um sich. Selbst ganz einfache Sätze oder Floskeln wie „Wenn ich mich so umgucke“ oder „Guten Abend“ oder „Meine sehr geehrten Damen und Herrn“ wirkten, da er sehr langsam redete, pausendurchbrochen die tiefgeriebene, wohl auch hie und da alkoholgegerbte Stimme erhob, als wäre seine Sprache grübelnd Höherem abgerungen.

Der Weltgeist spricht aus ihm

Wie aber erst dann, wenn er autofreie Sonntage (während der ersten Ölkrise, 1973) verkündete oder die Nachbarschafts- und Grundlagen-, also die sogenannten Ostverträge mit der DDR, Polen und der Sowjetunion öffentlich redend durchsetzte: Das schien alles weniger reale Politik, sondern Ausdruck und Ausfluss höherer Weisheit und Gerechtigkeit, bewegt und getragen von einer Emotion, die „heilig“ oder „welthistorisch“ zu nennen vielen ein Bedürfnis war.

Wiewohl Brandts Ostpolitik tiefe Keile in deutsche Gesellschaften und Familien trieb in Form erbitterter, manchmal sogar handgreiflich werdender Diskussionen im Für und Wider: Darf man „dem Iwan“, der bis an die Zähne bewaffnet an der Grenze lauert, vertraglich trauen? Darf man ehemals deutsche Ostgebiete als Staatsgebiet fremder Staaten anerkennen? Ist das nicht Verrat? Es gab dieserhalb viel Geschrei quer durch die Reihen und im Bundestag erbitterte Kämpfe. (Nur zwischen Vater und Sohn wuchs allein ganz friedlich die Zahl der Weinflaschen auf dem Tisch.)

Und weil dies in Brandts Rhetorik oft begleitet ward von fingernd suchenden Gesten seiner rechten Hand, so wie es die Brandt-Statue im Foyer des Berliner SPD-Hauptquartiers ja auch für alle Ewigkeit in Bronze gegossen zu haben scheint, hatten des Kanzlers Worte allemal den Anschein weniger von Verlautbarung, mehr von Verkündigung. Ja, gar von Poesie. Als spräche gar nicht er selbst. Als spräche es aus ihm.

Inszenierung des Jahrhunderts

Man konnte es auch körperlich spüren: Brandt wirkte immer so, als befinde er sich weniger inmitten einer Wirklichkeit, als stünde er vielmehr wie auf den Schultern der Wirklichkeit. Ein Getragener. Erhobener. Als nehme ihn das Land als einen Besonderen auf sich. Wenigstens eine Zeitlang. Denn er war der Politiker, der in Gehabe und Sprache auch als Dichter durchgehen konnte. Dem ein anderer Dichter (Grass) den Satz in seine erste Regierungserklärung schreiben sollte, der zur rhetorischen Ikone seiner Kanzlerschaft wurde: „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ Was überhaupt nicht nach Absicht oder Aufforderung oder Arbeitsanweisung oder Selbstermunterung, sondern gleich nach Verheißung klang. In Ruhmesstein gemeißelt. Als bräche man jetzt neu auf in ein gelobtes Land neuer Freiheit – in einer Bombenstimmung. Glücklicher und gelöster und zuversichtlicher hat sich das Land selten gefühlt. Und über allem schwebend: Willy, mit dem Lorbeer der Ausnahmeerscheinung bekränzt. Dem eine ganze junge Generation zu Füßen lag.

Aber es schien dem einen oder anderen (bitte, mehr dem einen), dass der 21. Oktober 1969 nicht eigentlich den Beginn der Herrschaft des Willy Brandt im großen Gesellschaftshaus der alten Bundesrepublik markierte, die damals freilich noch recht jung und unflügge war, kaum zwanzig Jährchen alt. Sondern dass der Beginn der kanzlerhaften Herrschaft der großen Emotion schon der 30. März 1969 war. An diesem Tag betrat der Dichter Torquato Tasso in Peter Steins Goethe-Inszenierung die Bremer Premierenbühne. Gespielt von Bruno Ganz. Jutta Lampe war die Leonore von Este, Edith Clever die Gräfin, Werner Rehm der Staatssekretär Antonio Montecatino, Wolfgang Schwarz der Herzog von Ferrara. Womöglich die folgenreichste, die berühmteste Inszenierung des Jahrhunderts. Der eine ganze junge Generation zu Füßen lag.

