Levante 22.07.2014 | 02:25

Las caballerizas de Conde del Real se salvan

El ayuntamiento rectifica y obliga a proteger y rehabilitar las edificaciones a instancias de la Real Academia de San Carlos – El dueño no podrá reconstruirlas para ampliar el Palacio Escrivà

hortensia garcía | valencia La Comisión de Urbanismo aprobará hoy el Plan de Protección (PEP) de Bienes de Interés Cutural de Ciutat…

http://www.levante-emv.com/valencia/2014/07/22/caballerizas-conde-real-salvan/1140652.html

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Las caballerizas de Conde del Real se salvan

 

 

 

 

 

Enmienda desde el equipo de keramos/caballerizasvlc:
La decision de salvar las caballerizas salio desde la Real Academia de San Fernando de Madrid. Gracias!

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Enzensbergers Regeln für die digitale Welt: Wehrt Euch!

Wer sich nicht dauernd mit den digitalen Nachstellungen von Unternehmen und Geheimdiensten herumschlagen will, muss nur ein paar einfache Regeln befolgen. Zehn sind es an der Zahl, die Hans Magnus Enzensberger bündig formuliert.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/enzensbergers-regeln-fuer-die-digitale-welt-wehrt-euch-12826195.html

Kopie von Enzensberger bei "Beckmann"

Hans Magnus Enzensberger: Hier bei „Beckmann“ über seine Sicht auf die Gefahren der digitalen Welt für die Demokratie sprechend.

Für Leute, die keine Nerds, Hacker oder Kryptographen sind und die Besseres zu tun haben, als sich stündlich mit den Fallgruben der Digitalisierung zu befassen, gibt es zehn einfache Regeln, wie sie sich ihrer Ausbeutung und Überwachung widersetzen können:

1

Wer ein Mobiltelefon besitzt, werfe es weg. Es hat ein Leben vor diesem Gerät gegeben, und die Spezies wird auch weiter existieren, wenn es wieder verschwunden ist. Der abergläubischen Verehrung, die ihm zuteil wird, sollte man nichts abgewinnen. Smart sind nicht diese Geräte oder die sie benutzen, sondern die sie uns anpreisen, um unermessliche Reichtümer anzuhäufen und gewöhnliche Menschen zu kontrollieren.

2

Wer immer einem ein kostenloses Angebot macht, ist verdächtig. Man sollte unbedingt alles ausschlagen, was sich als Schnäppchen, Prämie oder Gratisgeschenk ausgibt. Das ist immer gelogen. Der Betrogene zahlt mit seinem Privatleben, mit seinen Daten und oft genug mit seinem Geld.

3

Online-Banking ist ein Segen, aber nur für Geheimdienste und für Kriminelle.

4

Regierungen und Industrien möchten das Bargeld abschaffen. Ein gesetzliches Zahlungsmittel, das jeder einlösen kann, soll es nicht mehr geben. Münzen und Scheine sind Banken, Händlern, Sicherheitsbehörden und Finanzämtern lästig. Plastikkarten sind nicht nur billiger herzustellen. Sie sind auch unseren Aufpassern lieber, denn sie erlauben es, jede beliebige Transaktion zurückzuverfolgen. Deshalb tut jeder gut daran, Kredit-, Debit- und Kundenkarten zu meiden. Diese ständigen Begleiter sind lästig und gefährlich.

5

Dem Aberwitz, alle denkbaren Gebrauchsgegenstände, von der Zahnbürste bis zum Fernseher, vom Auto bis zum Kühlschrank über das Internet zu vernetzen, ist nur mit einem totalen Boykott zu begegnen. An den Datenschutz den mindesten Gedanken zu wenden fällt ihren Herstellern nicht im Traum ein. Der einzige Körperteil, an dem sie verwundbar sind, ist ihr Konto. Sie sind nur durch die Pleite zu belehren.

