Aufstand der Massen und Paradoxien der Elite

http://blogs.faz.net/digital/2014/06/07/aufstand-der-massen-und-paradoxien-der-elite-610/

07.06.2014, 10:30 Uhr  ·  “Elite” hat in Europa den Begriff der “Masse” als Reizwort der Gesellschafts-Beschreibung abgelöst. Welcher soziale Strukturwandel hat diese Bewegung ausgelöst, und wie wird er sich weiter entwickeln?

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Kaum ein anderer Begriff war vor drei oder vier Jahrzehnten so spürbar mit gegenstrebigen polemischen Energien geladen wie der Begriff der “Masse.” Auf der einen Seite stand, von den Erziehungsystemen beständig und in vorderster Front propagiert, die moralisch-existentielle Warnung, nicht zum “Massenmenschen” zu werden, deren normativer Hintergrund ein bildungsbürgerliches Bild vom “Subjekt” oder “Individuum” als selbstbestimmter und auf Differenz ausgerichteter Lebensform war. Doch das Wort “Masse” bezog sich auch, zumal in den politischen Welten des Sozialismus und der Linken, auf demographische Mehrheiten und das mit ihnen assoziierte moralische Recht, gegen alle existierenden “Repressionen” und als “revolutionäre Massen” die eigenen Interessen und die eigenen Werte in den Vordergrund treten zu lassen oder, wenn nötig, “gewaltsam durchzusetzen.”

Jene Spannung, die man tief im zwanzigsten Jahrhundert noch gerne und aus intellektueller Tiefe raunend “dialaktisch” genannt hatte, ist inzwischen implodiert und hat “Masse” zu einem ganz und gar uncharismatischen Wort werden lassen, dem jüngere Generationen nicht einmal mehr seine auratische Vergangenheit anmerken. Ohne Zweifel geht diese Entwicklung auf die zentrale, aber fast befremdlich selten erwähnte soziale Transformation des letzten Vierteljahrhunderts in den westlichen Gesellschaft zurück. Sie sind mittlerweile wirtschaftlich, kulturell und auch politisch von einem sich immer weiter ausdehnenden “Mittelstand” dominiert, der keine Ambitionen hat, sich als “soziale Klasse” zu verstehen, sondern im Nebeneinander von Millionen, ja Milliarden individueller Existenzen besteht, deren Lebensformen immer ähnlicher aussehen, ohne als Normen erlebt zu werden. Zu beinahe nichts verpflichtet dieser Mittelstand, obwohl es ihm schwer fällt, eine Wirklichkeit jenseits der eigenen auch nur vorzustellen. Die monstruöse neue Situation schliesst Reiche wie Arme in der vollen Auseinanderentwicklung ihrer wirtschaftlichen Verfügungsmöglichkeiten ein; sie tragen die billigeren und teureren Versionen des gleichen Kleidungsstils, und in Europa tendieren beide Seiten auch dazu, die traditionelle Hochsteuer-Poltik zu unterstützen.

In dieser Umgebung lädt sich nun – genau gegenläufig tatsächlich zum Begriff “Masse” – der Begriff der “Elite,” dessen grosse Zeit nach 1930 abgeschlossen schien, mit neuer Kraft auf. Seine Entstehung seit dem siebzehnten Jahrhundert und seine wortgeschichtliche Herkunft aus dem lateinischen Verb “eligere” (“auswählen”) sind an die Emergenz des Bürgertums in Mitteleuropa und an seine frühen, “Merkantilismus” genannten wirtschaftlichen Verhaltensformen gebunden. Durch eine Kaskade von soziologischen Unterscheidungen zwischen verschiedenen Typen von “Elite” zieht sich die Insistenz auf eine direkte Beziehung zwischen herausragender individueller Leistung, gesellschaftlicher Anerkennung und wirtschaftlicher Kompensation. In der Politik wurde die bürgerliche Leistungs-Ethik polemisch gegen die Aristokratie als Prinzip des ererbten Status gekehrt. Friedrich Nietzsche hat der in diesem Sinn bürgerlichen Einstellung von “Elite” eine besondere existentielle Vitalität zugeschrieben.

Von der Gegenwart des frühen einundzwanzigsten Jahrhungerts aus mag es überraschen, wie wichtig der Elite-Begriff sowohl für den Faschismus wie für den Kommunismus war, die beiden zentralen Konfigurationen des zwanzigsten als ideologischem Jahrhundert. Denn Faschismus und Kommunismus verstanden sich ja beide als Ideologien der Gleichheit, der ethnischen oder sozialen Gleichheit. Der je spezifische Egalitarismus hat Kommunismus und Faschismus aber nicht daran gehindert, ihre je positiven Bezugsgruppen (“Proletariat,” “Italiener,” “Arier” etc.) mit dem Elite-Begriff zu assoziieren — und darüberhinaus innerhalb ihrer als breiten Eliten aufgefassten Bezugsgruppen noch einmal Spezial-Eliten zu kultivieren (Mussolinis “Arditi” oder Hitlers “SS”).

1929, als Benito Mussolini am Zenith seiner Macht stand und Adolf Hitler dabei war, sich von der Position des politischen Pausenclowns ins deutsche Machtzentrum zu bewegen, erschien unter dem Titel “La Rebelión de las Masas” (“Der Aufstand der Massen”) ein Buch des spanischen Philosophen und Publizisten José Ortega y Gasset, das sofort breite europäische Resonanz fand, das man unter den Vorzeichen der politischen Korrektheit von 1968 dann wegen seiner Kritik an den Massen abzulehnen hatte – und das nun plötzlich im Hinblick auf die gegenwärtige Situation ein schillerndes Aktualitätspotential zurückgewinnt.

Ortegas Titel hatte in jenem historischen Kontext seine besondere Pointe. Angesichts einer Gegenwart, welche die bolschewistische “Oktoberrevolution” von 1917 und den faschistischen “Marsch auf Rom” von 1923 als Revolten der Masse im Sinn einer (jeweiligen) sozialen Klasse und einer (jeweiligen) revolutionären Elite mit angestrengter Begeisterung feierte, wollte er Leser-Aufmerksamkeit auf einen ganz und gar nicht totalitären, aber noch weniger revolutionären “Aufstand” lenken. Das war der Aufstand des selbstzufriedenen Kleinbürgers (“senorito satisfecho”) und sein Anspruch auf ein ebenso bequemes wie sorgenfreies Leben, zu dessen Sicherung er nichts beitragen zu müssen glaubte, weil er sich auf den großzügigen Staat verließ. Ortega bezog Faschismus und Kommunismus in diese Beschreibung ein, ohne seine Version vom “Aufstand der Massen” gleich als koexistensiv mit den beiden grossen Ideologien anzusehen. Neben Selbstzufriedenheit, Grenzenlosigkeit der Ansprüche und blindem Vertrauen auf den Staat attestierte er dem neuen Massenmenschen – mit Nietzsche im Gedächtnis — auch einen Verlust an Vitalität.

Das späte Provokationspotential von Ortega y Gassets Buch als längst ablegtem Klassiker ergibt sich aus den gegenläufigen Veränderungen im Gebrauch der Begriffe “Masse” und “Elite” (und aus den Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen, auf die sie sich beziehen). Nach dem Erscheinen der “Rebelión de las Masas” hatte die sich in den dreißiger Jahren zuspitzende Rivalität zwischen den Ideologien und den Mächten, welche sie verkörperten, den Blick auf die damals schon einsetzende Entwicklung einer neuen Mittelschicht verstellt. Im frühen einundzwanzigsten Jahrhundert hingegen ist sie, zumal innerhalb der europäischen Union mit ihren unbegrenzten Erwartungen, ihrer durchaus gedämpften Leistungsbereitschaft und der mit ihrer Expansion einhergehenden demographischen Entwicklung zum zentralen sozialpolitischen Problem der Gegenwart und – mit noch dramatischeren Akzenten – der Zukunft geworden.