Prachtvolle naiv-linke Dramaturgie

Wer nicht dabei war und sie nicht sehen konnte, war durch seitenlange Rezensionen und Essays und Debatten über jedes ihrer Details wenigstens theoretisch informiert. Es wurde da – es ist auf DVD auch den Nachgeborenen zur Nachprüfung zugänglich – ein seltenes Kunststück geboten. In unnachahmlich schöner Form, vor allem Sprachform, die jede Hebung und Senkung des Goetheschen Verses perfekt erfüllte, jeden hohen Ton in Vollendung ausmusizierte und so dem Anspruch des alten Stücks auf klassisches Ebenmaß gerecht wurde, vollzog sich mitspielerisch zugleich die aktuelle, die neue Kritik am alten Stück und an den Figuren, vor allem der Titelfigur.

Dem Dichter Tasso, der ein Politiker sein beziehungsweise einem Politiker gleichkommen will und sich mitten in der politischen Wirklichkeit wähnt, umkränzt mit dem Lorbeer des Dichterfürsten (gemeint war natürlich damit auch Goethe, der Dichterfürst und Fürstendichter), wird der Boden unter den Füßen weggezogen – indem er aufsteigt und auf den Schultern des Staatssekretärs Antonio sich am Felsen festhält, „an dem er scheitern sollte“. Gegen den er sogar den Degen zog, um Respekt einzufordern. Eines der ikonographischen Zeichenbilder der Bremer „Tasso“-Inszenierung zeigt den prinzenhaft höhnisch über der Szene schwebenden Bruno Ganz, wie er auf den Antonio-Schultern Werner Rehms aus dem Raum getragen wird. Der, wie sie ihn in Steins Dramaturgie nannten, „Emotionalclown“ der Herrschenden, der denen, die über ihn bestimmen, den schönen Schein seiner Dichtung als Rechtfertigung ihrer Herrschaft liefert. So prunkvoll naiv-links dachte man damals noch dramaturgisch.

Die Politik war Theater und das Theater Politik

Damit begann die Epoche der Regietaten, die nicht ein Stück spielten, sondern das, was sie von diesem Stück und seinem Wert für die Gesellschaft hielten und von dem, was es an kritischem Potential zur Verbesserung der Gesellschaft bereitzustellen imstande war. Das war der Versuch, „ästhetische und politische Phänomene zusammenzudenken“, wie das Botho Strauß ein wenig später nannte, als er vom Theaterkritiker zum Dramaturgen (bei Peter Stein) mutiert war – bevor er sich auch noch als Dramatiker bewährte.

Das Theater wurde zum Aufreger, das Schaugewerbe zur Politik, die Politik aber zu großem Theater. Die sich aber beide in ihren Galionsfiguren durchaus unpolitisch verwirklichten: Auf Stars war nicht zu verzichten. Wiewohl mit dem Intellektuellen Tasso auch die Illusion kritisch aus dem Saal getragen wurde, dass die Intellektuellen, die Dichter gar, dem Staate und der Politik gebieten können sollten. Das richtete sich in der Regie des unzeitgemäßen Peter Stein gegen die große Illusion der damaligen Zeit, der die Dramaturgien wie die Universitäten gerne erlagen.

Wider die Wirklichkeit

Und so traf Torquato Tasso auf Willy Brandt: der ästhetische „Emotionalclown der Herrschenden“ in politischer Funktion als Scheinlichtbringer auf den herrschenden politischen Emotionalclown in ästhetischem Glanz als Lichtgestalt. Wobei man „Clown“ bitte in seiner melancholischsten, pierrothaftesten Erscheinungsform zu begreifen hatte und Steins kritischer „Tasso“ das Theater- und Zuschauer- und Kritikervolk ebenso provokant spaltete wie der unantastbar erhobene Brandt das Wahlvolk. Beide aber fungierten als Stars von Stimmungen einer Epoche politisch-ideologischer Empfindsamkeitsstrenge mit Sturm-und-Drang-Sahnehäubchen. Alles Wirkliche, Reale, am Boden, nicht in Wolken Auszumachende galt ihr als Schall und Rauch. Und alles ihr Entgegenstehende, Konservative fegte sie einfach weg beziehungsweise fühlte sie weg.