6

Ähnliches gilt für die Politiker. Alles, was man gegen ihr Tun und Lassen einwendet, ignorieren sie. Den Finanzmärkten begegnen sie unterwürfig, und gegen das Treiben der Geheimdienste vorzugehen, wagen sie nicht. Interessiert sind sie jedoch daran, wiedergewählt zu werden. Solange das Wahlrecht noch existiert, sollte man ihnen die Stimme verweigern, wenn sie die digitale Enteignung dulden, statt gegen sie vorzugehen.

7

E-Mail, zu deutsch Strompost, ist schön, schnell und kostenlos. Also Vorsicht! Wer eine vertrauliche Botschaft hat oder nicht überwacht werden möchte, nehme eine Postkarte und einen Bleistift zur Hand. Handschrift ist von Automaten schwer zu lesen. Niemand vermutet auf einer Ansichtskarte, die 45 Cent kostet, wichtige Nachrichten. Man braucht also nicht zu einem toten Briefkasten zu greifen, wie er in altmodischen Spionageromanen vorkommt.

8

Waren oder Dienstleistungen via Internet sollte man meiden. Anbieter wie Amazon, Ebay und so weiter speichern alle Daten und belästigen ihre Kunden mit Reklamemüll. Anonymer Einkauf ist besser. Einzelne Adressen, die man gut kennt, können als Ausnahmen durchgehen.

9

Die großen Internetkonzerne finanzieren sich, ebenso wie das sogenannte Privatfernsehen, hauptsächlich durch Reklame. Damit stehlen sie ihren Kunden Zeit und Aufmerksamkeit. Wer einen, in welcher Form auch immer, andauernd anbrüllt oder belästigt, den sollte man abstrafen. Auf alle Angebote, die auf diese Weise vermarktet werden, zu verzichten ist empfehlenswert, ebenso wie Sender, die einen durch Werbung terrorisieren, ein für alle Mal abzuschalten. Das ist nicht nur aus hygienischen Gründen ratsam. Bekanntlich arbeiten besonders amerikanische Großkonzerne eng mit den Geheimdiensten zusammen, um möglichst jede menschliche Regung auszuspähen und zu kontrollieren.

10

Netzwerke wie Facebook nennen sich „sozial“, obwohl sie ihren Ehrgeiz daransetzen, ihre Kundschaft so asozial wie möglich zu behandeln. Wer solche Freunde haben will, dem ist nicht zu helfen. Wer bereits das Unglück hat, einem solchen Unternehmen anzugehören, der ergreife so schnell wie möglich die Flucht. Das ist gar nicht so einfach. Was ein Krake einmal erbeutet hat, gibt er nie wieder freiwillig her.

* * *

Mit diesen simplen Maßregeln kann das politische Problem, vor das die Gesellschaft gestellt ist, natürlich nicht gelöst werden. Angesichts der Passivität und der Unterwürfigkeit der hierzulande regierenden Parteien ist es bemerkenswert, wenn sich ein namhafter Politiker überhaupt einmal dazu äußert. Er heißt Martin Schulz und ist nicht nur Präsident des Europäischen Parlaments, sondern sogar Sozialdemokrat. Weder er noch seine Partei hat sich bisher mit Einsprüchen gegen den Sicherheits- und Kontrollwahn hervorgetan. Alle einschlägigen Übergriffe, gleichgültig, ob sie aus dem Ausland kommen oder deutscher Wertarbeit zu verdanken sind, wurden bisher durchgewinkt. Daten speichern, abhören, abwiegeln – das sind die üblichen Verfahren.

Der Schlaf der Vernunft wird bis zu dem Tag anhalten, an dem eine Mehrheit der Einwohner unseres Landes am eigenen Leib erfährt, was ihnen widerfahren ist. Vielleicht werden sie sich dann die Augen reiben und fragen, warum sie die Zeit, zu der Gegenwehr noch möglich gewesen wäre, verschlafen haben.