Dass “Elite” als Begriff und als Zone des Handelns im neuen alten Mittelstand einen Tabu-Status hat, bedarf kaum ausführlicher Erklärung oder Dokumentation. Ein komplexes System (oder eher: ein ausuferndes Rhizom) wechselseitiger Beobachtung und Limitierung ist zum Schutz der selbstzufriedenen “Gleichheit” entstanden. Aufmerksamkeit verdient eher das doppelt paradoxale Verhältnis zwischen Mittelstand und Elite. Zum einen scheinen gerade unter den Vorzeichen wechselseitiger Beobachtung und Limitierung jene elitäre Motivationen zu gedeihen, welche die Gleichheits-Apostel irritieren. Zum anderen und vor allem gehen mit der unaufhaltsamen Expansion des Mittelstands die Chancen sozialer Mobilität dramatisch zurück. Wer auf jedes Anzeichen elitären Verhaltens und elitärer Dynamik mit kontrollierender Eifersucht reagiert, der trägt unwillentlich auch zur Blockierung der eigenen Aufstiegschancen bei.

Übrigens gehört es zum Habitus der neuen (und alten) Eliten, dass sie im Hinblick auf die öffentliche Manifestation ihrer Leistungen ganz nonchalant (vielleicht demonstrativ nonchalant) bleiben, während jede Art von Status-Bewahrung, ob aristokratisch oder mittelständisch, nach Sichtbarkeit strebt. Wo die Nonchalance aussetzt, ist elitäre schon in besitzstandsbewahrende Bürgerlichkeit umgeschlagen. In “Hooking Up,” einem Essay über die Silicon-Valley-Elite, hat Tom Wolfe diese Bewegung mit ihrer ganzen Ambivalenz beschrieben: “The stodginess of an East Coast career was symbolized by the stodginess of the dress. Even the youngest dressed like old men: the dark blah suit, the light blah shirt, the hopelessly ‘interesting’ Hermes tie…Many of them even wore silk braces. The new Master of the Universe turned it all upside down. At Il Fornaio restaurant in Palo Alto, California, where they gathered to tell war stories and hand out business cards at breakfast, the billionaire founders of the new wonder corporations walked in the door looking like well-pressed, well-barbered beachcombers, but beachcombers all the same. They wore khakis, boating moccasins (without socks) and ordinary cotton shirts with the cuffs rolled up and the front unbuttoned to the navel, and that was it. You could tell at a glance that a Silicon Valley billionaire carried no cell phone. Having breakfast with him at Il Fornaio would be a vice president whose net worth was $ 100 or 200 million. He would be dressed just like the founder, except that he would also be wearing a sport jacket. Why? So he could carry…the cell phone.”

 

Ökonomie der Überwachung – Daten, die das Leben kosten

01.04.2014  ·  Die digitalen Supermächte sind dabei, jedem ein Preisschild anzukleben. Es geht um eine gesellschaftliche Neuordnung: Über die Tricks der Mitspieler: die City of London Inc. hat ein paar richtig fiese im Angebot.

Von Sascha Lobo

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/sascha-lobo-digitale-daten-gefaehrden-leben-und-freiheit-12874992.html

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Der Schritt zur maschinellen Entscheidung über Leben und Tod: die Drohne Taranis, benannt nach dem keltischen Gott des Donners.

ie kann man ernsthaft einen neuen Internetoptimismus fordern, der doch wieder enttäuscht würde? Oder, schlimmer: sich womöglich nochmals als naiv erwiesen? Die Antwort: Der Preis erneuter Enttäuschung ist gering, es gibt keine sinnvolle Alternative zu einem neuen Netzoptimismus. Zu einem, der Kritik ernst nimmt und integriert, statt mit Spott zu reagieren oder gar nicht. Sein Ziel wäre, die digitale Vernetzung der Gesellschaft zu menschenwürdigen Bedingungen voranzutreiben und ohne wesentliche Werte der Aufklärung in einem Klosett in Langley herunterspülen zu lassen.

Die konkreteste Gefahr ist gezielte Tötung

Der Schlüsselsatz aus Martin Schulz’ kämpferischem Debattenbeitrag zur digitalen Vernetzung in dieser Zeitung lautet: „Wenn der Bürger nur zum Wirtschaftsobjekt degradiert wird und der Staat ihn unter Generalverdacht stellt, kommt es zu einer gefährlichen Verbindung von neoliberaler und autoritärer Ideologie.“ Das ist nachvollziehbar, neoliberal und autoritär, die Singapurisierung Europas kann niemand wollen.

Weil aber das Vage die Debatte zur digitalen Sphäre vergiftet, ist es für das Verständnis des kommenden Kampfes essentiell, der konkreten Gefahr nachzuspüren, statt sie diffus zu beschwören. Am besten beginnt man bei der radikalsten Konsequenz der Datensammlung: der gezielten Tötung.

Seit 2011 sind die sogenannten Signature Strikes der Vereinigten Staaten bekannt, ferngesteuerte Exekutionen per Drohne. Betroffen sind Personen und Gruppen, die nicht verurteilt oder auch nur angeklagt wurden. Oft genug trifft es zufällig Danebenstehende. Der republikanische Senator Lindsey Graham, der der Übertreibung um des Friedens willen unverdächtig ist, sprach Anfang 2013 von bis dahin 4700 Drohnentoten.

„Ich habe nur Befehle ausgeführt“

Noch scheint die Tötungsentscheidung von Menschen getroffen zu werden – spitzenwiderlich, und doch nur das Vorspiel künftiger Perversionen. Die Drohne „Taranis“ des britischen Rüstungsunternehmens BAE Systems – Großlieferant der amerikanischen Regierung – wurde im Februar 2014 vorgestellt. Gesteuert wird sie durch ein „fully autonomous intelligent system“, ein schwiemeliger Euphemismus für den kybernetischen Horrorklassiker: Die Drohne kann autonom identifizieren, wen sie wo und wann tötet. Eine digitale Todesschwadron, bei der aus einem Bug ein Zufallsmord werden kann.

Laut BAE muss stets der Mensch einen Angriff prüfen und genehmigen, technisch zwingend wäre es mit Taranis nicht mehr. Und die Institutionen, die diese Drohne einsetzen werden, sind bisher nicht unbedingt durch begeisterte Einhaltung rechtsstaatlicher Regeln aufgefallen. Sondern durch maßloses Ausschöpfen jeder technischen Machbarkeit. Der Blick in das Funktionskonzept dieser automatisierten Mordtechnologie offenbart die zivilisatorische Kälte einer datengetriebenen Ideologie. Es ist eine dunkle Ideologie der vermeintlichen Alternativlosigkeit: „Ich habe nur Befehle ausgeführt“ im Maschinengewand.

Bei Anruf Mord

Die Entscheidung, wer zu töten sei, folgt einem neuen Paradigma der Datenverarbeitung namens „Patterns of Life Analysis“, grob zu übersetzen mit Verhaltensmuster-Analyse. Vereinfacht erklärt, basiert es auf Profilen und Wahrscheinlichkeiten. Für sich genommen, ist dieses Paradigma weder gut noch schlecht. Allerdings erfordert es einen ständigen Datenstrom, denn solche Wahrscheinlichkeiten altern schnell.

Im Fall der Drohnenmorde werden anhand der SIM-Karten in Mobiltelefonen Profile angelegt und per Überwachung angereichert, hauptsächlich mit den sogenannten Metadaten. Die Abkürzung ABI (activity-based intelligence) steht dafür, dass jede ausspionierte Aktivität in die Berechnung einfließt: SMS an besondere Adressaten, die Anwesenheit des Handys am falschen Ort zur falschen Zeit, Anrufe bei einer bestimmten Nummer. Es ergibt sich nach den Patterns of Life eine Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei einem Profil um einen Terroristen handeln könnte.

Berechnete Wahrscheinlichkeiten entscheiden über Leben und Tod

Irgendwann wird durch die Akkumulation einer Vielzahl von Datenströmen – Accumulo heißt das dabei verwendete Datenbanksystem der NSA – ein willkürlich gesetzter Wert überschritten. Die Person zum Profil wird dann nicht mehr als wahrscheinlicher Terrorist betrachtet, sondern als Terrorist. Das ist ihr Todesurteil.