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Als Willy Brandt 1972 zur Bundestagswahl mit der einfachsten aller Losungen: „Willy wählen“ einen Kanzlerwahltriumph sondergleichen einfuhr, war Peter Stein sozusagen auf den Schultern Tassos zu so etwas wie zum triumphalen Theaterkanzler Deutschlands aufgestiegen: als unantastbarer Chef der Berliner Schaubühne, dem führenden deutschen Theater, das zwar auch in künstlerischen Sachen ein Mitbestimmungsmodell exerzierte, wobei aber nie unklar war, wer das Sagen hatte. Und gegen alle eventuell aufkommenden Realisten räumte Steins Kleist-Inszenierung des „Prinzen von Homburg“, natürlich in Gestalt des Bruno Ganz, der den Homburg spielte, den abgehobenen, weltverlorenen Träumern und Schlafwandlern ihr wunderbares Recht ein. Gegen alle Wirklichkeiten. „Ein Traum – was sonst“ wurde zur Losung: Tasso hatte sich von einer kritischen und kritisierten Figur im Homburg zu einer trotzigen verwandelt.

Die Realität holte sie ein

Wer aber auf Schultern erhoben und erhaben steht, siedelt dort nur auf Zeit. Solange die Schultern das aushalten. Und wenn die Schultern aus hässlichen Realitäten bestehen, brechen diese gern ein oder weg. Unter Brandt brachen aus und ein: der tückische Wehner („Der Kanzler badet gern lau“, „Regieren soll er, nicht erigieren!“), der tüchtige, in den Kanzlerstartlöchern präventiv scharrende Schmidt, die Ölkrise, die Inflation, der unsagbar dicke ÖTV-Chef Kluncker, der für seinen öffentlichen Dienst fabulös irre Tariferhöhungen (vierzehn Prozent) herausschlug. Schon Brandts erster Finanzminister Alexander Möller verabschiedete sich mit einem „Genossen, lasst die Tassen im Schrank!“ aus dem Kabinett. Dazu kam Guillaume, der Stasi-Spitzel im Kanzleramt, der unterm Biedermann-Tarnhelm herumfuhrwerkte. Der Kanzler nahm seine Depressionen, seine Auszeiten, seine Müdigkeiten: als wären das Arzneien gegen die Wirklichkeit da unten. Bis diese ihn fallenließ.

Peter Stein sagte in einem berühmt gewordenen Gespräch mit Berliner Berufsschülern 1985, er und sein Theater, das auf dem „Tasso“ gründete, seien „am Boden angekommen“. Willy Brandt war schon elf Jahre zuvor auf dem Boden angekommen. Dann übernahm Helmut Schmidt die Wirklichkeitsgeschäfte. Und auf dem Tisch zwischen Vater und Sohn wuchs wieder die Zahl der Weinflaschen (Stettener Trollinger, Jahrgang 1969). Und während sich der Vater in eine Freude hineintrank, die er mit etlichen „Sodele!“-Ausrufen sowohl unterbrach als auch steigerte, prostete der Sohn still dem Mann in den Wolken zu, den er dort nicht mehr fand.

Quelle: F.A.Z.

Willi Brandt Nacht in der ARD (videos . dokumentarfilme …)

Die lange Willy Brandt Nacht

http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/18715260_die-lange-willy-brandt-nacht

 

“Willy Brandt volvió a civilizar a Alemania”

Lübeck

El próximo 18 de diciembre se cumplirán 100 años del nacimiento del legendario líder socialdemócrata alemán Willy Brand. Con motivo del redondo aniversario, el Premio Nobel de Literatura Günter destacó la figura del canciller, un amigo personal a quien respaldó activamente a nivel político.

En una entrevista con dpa, el autor de “El tambor de hojalata” sostuvo que el jefe del gobierno germano entre 1969 y 1974 “volvió a civilizar a Alemania” tras el espanto del nacionalsocialismo y allanó el camino hacia la caída del Muro de Berlín con su política de acercamiento al Bloque Comunista en plena Guerra Fría.

Según Grass, un legado de Brandt que nunca se llevó a la práctica fue el Informe Norte-Sur que confeccionó en 1980 por encargo de las Naciones Unidas, en el que advirtió que la brecha cada vez mayor entre el norte rico y el sur depauperado es caldo de cultivo para el terrorismo.

-¿Cuál es el legado político de Willy Brandt?

Grass: Son fundamentalmente dos cosas: Nos mostró a los alemanes una vía de salida de una situación encallada como la construcción del Muro mediante una política de pequeños pasos, es decir, un constante diálogo con el rival político de la parte comunista, y con el que consiguió avances y allanó el camino hasta la caída del Muro. Ese fue un gran logro.

-¿Y el segundo …?

Grass: Es uno que no fue suficientemente percibido, y por ello estamos pagando hasta ahora las consecuencias. Cuando ya no era canciller pero todavía presidía el Partido Socialdemócrata, Willy Brandt escribió en 1980 un informe Norte-Sur por encargo de la ONU. En él alertó sobre la situación en el llamado Tercer Mundo. Propuso un nuevo orden económico en el que los Estados del Tercer Mundo negociaran de igual a igual con las naciones industrializadas, algo que no ocurrió.