 

Im Zeitalter von Big Data Wir wollen nicht

Edward Snowden hat die Frage unserer Zeit gestellt: ob wir so leben wollen oder nicht. Big Data verändert unser Denken und Handeln radikal: „Wir können Dinge tun, die wir niemals tun konnten“.

26.08.2013, von Frank Schirrmacher

Wer glaubt, er habe nichts zu verbergen, hat Big Data nicht verstanden - Splitscreen mit dem von Microsoft entwickelten „Domain Awareness System“
Wer glaubt, er habe nichts zu verbergen, hat Big Data nicht verstanden – Splitscreen mit dem von Microsoft entwickelten „Domain Awareness System“

Am 9. Juni dieses Jahres machte der „Guardian“ die Identität Edward Snowdens in einem Interview öffentlich. In dem Gespräch begründete Snowden seine Aktion mit folgendem Satz: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird.“ Nach allem, was man seither gelesen, gehört und gesehen hat, ist festzustellen, dass kein Wort an dieser Begründung falsch oder übertrieben war. Die offene Frage in der ganzen Snowden-Affäre, die wir und die Politik uns zu stellen haben, ist dieselbe, die Snowden stellte: ob wir in so einer Welt leben wollen oder nicht.

Offenbar wollen wir. Bundesregierung und die Mehrheit der Bundesbürger haben sich gegenseitig versichert, dass sie nichts voreinander zu verbergen haben. Was immer die unsichtbare Hand der Geheimdienste und des Silicon Valley in irgendeiner elektromagnetischen Schicht an Insider-Informationen sammelt, dringt in den Augen der Bürger ins wirkliche Leben allenfalls als Buchempfehlung vor. Und weil Menschen, die die Aufregung um Snowden nicht gekauft haben, auch nicht eine Partei wählen, die damit Politik macht, hat auch keine Partei eine politische Antwort auf das Drama des überwachten Menschen wirklich im Angebot. Der „Like“-Button ist längst stärker als jedes Bundesverfassungsgerichtsurteil.

Eine „Beendigung der Debatte“ wäre verantwortungslos

Verdorben durch den Wahlkampf, der die Debatte zum reinen Stellvertreterkrieg machte, verwässert durch die nachgerade unverfrorenen Erklärungen, mit der die NSA relevante Informationen in einer Flut von Hintergrundrauschen ertränken wollte, verunsichert durch Snowdens vielleicht ausweglosen, aber angreifbaren Weg nach Moskau und verängstigt von der Gefahr, Terroristen in die Hände zu spielen, hat sich die Informationsgesellschaft offenbar mehrheitlich auf den Standpunkt gestellt, dass man nichts Genaues weiß und auch nie wissen wird und man im Übrigen nichts zu verbergen habe. Zu dieser Einschätzung trugen die offenbar falsche Zuordnung von 500 Millionen Telefonverbindungen in Deutschland ebenso bei wie jene Experten, die, manchmal sogar in der gleichen Person, Snowdens Enthüllungen zum alten Hut, zum Staatsgeheimnis oder zum schieren Missverständnis erklärten. Man versteht nach alledem, warum die Menschheit erst in der „Wissensgesellschaft“ angekommen sein musste, als sie im Jahre 2005 eine neue Wissenschaft erfand: die Agnotologie, die Analyse der systematischen Produktion von Nicht-Wissen. Sie hat einen entscheidenden Effekt auf das, was wir altertümlich politische Willensbildung nennen: Man kann gar nicht mehr sagen, was man will oder nicht.