Und die Berechnungsmethode ist der Grund, weshalb regelmäßig Leute ermordet werden, deren Name nicht einmal bekannt ist, wie das „Wall Street Journal“ enthüllte. An diesem Punkt schlagen die Patterns of Life um in die Patterns of Death, der tödlichen Gewissheit eines Datenmodells, verdichtet zu einer horriblen Ideologie. Ihr Kern: Nach willkürlichen Kriterien berechnete Wahrscheinlichkeiten werden als Realität angesehen. Dann wird danach gehandelt, selbst wenn das bedeutet, einen glasklaren Mord zu verüben.

Der Glaube an die endgültige Berechenbarkeit der Welt

Das ist das ideologische Fundament für den Spähwahn der Geheimdienstmaschinerie: die Überzeugung, zur eindeutigen Wahrheit zu gelangen, wenn man die Maschine bloß mit ausreichend vielen Daten füttert. Der Soziologe Dirk Baecker gab im November 2013 einen Hinweis darauf, wie diese geheimdienstliche Realitätskonstruktion zurückwirkt auf die Politik: „Geheimdienste arbeiten nur dann stabil und damit unter politischer Kontrolle, wenn sie jede ihrer Informationen für instabil halten müssen. Denn nur unter der Bedingung instabiler Informationen müssen sie deren Bewertung der Politik überlassen. Im Falle aller eindeutigen Informationen behalten sie das Deutungsmonopol und können darauf ihre Autonomieansprüche und ihren Einfluss begründen.“

Der Glaube an die endgültige Berechenbarkeit der Welt wird gestützt von einem Apparat, dessen Macht ins schier Unendliche wächst, wenn die Politik auch daran glaubt. In diesem Fall aber werden immer weniger Einzelentscheidungen gebraucht, sondern immer mehr und mehr Daten. Das ist das Gruseligste an dieser Ideologie: Sie konstruiert aus einem Wust von Daten eine vermeintliche Realität, in der keine persönliche Verantwortung mehr für maschinell getroffene und ausgeführte Entscheidungen übernommen werden muss.

Die Virtualisierung der Verantwortung

Diese datengetriebene Ideologie zielt auf eine Entpolitisierung der Macht, auf die Virtualisierung der Verantwortung. Und damit auf die Aushöhlung der Demokratie. Und es handelt sich nicht um ein isoliertes Phänomen der Terrorbekämpfung.

Denn der Fortschritt selbst – die sozialen Medien mit neuen Datenkategorien, die Beherrschbarkeit großer Datenmengen, die Robotik – hat nebenbei die Bereitschaft erhöht, mehr und wichtigere Entscheidungen der Maschine zu überlassen. Je komplexer die Aufgaben, die Maschinen sichtbar bewältigen, desto mehr unterstellt man eine Lösungsintelligenz. Die muss aber gar nicht vorhanden sein, ein Staubsaugerroboter hat nicht die geringste Ahnung vom Staubsaugen, er kann es bloß. Schon gar nichts weiß er über Hygiene.

Bei der Übertragung von Entscheidungsgewalt an die Maschine spielt auch die Erkenntnis von Joseph Weizenbaum eine Rolle, nach der Menschen dazu neigen, berechnete Ergebnisse eines Computers absonderlich ernst zu nehmen, eine Schwester von Horkheimers instrumenteller Vernunft.

Datenschutz als größter Feind von Google & Co.

Mit maschinell produzierter Gewissheit in einer ungewissen Welt drängt sich die Ideologie in alle Lebensbereiche, indem sie Wahrscheinlichkeit als Wahrheit verkauft samt zwingender Handlungsanweisung. Weil dafür persönliche Daten benötigt werden, ist Datenschutz ihr erster und größter Feind. Die Suche nach weiteren Schlachtfeldern dieser Ideologie führt deshalb nach Brüssel und Straßburg, wo lange die Europäische Datenschutz-Grundverordnung verhandelt wurde, die im Jahr 2014 beschlossen werden soll.

Eine Reihe Lobbygruppen haben sich dabei eingebracht. Der Markt rund um Daten ist so groß, dass sich diese teuren Investitionen schon lohnen, wenn am Ende bloß ein Geschäfte erschwerender Halbsatz wegfällt. Das hat nicht zwingend mit der beschriebenen Ideologie zu tun, natürlich lassen sich Daten ebenso positiv nutzen.

Mehr noch, die gesamte Ökonomie transformiert sich zur Datenökonomie, die digitale Vernetzung und ihre Datenflüsse sind das Nervensystem der kommenden Wirtschaft. Und doch lohnt ein Blick auf die Datenschutzgegner in Brüssel. Wenig überraschend finden sich darunter Facebook, Google, Microsoft. Ebenso deutsche Adresshändler, die Zeitschriften- und die Marketingbranche. Zu den aggressivsten aber gehört die Gemeindeverwaltung der Londoner Innenstadt, die City of London Corporation. Huch?

Die Entmachtung der Bürger in Londons Innenstadt

Als gewählte Instanz kann sie wesentlich besser politischen Einfluss nehmen, manchmal agiert sie sogar mit dem Mandat der britischen Regierung. In Wahrheit ist die City of London ein Monstrum. Ihre wichtigste Mission laut Website: „Wir unterstützen und fördern die City of London als weltweit führend in der internationalen Finanzwirtschaft.“ Das ist kein Zufall. Denn bei der Wahl der Gemeindevertreter können auch Unternehmen abstimmen. Nach der Zahl ihrer Mitarbeiter. 2009 hatten deshalb rund 8000 Bürger jeweils eine Stimme. Die ansässigen Unternehmen konnten 24000 Stimmen abgeben.

Die Gemeindeverwaltung der Londoner Innenstadt wird faktisch von Finanzkonzernen bestimmt, eine einzigartige Pervertierung der Demokratie. Schön und gut oder vielmehr schlimm und schlecht – aber was hat das mit der Ideologie hinter Patterns of Life und der künftigen Entwicklung des Internets zu tun?

Der individuelle Wert eines jeden Kunden

Leider alles. Denn die Aggression der Politik gewordenen Bankenlobby gegen die Datenschutz-Grundverordnung markiert den Kampf um einen zukünftigen Markt im Netz: „Das größte Geschäft mit privaten Daten werden die Risikoabschätzung und die individualisierte Berechnung des Werts eines Kunden sein“, sagt Jan-Philipp Albrecht, grüner Europaparlamentarier und eine der treibenden Kräfte hinter der Datenschutz-Grundverordnung.

Mit diesem Markt beginnt die dunkle, deterministische Datenideologie spürbar auch in das Leben des deutschen Durchschnittsbürgers einzugreifen. Und nicht nur in das von jemenitischen Hochzeitsgesellschaften wie der zwölfköpfigen, deren Auslöschung per Drohne im Dezember 2013 durch ein datenbasiertes Versehen geschah.

Schon 2011 sicherte sich Google, übrigens Inhaber einer weltweiten Bankenlizenz, ein Patent auf das sogenannte Dynamic Pricing. Dabei wird in Online-shops kein gleichbleibender Preis für eine Ware angezeigt, sondern ein individuell berechneter, den genau dieser Kunde zu zahlen bereit sein könnte. Das geschieht, natürlich, über Profilbildung und Wahrscheinlichkeit, und obwohl die konkreten Formeln nicht bekannt sind, könnte alles einfließen, was das Unternehmen über einen Nutzer weiß, die Suchhistorie, der Wohnort, die abgeschätzte Kreditwürdigkeit, das Kaufverhalten im Android Appstore oder das Bewegungsprofil des Smartphones – Verhaltensmuster eben. Laut Googles Patentschrift könnten bestimmte Kunden überzeugt werden, für ein Produkt bis zu viermal mehr zu bezahlen als andere.

Der Missbrauch von Kundendaten ohne deren Wissen

Beim Online-Einkaufen automatisch über den Tisch gezogen zu werden ist zweifellos schöner, als beim Heiraten automatisch von einer Drohne zerfetzt zu werden. Der ideologische Ansatz dahinter ist derselbe: Die persönlichen Daten eines Individuums werden automatisiert und ohne sein Wissen zu seinem Schaden missbraucht.

Ob man bestimmte Produkte überhaupt noch angezeigt bekommt, ob man eine Flugreise antreten darf, ob man einen Job bekommt, ob man als Mieter einer Wohnung taugt – das Modell kann quer durch die digitale Gesellschaft angewendet werden, der Konsument oder Bürger wird, den Wahrscheinlichkeiten folgend, in seiner Handlungsfreiheit beschnitten. Ohne dass er sich substantiell wehren könnte oder auch nur Einblick in die Profile und Berechnungen bekäme, die sein Leben bestimmen.

