Smartphone-Reklame Werbebotschaften aus heiterem Himmel

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18.03.2014  ·  Eine neue Technik aus den Vereinigten Staaten befördert ortsbezogene Werbung direkt aufs Smartphone. Befürworter sehen in „Beacons“ eine Chance. Datenschützer wittern hingegen Gefahren.

Von Martin Gropp

In Sharp Increase Over Last Year, Over Half Of Adults In U.S. Own Smartphones

Ein neuer Hype: Das Interesse an der Beacon-Technologie ist groß.

Wer in diesen Tagen über den Münchner Viktualienmarkt geht und am Geschäft des Müsliherstellers Mymuesli vorbeikommt, könnte unter Umständen eine unerwartete Einladung erhalten. Per Direktnachricht auf das Smartphone versucht das Passauer Unternehmen für individuell zusammengemischte Frühstücksflocken gerade Laufkundschaft in seinen Laden zu lotsen. Dort soll sie den erst vor kurzem neu auf den Markt gebrachten Mymuesli-Drink probieren.

Möglich macht diese Form der standortbasierten Vermarktung eine neue Technik, die aus den Vereinigten Staaten kommt und die nach Meinung mancher Marktbeobachter jetzt auch in Deutschland vor dem Durchbruch steht. Zusammengefasst wird diese Technik unter dem englischen Stichwort Beacon, was Leuchtfeuer bedeutet. Ähnlich wie ihre Pendants aus der Schifffahrt haben diese digitalen Leuchttürme eine Leitfunktion: Sie sollen Kunden auf Produkte aufmerksam machen und sie so am besten auf dem direkten Weg zur Kasse schicken. Mit Beacons können Kunden aber auch weitere Informationen in Geschäften erhalten. Die Technik nutzt den Funkverbindungsstandard Bluetooth, um ihre Botschaften zu senden. Nur wenn die Fußgänger auf dem Viktualienmarkt diese Schnittstelle an ihren Handys eingeschaltet haben, können sie die Einladung erhalten.

Marktforscher sehen großes Potential für Beacons

Doch ist das nicht die einzige Voraussetzung, wie Benjamin Thym vom Berliner Beacon-Anbieter Barcoo erklärt. Sein Unternehmen, das bisher vor allem für die gleichnamige Barcode-Scanner-Anwendung bekannt ist, hat die Beacon-Lösung für Mymuesli in München umgesetzt. Sie funktioniere nur, wenn die Passanten auch gleichzeitig die Barcoo-Anwendung installiert haben, mit der sie sich bisher über Produkte informieren oder Preise vergleichen können. Außerdem müssen sie der Standortortung explizit zugestimmt haben, um standortbasierte Nachrichten zu erhalten, sagt Thym. Zudem sind die Beacons seines Unternehmens derzeit nur für das Apple-Betriebssystem iOS ausgelegt. Eine Lösung für Smartphones mit dem weiter verbreiteten Android-Betriebssystem solle „in wenigen Wochen folgen“. Die Entwicklung stehe aber auch in anderer Hinsicht noch am Anfang. Noch seien die lockenden Nachrichten an die Allgemeinheit gerichtet. Erst im Laufe des Jahres plant Barcoo, sie auf die jeweiligen Nutzer zuzuschneiden.

 

Gerade in dieser Individualisierungsmöglichkeit sehen Marktforscher großes Potential für die Beacons. Die Position eines Individuums auf wenige Meter bestimmen zu können sei ein Schlüssel, um hochrelevante Informationen zu liefern, schreibt das Analystenhaus Gartner. Es geht davon aus, dass Beacon-Dienste in diesem Jahr ein großes Wachstum verzeichnen.

Im November hatte schon das deutsche Beratungsunternehmen Mücke, Sturm& Company die Lösung des amerikanischen Elektronikkonzerns Apple namens iBeacon fast frenetisch gefeiert. „Mit iBeacon profitieren Kunden von vielen Angeboten und Services während ihres gesamten Einkaufs“, schrieben die Berater. Und für die Unternehmen sei die Bluetooth-Technik eine kostengünstigere Möglichkeit als der lange propagierte Funkstandard Near Field Communication (NFC). „1,5 Millionen Euro reichen aus, um 5 Prozent der Verkaufsfläche des deutschen Einzelhandels auszustatten. iBeacon ist sehr erfolgversprechend.“ Ähnlich sieht es der Verband der Internetwirtschaft, Eco. Die Technik liefere „die Grundlage für neue Ökosysteme wie das mobile Bezahlen und die Indoor-Navigation mit immensen Marktpotentialen“.

Pilotprojekte starten bald auch in Deutschland

Längst haben deshalb außer Apple auch andere Unternehmen diese Möglichkeiten entdeckt. Vorne mit dabei ist der amerikanische Bezahldienstanbieter Paypal, der im September Beacons einführte, um „die Einkaufserfahrung in Geschäften neu zu erfinden“. In den kommenden Monaten wird das Unternehmen voraussichtlich auch in Deutschland erste Pilotprojekte starten.

Barcoo-Geschäftsführer Thym spricht deshalb von einem „Hype“. Sein Unternehmen hat neben Mymuesli in München auch schon die Niederlassung der Deutschen Bank an der Friedrichstraße in Berlin mit Beacons ausgerüstet. Dort erhalten Passanten Hinweise auf eine Ausstellung in der Niederlassung. In einigen Gastronomiebetrieben im Stadtteil Kreuzberg sei die Technik auch schon im Testgebrauch. Mit anderen Interessenten sei er in guten Gesprächen, etwa mit Supermärkten. Barcoo verdient je nach Größe der Läden an Gebühren für die Technik und die Bereitstellung der Dienstleistung. Das Startangebot beginnt bei 50 Euro je Geschäft.

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Für die Zukunft sieht Thym auch andere Einsatzmöglichkeiten, etwa die Außenwerbung. Als Beispiel nennt er Plakatwerbung auf Supermarktparkplätzen. Hingen dort unterschiedliche Plakate für unterschiedliche Zielgruppen, könnten in den Plakaten installierte Beacons in der Zukunft gezielt diejenigen Kunden ansprechen, bei denen sie die größten Chancen auf einen Kauferfolg haben. Habe zum Beispiel ein Barcoo-Nutzer schon einmal mit der App Shampoos gescannt, um mehr über die Pflegemittel zu erfahren, würde ein Plakat mit Shampoo-Werbung diesen Kunden direkt ansprechen können.

Thym weiß, dass manche Menschen solche Vorstellungen bedenklich finden könnten. „Ich kann verstehen, dass das unheimlich anmuten mag“, sagt er. „Aber für Nutzer unserer Anwendung erfolgt die Ansprache zu 100 Prozent anonymisiert. Wir wissen zum Beispiel nicht, wer der Nutzer ist oder wo er wohnt.“ Und wegen der zuvor eingeholten Einwilligung sei es auch mit den deutschen Datenschutzgesetzen konform. Auf die Pflicht zur Einwilligung verweist auch Thilo Weichert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein. „Standortdaten dürfen nach dem Telekommunikationsgesetz nur dann erhoben werden, wenn sie für einen Dienst absolut erforderlich sind oder aber eine Einwilligung des Nutzers vorliegt“, sagt Weichert. Doch meist stehe diese Einwilligung im Kleingedruckten. Die Verbraucher sollten daher aufmerksam sein, wenn es um mögliche Änderungen in Bezug auf standortbasiertes Marketing geht.

Quelle: F.A.Z.

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