Reine Raffgier

Einige Banken verlangen dreimal so viel Dispo-Zinsen wie faire Institute. Die Begründung dafür ist oft abenteuerlich.

 

Geschenke verteilen Banken selten. Die Sparda-Bank Hamburg hat es im vergangenen Jahr getan. Sie schenkte ihren Kunden niedrige Dispo-Zinsen zur “Volljährigkeit”. So nennt Abteilungsdirektor Dieter Miloschik das Jahr, in dem die Sparda-Bank zum achtzehnten Mal hintereinander bei einer Umfrage unter ihren Kunden gut abgeschnitten hat: “Darüber haben wir uns so gefreut, dass wir als Dankeschön den Dispo-Zins um 1,8 Punkte gesenkt haben.” Der liegt jetzt bei 9,65 Prozent – das ist für eine deutsche Bank sensationell günstig. Es geht also mit dem kleinen Dispo-Zins. Man muss nur wollen.

Die allermeisten Banken, Sparkassen und Volksbanken wollen aber nicht. Bis heute halten sie – trotz historisch tief gesunkener Leitzinsen – an sehr hohen Dispo-Zinsen fest. Oft sind die sogar so hoch, dass Verbraucherschützer und Juristen sagen: Das ist Abzocke! Außerdem entziehen sich viele Institute einem Vergleich, indem sie nur ihren Kunden die Konditionen nennen. Bundesweite Transparenz? Existiert nicht. Deshalb baten wir vor wenigen Wochen in einer großen Umfrage unsere Leser, uns ihre Dispo-Zinssätze zu nennen.

Viele Tausend Leser haben sich daran beteiligt und geholfen, neue und oft empörende Einblicke in die deutsche Bankenwelt zu gewinnen. Den Daten unserer Leser zufolge liegt der Strafzins für die Kontoüberziehung im Schnitt bei 12 Prozent und damit weit über den neun Prozent, die der Bundesgerichtshof in seiner ständigen Rechtsprechung als gerechtfertigt ansieht. Drei von vier Geldinstituten, über die unsere Leser berichtet haben, liegen über diesem Satz.

Die ganz großen Abkassierer sind ausgerechnet die Kleinsten: Die regionalen Volksbanken und Sparkassen nutzen ihre Vormachtstellung auf dem Land aus. Unsere Leserdaten zeigen, dass vor allem die Volksbanken überdurchschnittlich oft hohe Überziehungszinsen verlangen. In Sachsen-Anhalt liegt ihr Mittelwert bei 13,6 Prozent. Nur die Sparda-Banken bilden oft eine lobenswerte Ausnahme innerhalb der Volksbanken-Gruppe. Ein Mitarbeiter der Sparda-Bank Hamburg sagt: “Gehen Sie mal davon aus, dass die Grundkosten bei allen identisch sind.” Das heißt aber: Wenn Institute wie die PSD-Banken mit 7,0 bis 7,5 Prozent hinkommen, müssten es andere auch können. Ein Vorstand einer Volksbank in Süddeutschland gibt zu: “Ob Sie als Bank einen Zins von 10,25 oder 9,75 verlangen, ist relativ egal.” Die entscheidende Frage lautet bloß: Wie viel Marge hätte die Bank denn gern?

18,45 Prozent, so viel knöpft die Sparkasse Attendorn im Sauerland ihren Kunden für die geduldete Kontoüberziehung ab und ist damit einer der Spitzenreiter. “Ganz pauschal, das ist auch nicht verhandelbar”, gibt sich die Sparkasse hart. Sie selbst findet das nicht so dramatisch: “Das tut ja keinem weh, wenn auf diese Weise mal ein paar Tage überbrückt werden müssen.” Mancher Kunde, der in den Miesen ist, wird das anders sehen.

Auffällig ist auch, wie kräftig die Großbanken hinlangen: Die Targobank, bis 2008 als Citibank bekannt, führt in dieser Gruppe die Liste unserer Leser an. Wer bei der Targobank mit maximal 100 Euro in den Miesen ist, zahlt zwar gar keine Dispo-Zinsen, darüber hinaus wird es aber richtig teuer. Dann verlangt sie für das sogenannte Komfort-Konto jährlich 13,99 Prozent und dazu eine monatliche Zusatzgebühr von 4,95 Euro, wenn man den Dispo überschreitet. Direkt dahinter folgt die Deutsche Bank mit 12,25 Prozent und einer Strafgebühr von 6,90 Euro pro Quartal für Dispo-Überzieher. Auch die Postbank langt kräftig zu mit 12,3 Prozent. Für solche Höhen haben Juristen ein Wort: Wucher. Die Großbanken entgegnen: “Wer so etwas sagt, hat keine Ahnung. Viel teurer als der Marktschnitt sind wir auch nicht.” Nur namentlich zitiert werden will damit niemand. Aus den Daten wird deutlich: Es scheint reine Willkür zu sein, wie kräftig einzelne Institute zulangen.

Die Begründungen dafür sind abenteuerlich. “Wir sind eben eine Premiumbank – nicht nur bei der Beratung, manchmal auch im Preis”, sagt der Mitarbeiter einer Großbank. Eine Kollegin von der Konkurrenz zeigt genauso wenig Unrechtsbewusstsein: “Wir müssen eben zusehen, dass wir auch Geld verdienen.”

Wo es offizielle Erklärungen gibt, wirken diese wie Nebelkerzen. “Die Höhe orientiert sich an Ihren regelmäßigen Gehaltseingängen”, steht beispielsweise in den Konditionen der Sparkasse Münsterland Ost. “Die Zinssätze gelten bundesweit einheitlich”, heißt es bei der Postbank. Wieder andere Banken erklären, der Dispo-Zinssatz “ergibt sich aus dem Preisaushang, sofern keine abweichende Vereinbarung getroffen wurde”. Bei denen ist der Preis also Verhandlungssache.