„Wer hat, dem wird gegeben.“

Die City of London treibt einen tiefen Finanzmarkt der Zukunft voran, in dem persönliche Daten zusammengeführt werden, um zum Beispiel das Wertschöpfungspotential einer Person zu berechnen. Daraus ergibt sich, wie viel ein Unternehmen maximal in einen Rabatt investieren könnte, um den Interessenten zum Kunden zu machen. Ebenso ließe sich für jede Person in jeder Situation vermeintlich bestimmen, wie hoch das Risiko eines Zahlungsausfalls ist, welche Produkte zu welchen Preisen mit welchen Zahlungsmethoden und welcher Finanzierung man ihr anbieten kann und welche nicht.

Die ultraneoliberale Seite dieser Ideologie offenbart sich hier. Wer arm ist und sich ein Produkt nur mit Mühe leisten kann, bekommt es teurer angeboten. Wer reich ist und damit ein potentiell attraktiver Kunde, bekommt das gleiche Produkt in berechenbarer Erwartung zukünftiger Umsätze verbilligt, „Wer hat, dem wird gegeben.“ Um diesen Schatz zu heben, versuchen Internetkonzerne, Informationsdealer und Investmentbanken im Verein, die Mitbestimmung der europäischen Bürger über ihre Daten auszuhebeln.

„Wir wissen mehr oder weniger, woran Sie denken.“

Seine passgenaue Ergänzung findet dieser zukünftig größte Markt im Internet im derzeit größten Markt im Internet, der Werbung. Der überwiegende Teil heutiger Internetwerbung hat nichts mehr zu tun mit den romantischen Kreativitätsmythen von „Mad Men“ bis „39,90“. Onlinewerbung ist zum privatwirtschaftlichen Arm der digitalen Totalüberwachung mutiert, nur dass es hier um Kauf- und nicht um Killwahrscheinlichkeit geht.

Bezogen auf Smartphone-Ortung und Suchhistorie, sagte Google-Aufsichtsrat Eric Schmidt 2010: „Wir wissen, wo Sie sind. Wir wissen, wo Sie waren. Wir wissen mehr oder weniger, woran Sie denken.“ NSA-Chef Keith Alexander hätte es kaum anders formulieren mögen.

Schmidt sagt solche beängstigenden Sätze, weil die Werbeindustrie Werbung für effizienter hält, wenn man die Zielgruppe so präzise wie irgend möglich kennt. Bis in die intimsten, womöglich kaufentscheidenden Details der Patterns of Life hinein.

Im Oktober 2013 wurde in der Werbefachzeitschrift „Adweek“ eine Studie besprochen, nach der bei Frauen montags die Wahrscheinlichkeit am höchsten sei, sich hässlich zu fühlen. Deshalb sei dies der richtige Zeitpunkt, um ihnen entsprechende Kosmetik anzupreisen. Die Autorin der Studie war Chefstrategin einer Agentur, die zu Publicis Omnicon gehört, der größten Werbeholding der Welt.

Alle Daten analysieren bis sich Muster des Lebens ergeben

Der Moment der Verzweiflung als Marktvorteil – es gibt kaum persönliche Daten, die nicht auf die ein oder andere Weise verwertbar wären. Hier ist der Kristallisationspunkt der digitalen Überwachung, alles sammeln, alles aggregieren, alles auswerten, denn alles kann wichtig sein, die Muster, die das Leben ergeben.

Diese datensüchtige Ideologie ohne jeden Respekt vor der Würde des Einzelnen ist die Parallele zwischen staatlicher und privatwirtschaftlicher Überwachung, zwischen radikalisierten Geheimdiensten, skrupelloser Finanzwirtschaft und aggressiven Werbekonzernen. Weil die wesentlichen Prozesse im Verborgenen ablaufen müssen, um effizient zu funktionieren und Gegenmaßnahmen zu erschweren, ist neben Datenschutz auch Transparenz ein Feind dieser Ideologie.

Die Abschaffung der digitalen Privatsphäre im Namen der Effizienz

Natürlich ist ein Drohnenmord etwas völlig anderes als ein zum Zeitpunkt größten Unbehagens angebotenes Schminkset oder ein Job, den man nicht bekommt, weil irgendeine Profilberechnung eine geringe Erfolgswahrscheinlichkeit ergibt. Die Verbindung aber besteht in der Abschaffung der digitalen Privatsphäre zum Zweck der Effizienzsteigerung und in der Zuordnung einer Person zu einem Profil, ohne dass sie darauf den geringsten Einfluss hätte. Oder auch nur davon wüsste.

Weil daraus am Ende lebens- und sterbensbestimmende Entscheidungen getroffen werden, handelt es sich um eine Ideologie im Marxschen Sinn, um „ein Gebäude, das zur Verschleierung und damit zur Rechtfertigung der eigentlichen Machtverhältnisse dient“. Diese selbstherrliche Ideologie begreift das Leben aller ausschließlich als Datenmodell und beraubt sie individualisiert nach rechnerisch konstruiertem Gutdünken ihrer digitalen Handlungsmöglichkeiten. In einer hypervernetzten Zukunft ist das nichts anderes als die Beschneidung der Freiheit. Gegen diese Ideologie anzukämpfen heißt deshalb, für eine freie und offene Gesellschaft zu kämpfen.

Der Kampf um das gute Ende der digitalen Vernetzung

Das aber kann nur mit der digitalen Vernetzung, mit dem Internet geschehen und nicht dagegen. Es geht nicht um die Ablehnung des Fortschritts, sondern um dessen Richtung. Deshalb braucht man – einen neuen Internetoptimismus. Die irreversible Verschmelzung der Netzwelt mit der Restwelt bedeutet, dass Netzoptimismus in seiner Wirkung identisch ist mit Gesellschaftsoptimismus: Es lohnt sich zu kämpfen, weil ein positiver Ausgang möglich ist. Der Weg dorthin beginnt damit, die Ideologie unwirksam zu machen, indem die Erhebung, Zusammenführung und Auswertung von Daten zu angereicherten Profilen nach präzise definierten Regeln geschieht, indem jeder Einsicht in und Kontrolle über seine Profile als Recht zugesprochen bekommt. Und indem man dem digitaldeterministischen Gesellschaftsbild entgegentritt, mit dem eine vollständig markt- und machtkonforme Welt erschaffen werden soll.

Sascha Lobo, Jahrgang 1975, ist einer der bekanntesten Internet-Experten Deutschlands. Auf den Artikel von Martin Schulz „Warum wir jetzt kämpfen müssen“ antworteten bisher Evgeny Morozov, Juli Zeh, Shoshana Zuboff, Gerhart Baum , Christian Lindner und Christiane Benner.

 

Technologischer Totalitarismus Warum wir jetzt kämpfen müssen

06.02.2014  ·  Internetkonzerne und Geheimdienste wollen den determinierten Menschen. Wenn wir weiter frei sein wollen, müssen wir uns wehren und unsere Politik ändern.

Von Martin Schulz

Internet und Demokratie Google ist nicht der Retter der Welt

22.03.2014  ·  Google behauptet, es habe eine „Verantwortung für die Welt“. Und übernimmt dabei nicht einmal Verantwortung für die eigenen Nutzer. Der Internetkonzern eignet sich nicht als Retter der Demokratie, weil er selbst davon lebt, undemokratisch zu sein. Ein Kommentar.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/internet-und-demokratie-google-ist-nicht-der-retter-der-welt-12859400.html

Google

Edel sei das Unternehmen, hilfreich und gut: So sieht Google sich selbst.

Armes Google. Diese Woche beschwerte sich Konzernchef Larry Page bitterlich über die NSA: Es sei für ihn „furchtbar enttäuschend, dass die Regierung all diese Dinge geheim getan und uns nichts davon gesagt hat“. Solches Handeln schade der Demokratie. Denn „wir können keine Demokratie haben, wenn wir unsere Nutzer vor Dingen schützen müssen, über die wir nie gesprochen haben“. Unabhängig davon, ob überhaupt stimmt, was Page da sagte – laut NSA wussten die großen Konzerne sehr wohl von der Ausspähung – sind diese Sätze interessant. Denn in ihnen steckt Googles Selbstverständnis: Es sieht sich nicht nur als Technologieunternehmen, sondern, mindestens genau so wichtig, als Hüter der Demokratie, als Retter der freien Welt, als „guter globaler Bürger“ (so der Verwaltungsratsvorsitzende Eric Schmidt), der für die Befreiung der Menschen durch das Internet kämpft.