-¿Qué consecuencias trajo aparejadas?

Respuesta: Willy Brandt ya lo había advertido: la ira, la indignación y la cólera aumentan en estos países, espoleadas por la necesidad, la pobreza y la miseria. Un caldo de cultivo ideal para el terrorismo. Nosotros mismos somos en buena parte responsables del terrorismo con el que lidiamos hoy en día porque no llevamos a la práctica estos escritos visionarios de Willy Brandt.

-¿Se puede resumir la obra política de Willy Brandt en un solo título como: “El canciller de la paz, el arquitecto de la política de distensión”?

Grass: No, la obra de su vida no puede reducirse a un mínimo denominador. Se puede decir que civilizó a Alemania. No marginalizó a la generación joven que comenzaba a protestar y con buenas razones en tiempos muy frágiles. Asumió la cancillería en 1969 y en 1967/1968 las protestas estudiantiles derivaron en el nacimiento de grupos comunistas y de los precursores de la Fracción del Ejército Rojo de Andreas Baader y Ulrike Meinhof. Abrió el SPD a la gente joven, lo que no estuvo exento de problemas. Es admirable que tuviera el valor para “atreverse a más democracia”.

-¿Fue usted el que inventó ese lema como colaborador de campaña del SPD y asesor de Willy Brandt?

Grass: Muchas cosas surgieron de nuestras charlas. Puede ser que yo lo haya formulado así o algo parecido. Pero no quiero hacer valer derechos de autor (ríe).

-Usted conoció a Willy Brandt desde principios de los 60. ¿Cómo era como persona?

Grass: Cuando lo vi por primera vez lo encontré en una situación muy vulnerable. Eran tiempos del canciller Konrad Adenauer en los que Brandt fue difamado como bastardo y emigrante. La Unión Demócrata Cristiana y la prensa de la editorial Springer vociferaban en su contra y fue algo que lo tocó mucho, que le costó mucha energía durante años. Era una persona tímida, necesitaba tiempo para acercarse, también a las personas que conocía de mucho tiempo. Pero de repente sorprendía con una afectuosidad y una necesidad irrefrenable de contar chistes.

-¿Y sus dotes de orador?

Grass: Era un maestro de la improvisación. En público se lo conocía como un tribuno del pueblo, que llenaba las grandes plazas y las salas. Pero también lo vi muchas veces hablar sin manuscrito ante 40 ó 50 personas. Era todo un virtuoso. Estos discursos estaban mechados con anécdotas ejemplares de su experiencia política.

-¿Qué sintió cuando se enteró de la muerte de Brandt en 1992?

Grass: Con su muerte llegó definitivamente a su fin una era que había despertado muchas esperanzas. Mucho había sido encaminado y debiera haber sido continuado. Al menos se retomaron algunas cosas como, por ejemplo, la política de los pequeños pasos que adoptó Brandt en contra de la resistencia de la CDU/CSU y que fue bautizada más tarde como “la nueva política alemana”. Su sucesor y correligionario Helmut Schmidt prosiguió con esta política, que después fue adoptada también por Helmut Kohl. Era un proceso irreversible. No esta inconsistencia que vemos hoy. La actual canciller Angela Merkel es un buen ejemplo de ello: puedo hacerlo así, pero también puedo hacerlo de otra manera.

http://www.milenio.com/cultura/Willy_Brandt-Alemania-Gunter_Grass_15_209529047.html

Über die Lust der Deutschen, Vorschriften zu befolgen

Alle Erfahrungen der Deutschen mit Diktaturen haben nicht ausgereicht, ihnen die Lust am Verbieten auszutreiben. Die Freiheit hat immer noch einen schweren Stand. von 

http://www.zeit.de/kultur/2013-11/deutsche-verbote-freiheit

Die Deutschen, so soll Lenin gespottet haben, würden eine Bahnsteigkarte kaufen, bevor sie einen Bahnhof stürmten. Bahnsteigkarten gibt es nicht mehr, doch die Lust, Vorschriften zu befolgen oder gar neue herbeizuwünschen, scheint ungebrochen.

Einer neuen Umfrage zufolge* wollen 64 Prozent aller Deutschen ein Verbot ungesunder Lebensmittel, 59 Prozent ein Verbot von Gewaltdarstellungen in Computerspielen oder Filmen und 32 Prozent ein Verbot von Pornografie. Weitere Verbotswünsche betreffen große Parteispenden, das Glücksspiel und den Verkauf von Schnaps.