Und die Commerzbank senkte den Dispo-Zins zuletzt auf 11,9 Prozent – aber nur für Neukunden. Altkunden zahlen mehr. Sie werden also für ihre Treue bestraft.

Dabei müssen laut einer EU-Verbraucherkreditrichtlinie die Dispo-Zinsen seit 2011 zwingend an einen Referenzzins gekoppelt sein, und an diese Richtlinie müssen sich auch deutsche Banken halten. Einige von ihnen nehmen den Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Viele Institute wählen auch den Drei-Monats-Euribor, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Trotzdem finden sie Wege, weiter nach Gutdünken zu handeln. “Das heißt aber nicht, dass auch der Dispo-Zins sinkt, wenn der Euribor sinkt”, erklärt ein Banksprecher. Es gebe lediglich “die Möglichkeit, den Preis unter bestimmten Bedingungen anzupassen, wenn der Referenzzins an einem bestimmten Stichtag nennenswert unter einen Durchschnittswert fällt”. Ein gutes Beispiel dafür liefert die Großbank UniCredit: Der Drei-Monats-Euribor lag im Juni 2011 bei 1,3 Prozent, fiel ein Jahr später auf 0,66 Prozent und liegt heute bei 0,2 Prozent. UniCredit hob in denselben Monaten erst die Dispo-Zinsen von 12,26 Prozent auf 12,54 und senkte sie Ende des vergangenen Jahres auf 11,15 Prozent ab.

Theoretisch können sich Verbraucher natürlich ihre Bank aussuchen – und damit den Dispo. In der Praxis haben sie vor allem auf dem Land kaum eine Wahl, denn beim Zins orientieren sich gerade regionale Institute an der Konkurrenz vor Ort, räumen Volksbank-Vertreter ein. Es ist ein ähnliches Prinzip wie im Tankstellengeschäft.

Die Zinssätze der Konkurrenz seien doch kein Geheimnis, behauptet dagegen ein Privatbanker: “Die kann man doch easy nachgucken im Internet oder in der Filiale.” Banker vielleicht. Aber Kunden nicht unbedingt. Denn man mag die Konditionen der Großbanken mit denen der unschlagbar günstigen Direktbanken vergleichen können. Aber für die meisten Volksbanken und Sparkassen, deren Zinssätze im Zuge dieser Recherche überprüft wurden, ist Transparenz ein Fremdwort.

Der Volksbanken-Verband empfahl zwar nach dem Aufruf in der ZEIT und bei ZEIT ONLINE vor wenigen Wochen seinen 12.000 Zweigstellen, sie sollten doch die Höhe ihrer Zinsen im Internet veröffentlichen. Schließlich sei “Transparenz gegenüber den Kunden ein hohes Gut”, und “eine Internetveröffentlichung der Dispositionskreditzinsen dient der weiteren Festigung dieser besonderen Kunde-Bank-Beziehung”. Einige Volksbanken folgten diesem Aufruf sogar. Bei unserer Nachrecherche fanden wir plötzlich Preisaushänge im Netz, die Tage zuvor nicht dort gewesen waren.

Doch die meisten Filialen nehmen Transparenz immer noch nicht ernst. Auf vielen Internetseiten sucht man Angaben zur Zinshöhe weiterhin vergeblich, obwohl Volksbanken und Sparkassen das Layout ihrer Internetseiten standardisiert haben.

Gerade bei den Volksbanken geht es drunter und drüber: Mal findet man den Dispo-Zins unter dem Stichwort “Kontomodell”, mal zufällig unter “Kredite”. Einige Institute sind ganz findig und schreiben in ihrem Internetauftritt zwar: “Auf dieser Seite finden Sie unseren Preisaushang”, doch dann folgt entweder gar nichts – oder ein Link, und der führt zu einer Fehlermeldung (“Diese Seite konnte nicht geöffnet werden”) oder zu einem Preis-Leistungs-Verzeichnis, in dem akribisch viele Kosten für die Kontoführung aufgelistet sind – bloß nicht der Dispo-Zins. Stattdessen liest man Sätze wie: “Für Inanspruchnahmen des Kontos, die nicht durch ein Guthaben oder einen eingeräumten Kreditrahmen gedeckt sind (Kontoüberziehungen), sind die vertraglich vereinbarten Überziehungszinsen zu zahlen. Ist im Vertrag eine Vereinbarung nicht getroffen, sind die im Preisaushang aufgeführten Überziehungszinsen zu zahlen.” Genau, der Preisaushang – wo war der noch gleich?

Ein Volksbank-Chef erzählt sogar, er habe ihn wieder aus dem Internet entfernt, nachdem kritische Verbraucherschützer nach Details gefragt hätten. Jetzt habe man “technische Probleme”, ihn wieder ins Netz zu stellen – seltsam, schon seit mehr als einem halben Jahr. Andere Bankmitarbeiter behaupten lapidar, “der Preisaushang muss da schon irgendwo sein auf unserer Seite, aber ich habe ihn selbst noch nicht gefunden. Zwingend ausweisen müssen wir ihn ja auch nicht.”

Banker wissen genau, wie heikel ihre Dispo-Zinsen sind. Im Zuge der Recherche ereigneten sich denn auch die seltsamsten Dinge, wenn man sie darauf ansprach: Bei einer Bank waren angeblich alle Mitarbeiter einer Geschäftsstelle nachmittags um 15 Uhr ausgeflogen. In einer anderen nahmen sie keine Anrufe entgegen. Die Sparkasse Odenwaldkreis schickte nach einem fünfminütigen telefonischen Pingpongspiel zwischen Kundenberater und Servicemitarbeiterin die hauseigene Juristin vor. Die dementierte dann den Zinssatz, den unsere Leser gemeldet hatten (19 Prozent), wollte aber partout nicht den tatsächlichen Zinssatz nennen.