In den Anfangstagen, in der Garage, mag diese Überzeugung vielleicht einmal echt gewesen sein. Inzwischen ist sie nur noch Show. Was nicht heißt, dass Google nicht ernsthaft versuchen würde, sich politisch einzumischen, im Gegenteil: Je mehr das Unternehmen wächst, sich Branche für Branche erschließt, je weiter es sich in den Alltag vortastet, umso häufiger sprechen Googles Manager von den Problemen der Welt, von Terrorismus, Verbrechensbekämpfung, dem Gesundheitswesen – Bereiche, die der Staat reguliert oder regulieren sollte.

„Wir wollen die Welt verbessern“, sagt Google – vor allem die eigene

Die Google-Chefs finden ganz offensichtlich, dass er das nicht gut genug tut. Und dass die Lücken, die er hinterlässt, nur mit Technologie gefüllt werden können. Das belegen sie gerne mit Geschichten, die sie auf ihren vielen Weltreisen erleben. Zum Beispiel in Mexiko: Dort trafen Eric Schmidt und der Leiter von „Google Ideas“, Jared Cohen, „Menschen voller Angst“, die ihre Informationen über Kriminelle in die richtigen Hände geben wollten. Die beiden Amerikaner hatten eine Idee: Wieso können sie ihre Informationen nicht einfach als verschlüsselte Pakete in ein Netzwerk einspeisen, von wo aus die „tools“ sie dann an die richtigen Stellen weiterleiten? Es ist nicht schwer zu erraten, wer die „tools“ gerne zur Verfügung stellen würde. Google verbirgt seine Ziele ja gar nicht: „Wir wollen die Welt verbessern“, heißt es in Interviews, oder, in den Worten des offiziellen Firmenmottos: „Don’t be evil“.

Doch Google eignet sich schon deshalb schlecht als Retter der Demokratie, weil es selbst davon lebt, undemokratisch zu sein. Welcher Nutzer kann bei Google schon mitbestimmen, geschweige denn kontrollieren, was genau mit seinen Daten geschieht? Dazu müssten die Nutzer aufgeklärt sein, wissen, wie Google sein Geld verdient. Aber Google hat nichts von mündigen Nutzern. Es ist im Gegenteil angewiesen auf Leute, die sich nicht daran stören, dass in den Datenschutzbestimmungen steht, Google erfasse „möglicherweise“ gerätespezifische Informationen und Standortdaten und verknüpfe „unter Umständen“ personenbezogene Daten aus den verschiedenen Diensten; es gebe „möglicherweise zusammengefasste, nicht-personenbezogene Daten an die Öffentlichkeit und unsere Partner weiter“.

Googles Algorithmen setzen Unschuldsvermutung außer Kraft

In Deutschland wurde Google wegen zu vager Formulierungen von der Bundeszentrale Verbraucherschutz verklagt. Die erste Instanz gab dem Kläger recht, aber Google legte – anders als etwa Microsoft, das in einem ähnlichen Verfahren nachgab – Berufung ein. So ist Zeit gewonnen, in der alles so intransparent bleiben kann, wie es ist. Es klingt deshalb wie Hohn, wenn die Google-Chefs immer dann, wenn sie darüber sprechen, was ihre Dienste alles so können, hinzusetzen, dass dies selbstverständlich nur mit „Ihrer Erlaubnis“ – also der Erlaubnis der Nutzer – möglich sei. Die wenigsten Nutzer würden wohl sagen, Google bewusst erlaubt zu haben, frei mit den eigenen Daten zu jonglieren. Entweder man hat die Nutzungsbedingungen noch nie gelesen oder versteht nicht, was sie bedeuten.

Google, das behauptet, eine „Verantwortung für die Welt“ zu haben, übernimmt nicht einmal Verantwortung für die eigenen Nutzer. Seine Algorithmen setzen die Unschuldsvermutung, die in einem Rechtsstaat gilt, ebenso außer Kraft wie die Verjährung von Straftaten, die nach verbüßter Haft irgendwann aus dem Führungszeugnis gelöscht werden. Google hält dagegen mit Argumenten wie: „Zur Architektur des Internets gehört nun die Dauerhaftigkeit von Daten“ (Eric Schmidt). Wenn man viel Geld und Zeit hat, Max Mosley heißt oder Bettina Wulff, kann man gegen diese Dauerhaftigkeit klagen. Nun darf Google in Deutschland zwar Mosleys Sexpartybilder nicht mehr zeigen, aber die erste Ergänzung zu seinem Namen ist immer noch „intime Party“.

Was ist erst mit denen, die kein Geld für eine Klage haben? Google weiß genau, dass gerade Jugendliche im Netz Hilfe gut gebrauchen könnten. Jared Cohen hat das einmal unfreiwillig auf den Punkt gebracht. Er wollte davon erzählen, wie großartig das Datensammeln in der Terrorismusbekämpfung sein kann und schilderte die Geschichte eines Al-Qaida-Kämpfers, den die Amerikaner in Pakistan lange vergeblich gesucht hätten. Er habe ständig seine SIM-Karten gewechselt. Doch ein paar Jahre später, der Terrorist war nun 26 Jahre alt, rief er seinen (sicher ebenfalls überwachten) Cousin in Afghanistan an und sprach ausführlich mit ihm über dessen Hochzeit. Er habe wohl gedacht, er brauche nicht so vorsichtig zu sein wie sonst, da es in dem Gespräch um soziale, nicht um „professionelle“ Dinge gegangen sei, sagte Cohen. Und feixte: Jugendliche plus Technologie sei nun mal gleich Fehler.

Vermutlich fiel ihm gar nicht auf, dass er sich nicht bloß über den dämlichen Terroristen, sondern auch über alle anderen Jugendlichen lustig machte, die Suff- oder Nacktbilder ins Netz stellen. Aber auch darauf hat Google eine Antwort: Die Eltern sollen sich kümmern. Klar kann man von einer Firma nicht verlangen, seine Kunden vor Fehlern zu bewahren, die ihre Geschäftsgrundlage bilden. Aber dann sollte Google auch mit so großen Begriffen wie „Verantwortung“ sparsamer umgehen.

Den Konzern dürfte die Frage, ob er der richtige ist, die Welt zu retten, nicht übermäßig quälen. Wenn Google Politik machen will, dann macht es das. Im Jahr 2013 gab das Unternehmen laut Angaben des „Center for Responsive Politics“ knapp 16 Millionen Dollar für Lobbying aus – weit mehr als alle anderen Netzfirmen. Als Nächstes folgt Microsoft mit 10,5 Millionen, dann Facebook mit 6,4 Millionen. Google selbst tritt als Anwalt seiner eigenen Interessen kaum in Erscheinung. In Brüssel, so beschreibt es der grüne Europa-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht, der für das Europäische Parlament die Verhandlungen über die geplante Datenschutzverordnung führt, habe noch niemand einen Vertreter von Google offiziell etwas zu einem politischen Thema sagen hören. Doch man habe oft das Gefühl, von Dritten – Stiftungen und Anwaltskanzleien, die Google mitfinanziere – das zu hören, was der Konzern denkt, aber nicht selbst sagen will.

Weitere Artikel

Google verschleiert seine Meinungen, weil es nicht als profithungriger Megakonzern wahrgenommen werden will, der auf Bürgerrechte pfeift, sondern als politisch sensibler Konzern, der sein buntes Kinderlogo aus Anlass der Winterspiele in Sotschi in Regenbogenfarben zeigt. Sollte diese Show irgendwann nicht mehr funktionieren, geriete Google in die Krise. Die Angst davor sprach auch aus dem, was Larry Page diese Woche sagte. Er fürchte, dass die NSA eine Paranoia vor dem Verlust der Privatsphäre nähre. „Wir denken nicht daran, wie gut und hilfreich es sein kann, die richtigen Daten auf die richtige Art und Weise zu teilen“, sagte Page. Gut und hilfreich, aber das erwähnte er nicht, auch und vor allem für Google.