Man findet die Zahlen in einer Erhebung des John-Stuart-Mill-Instituts für Freiheitsforschung. Was immer von dem dort ermittelten Freiheitsindex wissenschaftlich zu halten ist: Es scheint klar zu sein, dass die Freiheit unter den Deutschen kein übermäßiges Ansehen genießt.

Unbestreitbar gibt es in diesem Land unerfreuliche Dinge. Ob Glücksspiel und Alkohol dazu gehören, ist natürlich Ansichtssache. Aber würden solche Unerfreulichkeiten durch ein Verbot beseitigt? Natürlich ist Gesundheit ein hohes Gut. Doch würde sie durch ein Verbot ungesunder Lebensmittel wie vielleicht Chips oder Kinderschokolade befördert?

Viele sehen im Staat eine Tugendbehörde, die das Gute erzwingen und das Schlechte verbieten soll. Das ist nicht nur ein deutsches Missverständnis. Man weiß, was das Alkoholverbot, die Prohibition, in den USA von 1919 bis 1933 bewirkt hat: die rasante Ausbreitung der Bandenkriminalität. Und es gäbe gute Gründe, das Verbot harter Drogen abzuschaffen. Dadurch würde der Drogenmafia, die ganze Länder ruiniert, der Boden entzogen.

Das wäre ein riskanter, vielleicht unerlaubter Schritt. Unwahrscheinlich ist er sowieso. Aber die Erfahrung lehrt, dass jedes Verbot zu seiner Übertretung einlädt. Um es durchzusetzen, muss der Staat Kontrollorgane schaffen. Jedes Verbot vergrößert folglich den staatlichen Anteil an der Verfasstheit eines Landes und vermindert den gesellschaftlichen.

Es ist seltsam: Trotz ihrer üblen Erfahrungen mit Diktaturen vertrauen viele Deutsche noch immer lieber dem Staat als der eigenen Initiative. Das zeigt eine Allensbach-Umfrage für die FAZ*, veröffentlicht am 27. November. 42 Prozent der Ostdeutschen und 36 Prozent der Westdeutschen glauben, dass sie in einer stärker vom Staat kontrollierten Ökonomie besser dran wären. Der Sozialismus ist ein Wiedergänger, da hilft kein Exorzismus.

Sicherheit, Gleichheit, Gerechtigkeit stehen auf der Wunschliste obenan. Das kann man gut verstehen. Im idealen Staat muss niemand seine Türen verschließen und niemand muss betteln. Eines der folgenreichsten Experimente der Menschheit, die Französische Revolution, hat jedoch hinreichend gezeigt, dass Liberté und Egalité ein Gegensatzpaar sind. Die totale Durchsetzung der Gleichheit führte zum totalen Terror.

Warum wird die Freiheit so wenig geschätzt? Erstens, weil sie uns selbstverständlich ist. Was man schon lange besitzt und wofür man selber nicht gekämpft hat, hat keinen hohen Wert. Zweitens: Nur wer die materiellen und geistigen Voraussetzungen hat, kann die Freiheit nutzen.

  • Freiheitsindex

pdf  Pressemitteilung_Freiheitsindex_Deutschland_2013_John_Stuart_Mill_Institut

Dossier Freiheitsindex pdf Dossier_Freiheitsindex_Deutschland_2013_vorab

  • JOHN STUART MILL INSTITUT FÜR FREIHEITSFORSCHUNG

http://www.hochschule-heidelberg.de/de/fakultaet-fuer-wirtschaft/john-stuart-mill-institut-fuer-freiheitsforschung/ 

  • Allensbach Analyse F.A.Z. 27.11.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/allensbach-analyse-stille-liebe-zur-planwirtschaft-12682183.html
… “seit etwa 20 Jahren wächst die Unzufriedenheit der Deutschen mit der sozialen Lage im Land. Das wird erkennbar an den Antworten auf die Frage „Sind die wirtschaftlichen Verhältnisse bei uns in Deutschland – ich meine, was die Menschen besitzen und was sie verdienen – im Großen und Ganzen gerecht oder nicht gerecht?“. Von 1964 bis Anfang der neunziger Jahre hielten sich die Anteile derjenigen, die sagten, die Verhältnisse seien gerecht, und die Zahl derer, die sie für nicht gerecht ansahen, ungefähr die Waage. Seitdem aber steigt – von kurzfristigen Schwankungen abgesehen – der Anteil derer, die die Verhältnisse für nicht gerecht halten, kontinuierlich. Heute liegt er bei 65 Prozent. Nur noch 18 Prozent widersprechen ausdrücklich….”