Eine Mitarbeiterin der Mendener Bank hinterließ auf dem Anrufbeantworter die Nachricht, man nehme keine Stellung zum Zinssatz, den die Leser gemeldet haben, und überhaupt könne man “sich weitere Anrufe deresgleichen auch sparen”. Ein Kundenberater sagte: “Schreiben Sie uns doch einen Brief”, und behauptete dreist: “Eine Mailadresse haben unsere Mitarbeiter nicht. Es gibt auch keine Sammelmail für die Geschäftsstelle” – obwohl die auf der Bankwebsite steht.

Bei der Volksbank Köthen antwortet ein Mitarbeiter barsch, man teile den Zinssatz nur Kunden nach Nennung der Kontonummer mit – und ohnehin nur im Vieraugengespräch in der Filiale.

Es geht aber auch besser: Knapp zehn Prozent der Banken erheben nach Angaben unserer Leser nur einen Zinssatz im einstelligen Bereich. Auffällig oft sind es christliche und soziale Institute wie die ethisch-ökologische GLS Bank. Auch die Evangelische Darlehensgenossenschaft (5,51 Prozent) und die Bank für Kirche und Caritas (6,22 Prozent) verlangen eher niedrige Dispo-Zinsen. Vielleicht liegt es daran, dass sie sich weniger an Gewinnmargen orientieren, sondern an der Bibel. Die kennt nämlich das Wucherverbot.

Banken – Immer Ärger mit dem Dispo

http://www.zeit.de/2013/25/dispo-zinsen-leser-debatte

Wie ein ZEIT-Artikel zu Überziehungszinsen Tausende Leser zu Kollaborateuren werden ließ

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Verwandtenaffäre Seehofer spricht von einer „Treibjagd“

Verwandtenaffäre Seehofer spricht von einer „Treibjagd“

13.05.2013 ·  Mit scharfen Worten kritisiert CSU-Chef Horst Seehofer den medialen Umgang mit der Verwandtenaffäre. 36 Abgeordnete aller fünf Fraktionen im bayerischen Landtag wehren sich in einer Erklärung gegen eine pauschale Verunglimpfung als „Abzocker-Bude“.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wahl-in-bayern-2013/verwandtenaffaere-seehofer-spricht-von-einer-treibjagd-12181101.html

CSU-Vorstandssitzung

er CSU-Vorsitzende Horst Seehofer geht mit scharfer Kritik an den Medien in der sogenannten Verwandten-Affäre und im Zusammenhang mit dem Steuerfall Uli Hoeneß zum Gegenangriff über. Seehofer warf dem ZDF und anderen Medien am Montag falsche und schlampige Berichterstattung vor. „Wie wenn man auf der Treibjagd ist, und die Bluthunde wittern eine Blutspur. Da wird nicht mehr links und rechts geschaut, das ist schlimm.“ Er werde ab jetzt mit aller Konsequenz gegen solche Vorfälle vorgehen. „Wir lassen nicht mit uns Schlitten fahren.“

Anlass der Kritik war unter anderem ein Bericht des ZDF-„Heute-Journals“ über Seehofers Nominierung als CSU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Die Redaktion hatte gemeldet, FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß sei aus einem CSU-Werbefilm herausgeschnitten worden – was laut CSU nicht stimmte. Moderator Claus Kleber habe dazu in einer Stellungnahme des Senders erklärt, das hätte ihm „nicht passieren dürfen“, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“.

Abgeordnete wehren sich gegen Pauschalkritik

Unterdessen wehren sich 36 Abgeordnete aller fünf Fraktionen im bayerischen Landtag in einer gemeinsamen Erklärung gegen Abzocke-Vorwürfe in den Medien. „Die Kritik am Fehlverhalten Einzelner wurde mittlerweile pauschal und ungerechtfertigt auf die Arbeit des gesamten Parlaments ausgedehnt“, schrieben die Unterzeichner, zu denen auch die Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion, Christa Stewens, zählt.

„Wir wehren uns in aller Schärfe gegen eine pauschale und durch nichts begründete Verunglimpfung des Bayerischen Landtags als „Freibier-Parlament“, „Abzocker-Bude“ und „Selbstbediener-Laden“, heißt es in der am Sonntag veröffentlichten Erklärung.

Neben vielen CSU-Abgeordneten haben auch mehrere Abgeordnete von Grünen, Freien Wählern, FDP und SPD unterschrieben. Sie betonen, dass sie verlorenes Vertrauen zurückgewinnen wollten und die geplanten schärferen Vorschriften unterstützten. Weiter heißt es: „Wir warnen davor, im Zuge der aktuellen Debatte die Stellung des Parlaments und das freie Mandat in einer Weise auszuhöhlen, dass nicht nur die Attraktivität des Berufs „Volksvertretung“ weiter leidet, sondern geradezu die Axt an unsere Verfassungswurzeln gelegt würde.“

In 79 Fällen hatten bayerische Abgeordnete nach dem Jahr 2000 eine Übergangsregelung genutzt und weiter enge Verwandte als Mitarbeiter beschäftigt. Obwohl auch Politiker anderer Parteien betroffen sind, steht insbesondere die CSU in der Kritik. In Folge trat Georg Schmid vom Fraktionsvorsitz zurück. Auch der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Georg Winter, gab sein Amt auf.

Weitere Artikel

Schuldenkrise: Ein Rechenfehler, der Deutschland teuer zu stehen kommt

Georg Restle vor dem Monitor-Logo

Video online

 

Europa spart sich kaputt. Nicht einmal zu einem Rückgang der Staatsverschuldung haben die drastischen Sparprogramme bislang geführt. Doch Deutschland zwingt Europa weiter zu diesem immer umstritteneren Kurs, obwohl sich heraus gestellt hat, dass die von Deutschland propagierte Schulden-Obergrenze auf einem peinlichen Rechenfehler basiert.