Caballerizas – 2 articulos mas

Al parecer algunos interesados han tenido dificultades de poder acceder y leer diversas publicaciones relacionadas con la polémica de las Caballerizas en El Levante de la semana pasada. Aqui su reproduccion:

El Levante 13.3. 2014

http://www.levante-emv.com/opinion/2014/03/13/desmontando-valenciaesmontando-valencia/1089415.html?utm_medium=rss

Desmontando Valencia

13.03.2014 | 02:27 -R. Ventura-Melià

Los vecinos del barrio de la Seu andan alzados contra el plan del señor Serra, que vive en la plaza de San Luis Beltrán, junto a l´Almodí, para derribar unas antiguas caballerizas de un palacio que adquirió hace años para elevar un nuevo edificio. Personalidad sobrada tiene el inmueble en el que reside, hace mucho tiempo restaurado y no sé por qué necesita más espacio cuando muchas familias se han de conformar con 90 metros de superficie.
A mí me explicaron los Font de Mora que en este antiguo palacio vivían ellos y que era de los Montesinos (cuyo blasón campea en la portalada). Aquí han nacido Lluís Font de Mora, el economista y exconseller, o su hermana, que casó con un Caruana. También creo que Pedro Agramunt o su madre, vivió aquí. Como fuera lo vendieron y llegó el industrial (un especialista en arte, me dijo, hace 30 años: «ferros, ferros i ferros»).
Por entonces se supo que poseía una gran colección de pintura gótica valenciana. Desconozco si jamás ha hecho una jornada de puertas abiertas como buen vecino… O si ha prestado obras a exposiciones de nuestros reputados museos. Me huele que no ha hecho ninguna donación, por ahora. Hay descuentos de Hacienda si insinúas esa futura intención.
Lozano, el arquitecto responsable del proyecto, o del más ambicioso para la dársena, y actual miembro del CVC „por impulso de Consuelo Ciscar„, se escuda en que total «hay dos arcos» que se conservarían. Me temo que si empieza a hacer cimientos saldrá la Valentia romana y tendrá más problemas de los que cree. Podría utilizar el edificio colindante con el palacio, mucho más grande y que necesita restauración. Amenaza caerse si no se actúa. Esa sí que fue la casa natal del santo.
Este ayuntamiento lo permite todo. Hace poco echaron una casa que parecía del siglo XIX y como me señaló Carlos Soler, la dovela y otros elementos eran del XV o XVI. Y en la Bosseria han derribado otra que ha dejado varias columnas góticas en el suelo, como si nada. Van asolando Valencia. Y presumen de amar «lo nostre». Un amor que casa mal con la especulación.
Tras la burbuja de la Copa del América cerraron varios hoteles, como el Sidi Saler. O que han cambiado de empresa, como el Abasiri, que reabrió SH, el Hilton ahora con la cadena Meliá. Aunque el año pasado aumentó el número de turistas no así los ingresos. No me opongo a que el edificio sea hotel, como si Calatrava convierte su casa de la plaza de la Virgen en uno. De hecho ocupa parte de la plaza abusivamente. Va a ser un destino con difícil acceso y no digamos el aparcamiento en la zona…
Los Serra ya añadieron un sobreelevado polémico, para el hijo. Pasó a pesar de que llegó a discutirse su idoneidad. Los edificios históricos son patrimonio y deben respetarse. Los miembros del CVC han de ser los primeros en implicarse en su conservación. O dejar la poltrona y dedicarse al negocio privado. No veo que sea éticamente compatible.

El LEvante 14.03.2014

Una asociación pedirá que el palacio Escrivà abra al público

La plataforma Paco Leandro se opone al derribo de las caballerizas y alegará contra el nuevo edificio para albergar la colección de arte Serra de Álzaga

http://www.levante-emv.com/valencia/2014/03/13/asociacion-pedira-palacio-escriva-abra/1089444.html?utm_medium=rss

14.03.2014 | 03:54 H. Garcia

valencia La Plataforma Paco Leandro presentará alegaciones al plan especial de protección (PEP) de monumentos del centro histórico cuya exposición al público se aprobó en el último pleno. En concreto, este colectivo ciudadano, heredero de la extinta Asociación de Amigos del Centro Histórico, se opone al derribo de unas antiguas caballerizas situadas en la plaza de los Condes del Real para la ampliación del Palacio Escrivà y con objeto de ganar espacio para la colección de arte de los Serra de Álzaga, dueños del citado palacio y de las caballerizas.
El portavoz de la plataforma, Carlos Sánchez-Pescador, explicó que su intención es evitar que se derribe este edificio, a su juicio, insuficientemente estudiado y documentado. Consideran que el estudio arqueológico que se hizo en 2005 no es concluyente ya que no se hicieron catas en el interior del edificio, donde se conservan varios arcos medievales, ménsulas y antiguos pesebres.
Para la plataforma la construcción de un edificio de cuatro alturas proyectada por el dueño del Palacio Escrivà, Ramón Serra de Álzaga, no se justifica ya que no existe ningun elemento que haga pensar que la colección quedará abierta al público. La platafoma, en este sentido, alegará para que el Palacio Escrivà, que alberga una valiosa colección privada de pintura gótica y renacentista, establezca un régimen de visitas en cumplimiento de la ley de Patrimonio, que obliga a abrir al público los Bienes de Interés Cultural. «Lo ha hecho hasta el palacio de Liria», recalcó el portavoz de la plataforma.
El plan especial de monumentos prevé incluir las caballerizas en el entorno BIC del palacio Escrivà, lo que según el concejal de Urbanismo, Alfonso Novo, garantiza la protección del inmueble. Sin embargo, el citado plan permite descatalogar el edificio en determinados supuestos y acreditando que se destinará a un fin museístico. La construcción de un edificio moderno de cuatro plantas en sustitución de las caballerizas, que sólo tienen una planta, desvirtuará la imagen y el encanto de la plaza que se convertirá en un tubo», advierte la plataforma.
La plataforma Paco Leandro instará al dueño del Palacio Escrivà a dignificar la medianera recayente a la plaza Condes del Real así como a restaurar la casa de San Luis Beltrán, contigua al palacio y propiedad también de los Serra, en cuyo interior se conservan interesantes conjuntos de cerámica valenciana y que presenta riesgo estructural por el sobreelevado de los años 60.

Caballerizas 2 :

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David contra Goliath … ya por ser un conjunto tan pitoresco e unico  vale la pena conservar las caballerizas: saben dar un ambiente tranquilo a una plaza particular en pleno centro historico de la ciudad. Aqui si es posible que el transeunte haga una pequeña pausa, tome un respiro del frenesi de la ciudad  y deja volar la fantasia hacia unos tiempos cuando el sonoro ritmo de carruajes y caballos daban a la ciudad su melodia.

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La Fachada frontal con unas catas realizadas para un proyecto anterior (2005). Tambien en este proyecto se pretendio -igual como hoy – derrimbar las caballerizas.
En el tercio inferior de la cata se puede apreciar muy bien un tipo diferente de silleria ,mas tosco, de piedra entera. Especialistas arqueólogos defienden su origen en la muralla medieval (alcazar) de Valencia. Tambien se relacionan con el Almudi y la posibilidad que las caballerizas tuvieron una funcion complementaria al Almudi.
Reciclaje en lugar de derrumbe…

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La joya de las Caballerizas: El ARCO.

El arco destaca por la particulariedad de unas mensulas/canes en la parte superior que sirven de soporte para las vigas de la cubierta, hecho particular que hace datar el arco en el siglo XV u incluso anterior. Es obra de un artesano proveniente de Castellon, que ha traido sus conocimientos desde Perpignan/Francia via Catalunya hasta Valencia. De alli su unicidad y la clasificacion como “arco perpiñano”. Es muy probable que tratamos con una obra arquitectonica ya unica, no solo en Valencia.
Ademas es una pequeña muestra de la (hoy tan aclamada)  libertad de movimiento de trabajadores y conocimentos forasteros en  Europa, entonces ya en el gótico 😉

 

Otro pequeño tesoro:La reja en el exterior lateral. No lo parece a primera vista, pero no se trata de una reja hecha de hierro forjado. Su material es madera utilizada todavia como material mas economico en una fase de transicion hacia el hierro forjado.  Otra reja parecida existe en Valencia pero en los interiores del Colegio del Patriarca (1590-1600). Pero aquella ya es una pieza de museo, arrancada de su lugar de origen y expuesta en un entorno museal. Mientras, la reja de las caballerizas sigue ‘in situ’, lo cual la convierte tambien en un testigo unico de aquel entonces …

Fotografias (C) E.Carrazoni.