Offenbar wollen wir. Bundesregierung und die Mehrheit der Bundesbürger haben sich gegenseitig versichert, dass sie nichts voreinander zu verbergen haben. Was immer die unsichtbare Hand der Geheimdienste und des Silicon Valley in irgendeiner elektromagnetischen Schicht an Insider-Informationen sammelt, dringt in den Augen der Bürger ins wirkliche Leben allenfalls als Buchempfehlung vor. Und weil Menschen, die die Aufregung um Snowden nicht gekauft haben, auch nicht eine Partei wählen, die damit Politik macht, hat auch keine Partei eine politische Antwort auf das Drama des überwachten Menschen wirklich im Angebot. Der „Like“-Button ist längst stärker als jedes Bundesverfassungsgerichtsurteil.

So sehen Anzeigen von Firmen aus, die weltweit für ihre Überwachungssoftware werben

So sehen Anzeigen von Firmen aus, die weltweit für ihre Überwachungssoftware werbenEs ist unmöglich, nachzuzeichnen, wie all die Bluffs, Ablenkungen, Fehler, Aufklärungen und Camouflagen, inklusive der Lügen vor dem amerikanischen Kongress, aus der „Debatte“, die sich nicht nur Snowden, sondern auch der amerikanische Präsident wünschte, eine Travestie machten. Es mag sein, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten noch von etlichen Programmen wie Prism hören werden und die Auseinandersetzung immer mehr zu einer operativen Frage geheimdienstlicher Strategien wird.

Doch die eigentliche Erkenntnis, die Snowden mehr auslöste als dokumentierte, ist längst gewonnen: Wir erleben eine Veränderung der sozialen Ordnung in den westlichen Demokratien, die so grundsätzlich zu sein scheint, dass die „Beendigung der Debatte“ geradezu verantwortungslos wäre. Jeder konnte jetzt seine Meinung zu Edward Snowden und Moskau und einzelnen Programmen äußern. Vielleicht sollte man das allmählich bleiben lassen und insbesondere auf politischer und juristischer Ebene erkennen, dass der Souveränitätsverlust des Landes und Europas – nach der Eurokrise zum zweiten Mal in kurzer Zeit und, wie Christian Lindner und Sigmar Gabriel zu Recht in der F.A.Z. hervorhoben, durchaus aus den gleichen Gründen – nur ein Symptom für neue Machtverhältnisse ist. So wichtig es ist, Terror zu bekämpfen oder Cyberangriffe abzuwehren, so übereinstimmend reden die Experten davon, dass alle Überwachungssysteme, egal ob in China oder Russland oder Ägypten oder Amerika, gleich konstruiert sind. Die Proliferation der Technologie, vom „Wall Street Journal“ in erschreckender Detailgenauigkeit dokumentiert, wird ohne Zweifel auf politischer Ebene zu einem Rüstungswettlauf führen, in dem sich immer häufiger Überwachungssysteme (vom Cyberwar ganz zu schweigen) gegenseitig auszutricksen versuchen. Die Sache ist einfach: Einem trotz der Internetgiganten immer noch dezentralen Netz kann sich jederzeit ein Zentralgehirn zuschalten, das buchstäblich jede Lebens- und Geräteäußerung aufzeichnen, analysieren und vergleichen kann. Schon gibt es Andeutungen, dass die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht zeitgemäß sei. Die Vision, dass selbst Grundrechte einem ständigen Update unterliegen und stets nur in der Betaversion vorhanden sind, ist so beklemmend, dass man sich wünscht, dass in der Debatte, die nicht nur die NSA, sondern Google, Facebook oder Apple umfassen müsste, sich endlich Verfassungsjuristen zu Wort melden. Von Unternehmen, die bereit sind, beispielsweise in China auf staatliche Anordnung das Wort „Demokratie“ aus Blogtiteln zu streichen, ist selbst wenig zu erwarten.