Jetzt bedroht die Sparpolitik auch deutsche Arbeitsplätze, wie etwa in Köln den Autobauer Ford, dem der Zusammenbruch der Märkte im Süden immer mehr zusetzt. Namhafte Ökonomen sagen: Nicht nur der Rechenfehler, sondern die gesamte Sparpolitik in der EU ist ein Irrweg, der alle, auch uns Deutsche, teuer zu stehen kommen wird. [zum Beitrag]

Video online und vollstaendiger Text der Monitor – Sendung (ab Freitag Nachmittag )

Angela Merkel und Wolfgang Schäüble

http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2013/0502/schulden.php5

 

Kommentar in vom haertesten Kritiker der 90% Grenze R.POLLIN in NY TIMES (Auszug) :

Debt and Growth: A Response to Reinhart and Rogoff

By ROBERT POLLIN and MICHAEL ASH – Published: April 29, 2013

….. The most important insight for anyone following this debate, and one that Ms. Reinhart and Mr. Rogoff acknowledge, is that there is no evidence supporting the claim that countries will consistently experience a sharp decline in economic growth once public debt levels exceed 90 percent of G.D.P. Although the two of them partly backed away from that claim in a 2012 paper in The Journal of Economic Perspectives, they have now done so more definitively, saying the 90 percent figure is not “a magic threshold that transforms outcomes, as conservative politicians have suggested.”

However, Ms. Reinhart and Mr. Rogoff stubbornly maintain that “growth is about 1 percentage point lower when debt is 90 percent or more of gross domestic product,” a core finding of their 2010 paper.

There are serious problems with this claim. The most obvious is that the median growth figures they reported in the 2010 paper are distorted by the same coding error and partial exclusion of data from Australia, Canada and New Zealand that tainted their average growth figures. When we corrected for these errors, the difference in median economic growth rates was only 0.4 percentage points between countries whose public-debt-to-G.D.P. ratio was between 60 percent and 90 percent, and those where the ratio was over 90 percent (2.9 percent median growth, versus 2.5 percent). The difference between 0.4 percent and 1 percent is quite substantial when we’re talking about national economic growth. (more online…)

Volltext in : http://www.nytimes.com/2013/04/30/opinion/debt-and-growth-a-response-to-reinhart-and-rogoff.html?_r=0 
oder hier als pdf:  Debt and Growth – A Response to Reinhart and Rogoff – NYTimes

Orginal-Artikel von Rogoff und Reinhardt:

  • K.S. Rogoff – Reinhardt 2010 : Growth in a Time of Debt

American Economic Review: Papers & Proceedings 100(May 2010): 573–578

http://scholar.harvard.edu/files/rogoff/files/growth_in_time_debt_aer.pdf

  • Reinhart, Carmen M., Vincent R. Reinhart, and Kenneth S. Rogoff. 2012. “Public Debt Overhangs: Advanced-Economy Episodes since 1800.” Journal of Economic Perspectives, 26(3): 69-86.

http://www.aeaweb.org/articles.php?doi=10.1257/jep.26.3.69

WahlumfrageAffäre Hoeneß schadet der Union

Wahlumfrage Affäre Hoeneß schadet der Union

01.05.2013, 09:20 Uhr (Handelsblatt)
Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß: Seine Nähe zur CSU könnte der Partei schaden. Quelle: dpa
Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß: Seine Nähe zur CSU könnte der Partei schaden. Quelle: dpa

Die Steueraffäre um Uli Hoeneß hat längst den Bundestagswahlkampf erreicht. Nach einer Umfrage schadet sie vor allem den Unionsparteien. Die SPD wittert ihre Chance. Die Anti-Euro-Partei kann in der Wählergunst zulegen.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wahlumfrage-affaere-hoeness-schadet-der-union/8146962.html

BerlinDie Steueraffäre um Bayern-München-Präsident Uli Hoeneß hat einer Umfrage zufolge den Unionsparteien bei den Wählern geschadet. Zum ersten Mal in diesem Jahr rutschten CDU und CSU in der Wahlumfrage von „Stern“ und RTL unter die Marke von 40 Prozent. Die Union käme demnach auf 39 Prozent, ein Minus von drei Punkten im Vergleich zur Vorwoche. Der Chef des Forsa-Instituts Manfred Güllner sagte, die Steueraffäre um Hoeneß habe „vor allem wegen dessen Nähe zur CSU“ der Union geschadet.

Die Liberalen verharren bei fünf Prozent. Wie in der Vorwoche wollen 23 Prozent für die SPD stimmen und 14 Prozent für die Grünen. Die Linke kann einen Punkt gutmachen und kommt auf acht Prozent. Von dem öffentlichen Unmut profitieren auch die Splitterparteien: Die Anti-Euro-Partei (AfD) gewinnt einen Punkt und erreicht drei Prozent, die „sonstigen Parteien“ legen um einen Punkt auf fünf Prozent zu.

Welche Strafen Steuertricksern drohen (online)

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, sieht bei der Bundestagswahl gute Chancen für seine Partei. „Die letzten Tage haben gezeigt, wie schnell die Themen wechseln“, sagte er den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“ mit Blick auf die Selbstanzeige des FC-Bayern-Präsidenten. „Der Wahlausgang ist absolut offen“, sagte Steinmeier.

Mit einem durchgerechneten und ehrlichen Steuerkonzept wolle man auch die Wähler der Mitte überzeugen. „Schwarz-Gelb hat doch jede Glaubwürdigkeit in Steuer- und Finanzfragen verspielt. Die 2009 versprochenen großen Steuersenkungen sind nie gekommen. Stattdessen wollte Schwarz-Gelb Steuersünder mit dem Schweizer Steuerabkommen decken“, kritisierte der SPD-Politiker. Das alles sei auf Kosten der großen ehrlichen Mehrheit der Steuerzahler geschehen.