Textos (C) CBS

Caballerizas Conde del Real Valencia 1

Las Caballerizas figuran en la LISTA ROJA de HISPANIANOSTRA
caballerizas hispnos
http://www.hispanianostra.org/lista-roja/Caballerizas_del_Palacio_de_Escriva
Texto reproducido desde la url de Hispanianostra
Historia/Descripción:
Se distinguen dos edificios diferentes, aunque actualmente se trate de un único local en planta baja, cuyo origen, características constructivas y función están bien diferenciados.
El edificio situado al este, en el nº 2 de la Plaza del Conde del Real, es de dos plantas de altura, y fue construido en 1845 para uso de vivienda, según un proyecto de arquitecto Timoteo Calvo (1799-1879), conservando de la edificación anterior el muro trasero y los muros laterales, en los que existen sendos arcos, el situado al este de sillería y el del oeste de ladrillo macizo, y construyendo de nuevo la fachada, forjado y cubierta. La puerta de acceso presenta un umbral de piedra, con rebajes para el paso de carros. Una escalera de bóveda de ladrillo accede a la planta superior.
El otro edificio ocupa una parcela de mayor tamaño, está situado en el nº 3, con fachadas a la plaza del Conde del Real y a la calle Conde de Olocau.
Este edificio es anterior, como sus características constructivas demuestran, pudiendo ser del siglo XVII o anterior. Es un edificio de una sola planta de unos 4 metros, construido mediante muros de mampostería ordinaria de unos 50 cm de espesor, con hiladas de ladrillo macizo en algunos tramos, especialmente en los jambeados de los huecos. Además del arco de ladrillo en el límite este tiene otro arco central de características semejantes, conformando un espacio interior único.
A los lados de los arcos se conservan conjuntos de modillones moldurados de piedra, situados en un plano horizontal y destinados a soportar vigas o artesonados ya desaparecidos. La dirección de los arcos sigue la geometría de los muros interiores del cuerpo norte del palacio de Escrivà, lo que en el arco central se traduce en una destacada oblicuidad respecto a las fachadas, y refleja la vinculación constructiva entre ambos edificios, que también comparten el muro de medianería. La función de este edificio puede haber cambiado con el tiempo. Albergaba cuadras o caballerizas, uso que también tenía en los primeros años del siglo XX, aunque a finales del XVIII se señala su uso como almacén de trigo.
El Palacio representa uno de los mejores ejemplos de arquitectura palaciega del siglo XV de la ciudad de Valencia.
Época:
La época de construcción de las caballerizas se desconoce, debido a las diferentes intervenciones que han sufrido. Se plantea que pueden ser uno de los edificios más antiguos del centro histórico de Valencia. El Palacio data del S. XV, y la fachada, del S. XVIII.
Propiedad:
Privada, de los Serra de Álzaga. Ocupación parcial de viviendas.
Grado de protección:
El Plan Especial de Valencia de 1992 otorga a las caballerizas un nivel de protección 2. El Palacio fue declarado Monumento Histórico-Artístico Nacional en 1966, Bien de Interés Cultural.
Estado:
Muy deteriorado. El PGOU de 1988 no dotaba a las caballerizas de ninguna protección, por lo que se daba la opción de su derribo para ampliar la Plaza del Conde del Real.
Carácter del riesgo:
Derribo para llevar a cabo un proyecto de edificio de tres plantas, para ampliar el Palacio e instalar las colecciones de los propietarios del Palacio, como museo privado que no estaría abierto al público. Se llevó a cabo un primer intento para el derribo en 2008, con informes del arquitecto José María Lozano Velasco y la arqueóloga Agustina Herreros Hernández.
Restauración:
Las obras de restauración del Palacio fueron de 1974 a 1984, a cargo de los arquitectos Joaquín de Ros y Luis Gay. Recibió una medalla de Europa Nostra en 1992.
(C) Photo: El Levante

Mas informacion sobre el polémico proyecto: Articulos en la prensa

  • El consistorio descataloga unas caballerizas del siglo XVIII para ampliar el Palacio Escrivà (21.02.2014)

http://www.levante-emv.com/valencia/2014/02/21/consistorio-descataloga-caballerizas-siglo-xviii/1082224.html?utm_medium=rss
Los dueños de un palacio del siglo XV piden ampliarlo para exponer una colección de arte (21.02.14)
http://www.lasprovincias.es/v/20140221/valencia/duenos-palacio-siglo-piden-20140221.html

  • Lozano: «Se podrá derribar si es para una ampliación museística»

El arquitecto asegura que, si se aprueba el proyecto, el nuevo edificio integrará los arcos medievales de las caballerizas

25.02.2014 | 23:03 – hortensia garcía valencia
http://www.levante-emv.com/valencia/2014/02/26/lozano-podra-derribar-ampliacion-museistica/1083965.html

  • Especialistas y vecinos subrayan el valor histórico de las caballerizas de la Seu

El edificio de la plaza Conde del Real conserva dos arcos medievales, aparecería en los planos de Wyngaerde y podría formar parte del conjunto del alcázar árabe

26.02.2014 | hortensia garcía | valencia

http://www.levante-emv.com/valencia/2014/02/26/especialistas-vecinos-subrayan-historico/1083964.html

Arcos medievales en las caballerizas

Vermessung des Menschen – Korrekturen ausgeschlossen

14.02.2014  ·  Wie bekommt man heute einen Job? Erfahrung und Intuition spielen keine Rolle mehr. Die Bewerber werden berechnet – mit tückischen Folgen: Ein Buchstabendreher, und man ist raus.

Von Melanie Mühl

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/vermessung-des-menschen-korrekturen-ausgeschlossen-12800715.html

© picture alliance / Ikon Images – der Computer als Filter: Personaler müssen die Bewerber nicht mehr persönlich treffen. Die Durchleuchtung des Lebens ist auf dem Weg das Bewerbungsgespräch abzulösen

Jahrzehntelang wurde uns erzählt, der erste Eindruck sei entscheidend. Ob man einen Menschen kennenlernte oder sich um einen Job bewarb – es war dieser eine Moment, auf den es ankam. Es verstand sich von selbst, sich nicht nur akribisch auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten, sondern gleich auch einen neuen Anzug oder ein neues Kostüm zu kaufen.

Vergessen wir den ersten Eindruck. Vergessen wir die Ich-Erzählung überhaupt. Unsere Geschichten werden heute aus den Datenmassen geschrieben, die als wertvolle Handelsware über uns in Umlauf sind. Im algorithmisch optimierten Bewerberauswahlverfahren spielt auch der Mensch, der einem bislang im Bewerbungsgespräch gegenübersaß, der einen nach der Motivation befragte und danach, warum ausgerechnet man selbst hervorragend geeignet sei für diesen Job, eine lächerliche Nebenrolle. Gespräche produzieren keine Daten. Sie entziehen sich einer mathematischen Mustererkennung.

IBM rastert seine Mitarbeiter

Im Big-Data-Zeitalter werten das viele als Nachteil. Es sind die Daten, die versprechen, den Menschen lesbar zu machen, sein Innerstes wie einen Code zu entziffern, in ihn zu blicken, als handelte es sich um einen Apparat, dessen Betriebsanleitung man nur richtig lesen muss. Ob man ein Buch verkaufen oder den nächsten Top-Angestellten finden möchte, spielt keine Rolle. Es geht nicht nur um das Hier und Jetzt, es geht vor allem um die Zukunft, um die Frage: Was wird sein? Also: Welcher Mensch wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Profit erwirtschaften? Alles hat einen Preis, das Buch und der Mensch.