Wie steuerehrlich ist Deutschland?

(kostenpflichtiger Download)

Wie steuerehrlich ist Deutschland?

Der Fall Uli Hoeneß beschäftigt die Republik. Opposition und Regierung streiten sich über schärfere Regeln bei Betrugsfällen. Auch die Steuerhinterzieher sind alarmiert: Die Zahl der Selbstanzeigen steigt. (6 Seiten) 0,99 Euro

Mehr vom Gleichen;-):

Prognosebörse: Wissen, was kommt – Prognosen handeln und gewinnen

Handeln Sie Erwartungen!

http://eix.handelsblatt.com/

Vor uns liegt das Superwahljahr 2013. Peer Steinbrück kämpft mit Angela Merkel um die Macht im Kanzleramt. Nachdem die SPD die CDU-Hochburg Niedersachsen erobert hat, will die Partei auch die Landtagswahlen in Hessen und Bayern gewinnen.

Auf der Handelsblatt-Prognosebörse können Sie ihre Prognosen für die Wahlen handeln. Neben der neuen Wahlbörse gibt es auch weiterhin eine Konjunkturbörse, auf der Sie wichtige Indikatoren wie Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenzahl, Geschäftsklima oder den Benzinpreis handeln. Zeigen Sie, dass sie ein Gespür für wirtschaftliche Entwicklungen haben.

Hinter beiden Börsen steht das gleiche Prinzip: Sie handeln die Prognosen über virtuelle Aktien. Dabei wird Ihre persönliche Erwartung über Aktienan- und verkäufe in der Prognosebörse umgesetzt – und spiegelt sich im Aktienkurs für den jeweiligen Indikator wieder. Die Teilnahme an der Prognosebörse ist kostenlos, erfordert allerdings eine Registrierung, damit Ihre Handelsaktionen Ihrem Konto zugeordnet werden können. Sie können erst handeln, wenn Sie eingeloggt sind.

HochschulwatchInternetportal will Wirtschaftseinfluss an Unis aufdecken

HochschulwatchInternetportal will Wirtschaftseinfluss an Unis aufdecken

http://www.zeit.de/studium/hochschule/2013-01/hochschulwatch-internetportal-wirtschaft

hochschulwatch

Welche Verbindungen gibt es zwischen Wirtschaft und Wissenschaft? Ein neues Internetportal will das herausfinden.

Eine neue Internetseite will Verbindungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft öffentlich machen. Auf Hochschulwatch.de sollen Professoren, Dozenten und Studenten über  Beispiele berichten, die ihnen fragwürdig erscheinen. Nutzer können eigene Texte schreiben und Dokumente hochladen.

Initiiert wurde die Seite von der Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland, dem Freien Zusammenschluss von Studentinnenschaften (FZS) und der Tageszeitung taz. Die taz prüft Einträge, bevor sie öffentlich gemacht werden. “Wir haben die Sorge, dass (…) Wirtschaftsinteressen immer mehr Einfluss nehmen auf das, was an den Hochschulen im Bereich von Lehre und Forschung stattfindet”, sagte die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Edda Müller, bei der Vorstellung des Projekts.

Müller kritisiert, Kooperationsverträge zwischen Unternehmen und Universitäten müssten nicht veröffentlicht werden. Daher sei unklar, ob die Hochschulen den Unternehmen für ihr Geld Gegenleistungen einräumten. Sie befürchtet, Unternehmen könnten die Auswahl von Professoren oder die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen beeinflussen. “Der Zweck heiligt nicht die Mittel, Universitäten sind keine Werbeflächen”, sagt sie.

Studenten bemängeln zunehmende Zahl von Werbeflächen

Unternehmen entdeckten Hochschulen zunehmend als Markt, sagt auch Student Erik Marquardt, Vorstand des FZS. “Man kommt sozusagen gar nicht mehr zur Mensa, ohne auch mindestens ein Angebot für ein neues Sparkonto oder einen Handyvertrag zu bekommen.”

Als Beispiel für fragwürdigen Wirtschaftseinfluss nennt Hochschulwatch eine Stiftungsprofessur für Energiewirtschaft der Universität Köln, die von den Energiekonzernen EnBW, Vattenfall, RWE und E.on bezahlt werde. Die Hochschule reagiert gelassen auf den Start der Internetseite: “Wir finden gut, was Transparenz schafft. Auch wenn die Schlüsse des Portals andere sind als unsere”, sagte ein Sprecher Universität Köln auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Rechtliche Folgen befürchte die Universität nicht. Weiter erwähnt Hochschulwatch das Institut für Internet und Gesellschaft der Humboldt-Universität Berlin, das von Google mitfinanziert wird. Eine Sprecherin der Universität teilte mit: “Wissenschaftliche Kooperationsprojekte mit privaten Unternehmen und Verbänden unterliegen immer der Maßgabe des Präsidiums, damit die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre und die Autonomie der Universität gewahrt wird.”

Auf der Webseite sind über 400 Hochschulen aufgelistet. Das Projekt ist auf ein Jahr begrenzt. Transparency International Deutschland will die Hinweise im Anschluss auswerten.

Hinweis: Der Text wurde im Nachhinein um ein Statement der Humboldt-Universität Berlin ergänzt. Die Redaktion.

http://www.lobbycontrol.de/2013/01/hochschulwatch-neues-portal-will-fragwurdige-verbindungen-von-wirtschaft-und-wissenschaft-aufdecken/

LobbyControl Hochschulwatch:

Neues Portal will Verbindungen von

Wirtschaft und Wissenschaft aufdecken

Seit 2008 gibt es eine Kooperation zwischen der Universität Köln und dem Pharmakonzern Bayer. Wie diese Zusammenarbeit im Detail aussieht, ist jedoch unbekannt, da der Kooperationsvertrag geheim ist. Die Frage nach möglicher Einflussnahme durch Bayer kann somit nicht beantwortet werden. Eine Klage zur Offenlegung des Vertrags wurde Ende 2012 in erster Instanz abgelehnt. Der Kläger, der Verein Coordination gegen Bayer-Gefahren, hat gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt.