Das ist spätestens bekannt, seit Stephen Baker in einer Recherche für die „Business Week“ herausfand, dass IBM mathematische Profile von Tausenden Mitarbeitern erstellt hat, um zu berechnen, was eine Person zum Spitzenangestellten macht. „Und wenn ein Mensch sich für einen Job als unzulänglich erweisen sollte, dann wird er eben umkonfiguriert – zuerst mathematisch und dann in der Wirklichkeit.“

Früher informierte man sich über das Unternehmen, bei dem man sich bewarb. Heute tut man das immer noch; die Unternehmen tun es umgekehrt allerdings auch. Die Bewerbungswelt mit ihren Durchleuchtungsverfahren namens Background Checks gründet auf Misstrauen, und das Misstrauen wächst: In den neunziger Jahren screenten etwa fünfzig Prozent der amerikanischen Arbeitgeber ihre Bewerber; heute sind es nach Angaben der amerikanischen Gesellschaft für Human Resource Management mehr als neunzig Prozent. Das Überprüfungsportfolio ist atemberaubend: HireRight durchkämmt Vorstrafen- und internationale Strafregister, Sexualverbrecherkarteien und Datenbanken, in der Ladendiebe geführt werden. Außerdem werden Hochschulabschlüsse und Bonität geprüft und ob Drogen- und Alkoholverstöße vorliegen. Und das sind lediglich ein paar Beispiele.

Von der Öffentlichkeit unbemerkt

Die Datenmassen, die automatisiert verarbeitet werden, entziehen sich jeder Vorstellungskraft. Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei Fehler passieren, steigt. Das bedeutet, dass immer wieder Menschen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Dass sie plötzlich auf der Straße stehen, ohne Job, ohne Krankenversicherung, ohne Dach über dem Kopf. Ein Buchstabendreher im Namen kann zu einer völlig falschen Einschätzung einer Person führen. Mit dem Ergebnis, dass diese Person keinen Kredit bekommt, keine Wohnung, keine Arbeit. LexisNexis, eine Firma, die jährlich die Vergangenheit von mehr als zwölf Millionen Menschen unter die Lupe nimmt, gibt an, dass weniger als ein Prozent der Ergebnisse nicht korrekt sei – das sind aber etwa 120.000 Menschen, die Einwohnerzahl einer Stadt wie Ulm.

Es wäre leichtsinnig, die Diskriminierungsgefahr digitalisierter Bewertungsverfahren als amerikanisches Problem abzutun. Die Angst der Arbeitgeber, den vermeintlich falschen Bewerber einzustellen, wächst auch in Deutschland. Die Öffentlichkeit bemerkt davon nichts. In Berlin sitzt etwa die Signum Consulting GmbH, die Firma hat sich auf das Screening von Führungskräften spezialisiert. „Wie leicht war es doch im Mittelalter“, heißt es auf der Homepage, „ein Siegel unter ein Dokument gesetzt, und niemand zweifelte an der Rechtmäßigkeit und Gültigkeit. Im Zeitalter der modernen Medien sollten die Prüfmechanismen den Möglichkeiten angepasst werden.“

Wer die Signum Consulting GmbH beauftragt, hat die Wahl zwischen zwei Überprüfungsangeboten: der Basisüberprüfung und dem erweiterten Background Check bei Führungskräften. „Bei einem umfangreichen Background Check werden zusätzliche Informationen eingeholt und geprüft, die für das beauftragende Unternehmen von Relevanz sind, zum Beispiel: Referenzeinholung, Firmenbeteiligungen und wirtschaftliche/persönliche Verflechtungen zu anderen Unternehmen, relevante Verbindungen zu Personen oder Organisationen von besonderem Interesse.“

„Social Media Profile“ in Deutschland verboten

„Laut einer internen Statistik sind 25 Prozent der Angaben in Bewerbungen fehlerhaft“, sagt Eckhard Neumann, Geschäftsführer der Signum Consulting GmbH. Die Spanne reiche von gestreckten oder, bei Arbeitslosigkeit, verkürzten Zeiträumen bis hin zu Urkundenfälschung. Das Interesse deutscher Firmen am Pre-Employment-Screening sei vor bald vier Jahren richtig in Gang gekommen: 2009 wurde das Datenschutzgesetz novelliert; es erlaubt, dass im Auswahlprozess personenbezogene Daten von Bewerbern gespeichert, verarbeitet und genutzt werden dürfen.

Firmen in Amerika erstellen standardmäßig „Social Media Profile“ ihrer Bewerber, sie screenen Facebook, Twitter und Instagram, was in Deutschland verboten ist. Nur: Wer will überprüfen, ob sich die Firmen tatsächlich daran halten? Man kann davon ausgehen, dass jede zugängliche Information abgegriffen wird, besonders in sozialen Netzwerken. Es geht dabei längst nicht nur um komprimierende Partyfotos; es geht darum, mit forensischer Genauigkeit charakterliche Widersprüche aufzudecken.

Eine Microsoft-Studie aus dem Jahr 2010 hat untersucht, welche Rolle die Online-Reputation Jobsuchender spielt. Befragt wurden Headhunter und Personaler aus Amerika, Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Alle waren sich einig, dass die Bedeutung des Internets als Informationslieferant signifikant steigen wird. Siebzig Prozent der amerikanischen Personaler haben bereits Kandidaten aufgrund negativer Online-Recherchen abgelehnt, weil ihnen deren Lebensstil, Kommentare oder gepostete Fotos missfielen. Beunruhigend ist, dass sich 22 Prozent der befragten deutschen Personalentscheider weigerten, die Frage überhaupt zu beantworten.

Wer bei Xing oder Linkedin ist, bekommt hin und wieder Kontaktanfragen fremder Menschen. Wir tendieren dazu, sie anzunehmen. Ein Klick bedeutet, dass wir unter Umständen mit einer Person „befreundet“ sind, die bei Antikorruptionsjägern sehr weit oben auf der roten Liste steht. Der Einwand, man würde nur Kontaktanfragen von Personen annehmen, die man persönlich kennt, läuft ins Leere. Er blendet aus, dass wir automatisch auch mit Kontakten zweiten Grades in Verbindung gebracht werden: mit jenen Leuten, mit denen unsere eigenen Kontaktpersonen befreundet sind. „Ein fauler Apfel verdirbt den ganzen Korb“, so drückt es Pam Dixon vom World Privacy Forum aus. „Sind alle Ihre Freunde schwul, reich, arm? Leben sie alle in Kalifornien, New York oder Kansas? Sehen sie nach Geld aus oder nach einem hohen Risiko?“ Der Traumjob, sagt Dixon, könne sich schnell in Luft auflösen. „Die Entscheidung des Arbeitgebers, Sie nicht einzustellen, mag, ethisch betrachtet, skandalös sein. Aber sie ist nicht illegal.“

Unwissenheit im Tausch gegen Unsicherheit

Das Bewerbungsverfahren hat sich in den vergangenen zehn Jahren grundlegend verändert. Bei vielen Konzernen sind Online-Bewerbungen mittlerweile die Regel. Man muss sich das Verfahren wie eine Rasterfahndung vorstellen. Nur wer die Anforderungen exakt erfüllt, wird nicht von der Software aussortiert. Die Versuchung, falsche Angaben zu machen, um nicht sofort rauszufliegen, sei groß, sagt Neumann. Die Maske auf dem Bildschirm kennt keinen Verhandlungsspielraum. Es ist ein System der Inklusion und Exklusion. Die Kreuze müssen lediglich an den richtigen Stellen gemacht werden. Aber was sagt das am Ende über das Talent, die Kreativität und das Potential eines Menschen tatsächlich aus?

Nüchtern betrachtet, geschieht bei der vermeintlich optimierten Bewerberauswahl gerade Folgendes: Wir tauschen die eine Strategie, mit Unwissenheit umzugehen, gegen eine andere aus, die nicht weniger Unsicherheit birgt. Denn auch bei der technologischen Vermessung des Menschen geht es um Wahrscheinlichkeiten. Nur glauben wir dieses Mal eben nicht in erster Linie dem Bewerber im persönlichen Gespräch, sondern der Geschichte, die uns die Maschine über ihn erzählt. Das Dumme dabei ist, dass die Maschine nicht nachfragt.

Quelle: F.A.Z.