Kooperationsverträge wie diese sind bei weitem kein Einzelfall. Drittmittel aus der Privatwirtschaft haben in den letzten Jahren für Universitäten an Bedeutung gewonnen. Das neue Internetportal Hochschulwatch hat sich daher zum Ziel gesetzt, Beispiele für fragwürdige Einflussnahme an Universitäten und Fachhochschulen zu sammeln. So soll ein Nachschlagewerk über die Verbindungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft entstehen. Für jede Hochschule gibt es einen Wiki-Eintrag. Die Leserinnen und Leser sind aufgefordert, ihr Wissen über Kooperationen dem Portal hinzuzufügen.

Das von Taz, dem freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS) und Transparency International (TI) gegründete Portal reagiert damit auf die zunehmende Ökonomisierung der Bildung. Besonders die Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen sind dabei sehr intransparent. Veröffentlichungspflichten gibt es nicht. Dabei haben Lobbyisten Schulen und Hochschulen längst als Handlungsfeld für ihre erweiterte Lobbyarbeit entdeckt. Forschung und Lehre werden zunehmend mit dem Ziel beeinflusst, möglichst tiefgreifend und somit nachhaltig einzelne Sichtweisen in der Gesellschaft zu verankern. Mehr Transparenz ist daher dringend nötig. Wir sind gespannt, was für Fälle fragwürdiger Einflussnahme Hochschulwatch in diesem Jahr ans Licht holen wird.

Weitere Informationen: www.hochschulwatch.de

transparency.de :
http://transparency.de/index.php?id=1434&tx_ttnews%5Btt_news%5D=12699&cHash=ca82d06143a0e7f128a2bdec89dcb966

Egorepublik Deutschland – ein neues Buch

Edzard Reuter, der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Daimler-Benz-Konzerns, steht am 08.02.2013 in seiner Wohnung in Stuttgart (Baden-Württemberg). Während seiner Zeit als Vorstandschef wollte Edzard Reuter den Autokonzern in ein Technologie-Imperium verwandeln; Rechte: dpa

Edzard Reuter

Egorepublik Deutschland

Wie uns die Totengräber Europas in den Abgrund reißen

Wir sollten jetzt an uns selbst denken, sagen heute viele in Deutschland. Ein Blick über den Tellerrand, nach Europa? Verlorene Liebesmühe. “Nein!”, hält Edzard Reuter leidenschaftlich dagegen. Wir müssen uns wieder auf unsere Kräfte und Fähigkeiten besinnen und nicht durch panischen Pessimismus die Zukunft unserer Kinder aufs Spiel setzen. Direkt und unverblümt fängt er die in verschiedensten Milieus angesiedelten antieuropäischen Reflexe ein und setzt ihnen seine profunde historische Analyse und seine Zukunftsgewandtheit entgegen.

Sein Text bringt das, was alle vermissen: eine kraftvolle und begeisternde Vision, die uns wappnet für die harte Herausforderung, der wir gegenüberstehen. “Was heute fehlt, ist der aufrüttelnde Mut und die Glaubwürdigkeit, den Menschen in einer kritischen Situation ihrer Geschichte die Wahrheit zu sagen. Das gilt auch – und besonders – für die Bundeskanzlerin.”

Campus Verlag

http://www.campus.de/sachbuch/politik/Egorepublik+Deutschland.101780.html

Mehr Texte vom selben Autor:

  • Edzard Reuter: Schein und Wirklichkeit. Erinnerungen. Siedler Verlag, 1998, ISBN 3-442-75571-9 (Taschenbuchausgabe)
  • Edzard Reuter: Stunde der Heuchler : wie Manager und Politiker uns zum Narren halten ; eine Polemik. Econ 2010. ISBN 3-430-20090-3.

Gegen den endgültigen Kollaps

Früherer Mercedes-Chef fordert dazu auf, der Gier Einhalt zu gebieten

Edzard Reuter suchte nach der Ursache für die weltweite Krise, fand sie in der mit Heuchelei bemäntelten Gier und schrieb ein Buch darüber.

http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/reutlingen_artikel,-Frueherer-Mercedes-Chef-fordert-dazu-auf-der-Gier-Einhalt-zu-gebieten-_arid,118981.html

Mario Beisswenger

Reutlingen. Das sieht nicht gut aus: Eine „Kulturenkrise“ weltweit, die früher selbstverständlichen moralischen Maßstäbe gehen verloren, das menschliche Miteinander ist bedroht durch eine grassierende Seuche, eine „Pandemie der Habgier“. Sie zerstöre das wirtschaftliche Fundament, „die Gefahr des endgültigen wirtschaftlichen Kollapses“ zeichne sich ab. Das ist die polemisch zugespitzte Weltsicht von Edzard Reuter, zusammengefasst in seinem Buch „Stunde der Heuchler“. Am Donnerstagabend las der frühere Mercedes-Chef daraus vor und wurde darüber vom Leiter der Volkshochschule Ulrich Bausch in der VHS befragt.

Als Ursache für das Elend sieht der 82-Jährige die Alleinherrschaft der marktradikalen Lehre. Ausgehend von den Wirtschaftswissenschaftlern Milton Friedman und Friedrich August von Hayek hätte diese Idee alle bisher geltenden Maßstäbe für richtiges Handeln ersetzt. Werte würden nur noch auf dem Papier stehen, wichtig sei lediglich die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Allein aus der Maxime heraus, den wirtschaftlichen Erfolg möglichst zu mehren, würde sich das richtige Zusammenleben ergeben.

Verhüllt werde diese Einstellung durch eine falsch verstandene Bürgerlichkeit, eine Fassade der Wohlanständigkeit. Diese Haltung sei inzwischen so selbstverständlich, dass Vorschläge zur „Bändigung von Gier und Heuchelei“ abprallten, eine Regulierung der „kapitalistischen Marktwirtschaft“ nicht mehr akzeptiert werde.

Reuter hatte auch ein Rezept dabei, wie sich die Menschheit vor der Apokalypse retten könnte, wie eine „Heilung der Pandemie“ möglich wäre. In dieser von ihm eigentlich als hoffnungslos eingeschätzten Situation müsse man sich an „Opferbereitschaft, Zähigkeit und Selbstvertrauen“ erinnern, um sich daraus herauszuarbeiten. Er forderte alle auf, „den Kopf für das eigene Denken hinzuhalten“, sich einzumischen. Von Bausch angesprochen auf einen der Auswüchse, die nach der Krise schon wieder anschwellenden Banker-Boni, forderte Reuter das etwa 80 Personen zählende Publikum auf: „So was dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Man kann den Mund aufmachen, auch als Aktionär.“

Von seinen ehemaligen Kollegen unter den Wirtschaftsführern verlangte er, ihr Handeln wieder „überzeugend in ethische Grundlagen einzubetten“. Das Ideal des ehrbaren Kaufmanns habe durchaus noch nicht abgewirtschaftet. Die Haltung dafür zu gewinnen, „das kann man lernen“, sagte Reuter auf Bauschs Nachfrage, „oder es gehört bei einem schon zum allgemeinen Verständnis dazu“.

Ob seine Stimme in den entscheidenden Kreisen wohl Gehör finden werde, wollte jemand aus dem Publikum wissen. Reuters Antwort war zwiespältig. In seinem Buch schilderte er eine Szene aus einer Sitzung in New York in der Zentrale der damaligen Chase Manhattan Bank, schon vor der Fusion mit JP Morgan, einer der größten amerikanischen Banken. Zusammen mit anderen wichtigen Personen aus Wirtschaft und Politik wurde er über seine Meinung zur weltweiten Zukunftsstrategie der Bank gefragt.

Seinem Vorschlag, überall sozial-politische Regulierungen einzuführen, sei damals zwar nicht offen widersprochen worden, aufgegriffen wurde er aber auch nicht. Er habe wohl recht, sagte ihm anschließend der Bankvorstand, aber er als Banker müsse mit den Wölfen heulen, also gegen jede Regulierung sein. Gelesen werde sein Buch aber schon von den richtigen Leuten, vermutet Reuter. Die Rückmeldung aus dem Verlag spreche dafür. Von seiner eigenen Polemik „fühle ich mich teilweise auch selbst betroffen“. Was die Kritik an der Bürgerlichkeit angehe: „ Ich gehöre ja eigentlich selbst dazu.“

Edzard Reuter (link wikipedia deutsch)
Edzard Reuter wurde 1928 in Berlin geboren. Nach der “Machtergreifung” emigrierte die Familie in die Türkei und kehrte 1946 nach Berlin zurück, wo der Vater Ernst Reuter Regierender Bürgermeister wurde. Der Sohn studierte zunächst Mathematik und Physik, später Jura in Göttingen und Berlin. Nach einer Tätigkeit in der Filmindustrie holte ihn Hanns Martin Schleyer 1964 zu Daimler-Benz, wo er 1976 Vorstandsmitglied wurde und von 1987 bis 1995 Vorstandsvorsitzender war. 1998 wurde er Ehrenbürger von Berlin. Edzard Reuter lebt heute in Stuttgart und Berlin.

Interview online zum Buch im WDR:

http://www.wdr5.de/sendungen/neugier-genuegt/s/d/21.02.2013-10.05/b/die-ego-republik-130221-130221.html

Die Ego-Republik

Deutschland und seine Europapolitik-Gespräch mit Edzard Reuter

Moderation: Sabine Brandi

Europa wird einer großen Zahl seiner Bürgerinnen und Bürger zunehmend egal. Mehr noch, es fällt ihnen lästig, schreibt Edzard Reuter in seinem neuen Buch”Egorepublik Deutschland”. Reuter weiß als Ex-Vorstandsvorsitzende von Daimler-Benz, wie sehr der deutsche Wohlstand von einem starken Europa abhängig war und ist. Der 85jährige sieht die EU in ihrer tiefsten Legitimationskrise seit ihrer Gründung. Entweder schaffe die EU die Umwandlung in eine Politische Union (mit einer demokratisch legitimierten europäischen Regierung) oder Europa zerfalle.

 

Reiche Zyprer, arme Deutsche

Vermögen Reiche Zyprer, arme Deutsche

11.04.2013 ·  Die Deutschen sind längst nicht so reich, wie immer gesagt wird. Auch deutsche Politiker wollen das nicht wahrhaben. Die Vermögenslage wird fleißig umgedeutet. Skandalös aber ist, dass die EZB die Daten zurückgehalten hat, bis die „Rettung“ Zyperns beschlossen war.

Von Holger Steltzner

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vermoegen-reiche-zyprer-arme-deutsche-12144211.html

Gold-Händler pro aurum in München

Das Bild vom wohlhabenden Deutschland wird politisch gepflegt.

n diesen Daten der Europäischen Zentralbank steckt politischer Sprengstoff. Erstmals haben amtliche Stellen europaweit in repräsentativen und methodisch vergleichbaren Umfragen das Vermögen der Euro-Haushalte ermittelt. Mit einem mittleren Haushaltsvermögen von 51000 Euro sind Deutsche ärmer als Slowaken, nur halb so reich wie Griechen (102000) und fast notleidend im Vergleich mit Luxemburgern (398000) oder Zyprern (267000). Die Verteilung der Vermögen mag überraschen, aber sie ist kein Skandal, sondern beschreibt die Wirklichkeit, die aus welchen Gründen auch immer viele Politiker und Medien hierzulande mit Bedacht nicht zur Kenntnis nehmen. Skandalös aber ist, dass die EZB diese Daten zurückgehalten hat, bis die „Rettung“ Zyperns beschlossen war. Das zeigt, wie sehr die EZB in der Eurokrise selbst zum politischen Akteur geworden ist.

Die Vermögenslage passt nicht zum politisch gepflegten Bild vom wohlhabenden Deutschland, wie es so gern gezeichnet wird. In Brüssel heißt es immer wieder, Deutschland habe mit seiner Exportstärke Südeuropa in den Konsumrausch und in die Überschuldung getrieben. Dabei ist das genauso falsch wie das Märchen, Deutschland habe mehr als andere Euroländer von der Währungsunion profitiert. Im Gegenteil: Deutschland fiel nach der Euro-Einführung im Pro-Kopf-Einkommen und im Wachstum auf hintere Ränge zurück. Richtig ist auch, dass vormalige Weichwährungsländer mit dem größten Geschenk des Euro, den niedrigen Zinsen, nichts Besseres anzufangen wussten als noch mehr Schulden zu machen.

Die Deutschen werden vom Finanzamt geschröpft

Auch deutsche Politiker wollen das nicht wahrhaben. Selbsternannte Finanzfachleute wie Trittin, der Spitzenkandidat der Grünen, oder Gabriel, der Vorsitzende der SPD, stricken lieber weiter an der Legende einer angeblichen Ausbeutung des armen Südens durch den reichen Norden. Sie wollen einen Euro-Länderfinanzausgleich und fordern mehr Solidarität durch Einführung von Eurobonds. Dann müssten die von ihren Finanzämtern geschröpften Deutschen, Franzosen, Niederländer, Österreicher oder Finnen für die Staatsschulden unsolider Euroländer einstehen, ohne so reich zu sein wie Italiener, Spanier, Belgier, Malteser oder Zyprer.

Weil das nicht fair wäre, werden die Pläne für Eurobonds hoffentlich noch lange in Brüsseler Schubladen schmoren. Sicher ist das allerdings nicht. Denn die Vermögenslage wird fleißig umgedeutet. Angeblich seien die Vermögen nicht vergleichbar, weil die Immobilienwerte nicht überall im Jahr 2010, sondern teils noch im Jahr 2008 ermittelt wurden. Das gilt allerdings nur für Spanien. Außerdem seien die Haushaltsgrößen verschieden. Auch das stimmt nicht. Deutschland liegt mit etwas mehr als zwei Personen nur knapp unter dem Euro-Schnitt von 2,32.

Die angeblich üppigen Rentenansprüche der Deutschen

Manche wollen die Deutschen nun sogar mit ihren angeblich üppigen Rentenansprüchen reich rechnen. Das ist putzig. Seit wann werden in einem Umlageverfahren Vermögen gebildet? Der heimische Rentner oder Pensionär mag einen Rechtsanspruch haben, aber aufbringen muss das Altersgeld die nachwachsende Generation aus dem laufenden Einkommen. Das ist nicht vergleichbar mit Kapitalbildung über Lebensversicherung, Fonds oder Sparbuch. Deshalb wurde nur Letzteres im europäischen Vermögensvergleich berücksichtigt, genauso wie Häuser und Wohnungen abzüglich Schulden, Autos, Kunstwerken oder Schmuck.

Vielleicht weckt ja eine andere für Deutschland bittere Erkenntnis aus der Statistik diejenigen auf, die Südeuropa selbst um den Preis der Vermögensblindheit „retten“ wollen: Nirgends in der Eurozone ist das Vermögen ungleicher verteilt als in Deutschland, wie der große Abstand von Durchschnitts- zu Medianvermögen zeigt. Warum bloß?

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Als Fazit der Studie bleibt: Das Vermögen des mittleren Haushalts in Deutschland ist das niedrigste in der Währungsunion, auch als Folge der von Deutschland geführten Weltkriege und der Wiedervereinigung. Die reichsten Europäer leben in kleinen Ländern mit überdimensionierten Bankensystemen, also in Luxemburg, auf Zypern und Malta. Auch dort, wo über Kriege hinweg vererbt werden konnte, sind große Vermögen zu Hause, etwa in Belgien, Spanien, Italien, Frankreich und den Niederlanden.

Interessant ist, dass selbst in Slowenien oder der Slowakei seit dem Fall des Eisernen Vorhangs die Haushalte mehr Vermögen gebildet haben als hierzulande. Des Rätsels Lösung offenbart die größte Schwäche der Vermögensbildung in Deutschland. In ehemaligen Ostblockstaaten ging oft für kleines Geld das Immobilieneigentum vom Staat auf die Bewohner der Wohnungen und Häuser über. Deshalb liegt dort der Anteil der Hausbesitzer bei 82 bis 90 Prozent, während in Deutschland nur 44 Prozent der Haushalte Wohneigentum besitzen. Noch immer tragen die meisten Deutschen ihr Geld lieber zu Magerzinsen zur Bank, obwohl sie dabei Geld verlieren, weil die Inflation höher als der Zins ist. Oft wäre es besser, Wohnungeigentum zu bilden. Denn mit Sparwille und Ausgabedisziplin bauen viele Immobilienbesitzer auf lange Sicht Vermögen auf. Hier muss man ansetzen, auch um das Vermögen in Deutschland besser zu verteilen.

 

Vermögensverteilung im Euroraum