Ein gigantisches Hirn, das sich nur erinnern muss

Das neue Zeitalter von Big Data erschafft die größte Überwachungsmaschine, die es jemals gab. Es kommt in einer Erscheinungsform, für die wir keine kulturelle Prägung besitzen. Sie ist nicht vorhergesehen worden von Wissenschaftlern, nicht von Ingenieuren, nicht von Science-Fiction-Autoren, auch und vor allem nicht von George Orwell. Ihre Besonderheit besteht darin, dass Überwachung zum ökonomischen Rational schlechthin wird: Praktisch alle Märkte und Produkte werden ihre Konsumenten und Nutzer überwachen, sortieren und evaluieren. Die Algorithmen, die das tun, sind zum Großteil beliebig austauschbar: Ob man bei Amazon einkauft oder einen Menschen evaluiert, das ist kein fundamentaler Unterschied.

Gus Hunt, der Cheftechniker der CIA und eine unschätzbare Quelle für die Dinge, die die NSA nicht sagen will (und die er jetzt vielleicht auch nicht mehr sagen würde), lobte beim „Amazon Web Service Summit“ im Jahre 2011, dass die „Märkte uns erlauben, Dinge mit Informationen zu tun, die wir niemals haben tun können“ (siehe auch hier).

Es ist eine Zivilisation, in der Realitäten entstehen, für deren Voraussage man vor zehn Jahren zum Therapeuten geschickt worden wäre: zum Beispiel die (in den Worten von Alex Pentland), dass unsere Kleidung, wenn man einen Raum betritt, „sofort weiß, was los ist und entsprechend reagieren kann“.

Geprägt von den Spionage- und Orwell-Erzählungen des letzten Jahrhunderts, stellen sich viele den Vorgang als eine Art „Suche“ vor. Viel zutreffender aber ist das Bild eines gigantischen Hirns, das sich nur erinnern muss. Deshalb entstehen überall Datenspeicher in unfassbaren Dimensionen – das Pentagon beispielsweise, nur eine Regierungsbehörde unter vielen, wenn auch eine sehr datenintensive, baut eine Erweiterung seines Datenspeichers in einer Größe (Yottabytes), für deren nächsthöhere Dimension es noch gar kein Wort gibt.

Die Rolle der Quants

Solche Datenmengen lassen sich natürlich nur automatisiert verarbeiten, sortieren und, wie es die Finanzmärkte vormachen, in Vorhersagen umschreiben. Der rätselhafte Satz der NSA, sie habe nur einen Bruchteil der Daten „angefasst“ („touched“), ist deshalb auch keine Beruhigung, sondern eine Trivialität. Man darf sich die neue Welt nicht vorstellen als die Welt Hollywoods, in der der Detektiv unerbittlich einer Spur nachgeht, alles andere eliminiert und schließlich zum Ziel kommt. Was den Detektiv verwirren würde, ist das Lebenselixier der Überwachungs- und Vorhersagesysteme des neuen Zeitalters: Sie verbessern sich, je totaler, zufälliger und vielschichtiger die Daten werden. Sie brauchen im Idealfall alles.

All das kann im Ernst nicht bezweifelt werden. Schon vor drei Jahren veröffentlichte das „Wall Street Journal“ eine grandiose Dokumentation über die Überwachungsindustrie – der auch Snowden angehörte -, die ihre Produkte in die ganze Welt, zuletzt nach Syrien, verkaufte.

Facebook, so schrieb ein Autor, der die NSA-Aktionen quantitativ relativieren wollte, speichere pro Tag 20 Mal mehr reine Log Data, als die NSA insgesamt Daten speichere. Das war als Beruhigung gedacht. Dass es zutiefst verstörend ist, insbesondere wenn man weiß, dass die NSA auf die Daten zugreifen könnte und Facebook sie vermarkten und verkaufen kann, schien ihm kein nennenswerter Einwand zu sein. Gus Hunt hat auf dem Amazon-Gipfel erklärt, dass Daten nicht weggeworfen werden dürfen: Man weiß ja nicht, was sie in Zukunft bedeuten können: „Wir bewegen uns weg von dem Paradigma der Suche hin zur Korrelation von Daten im Voraus, um zu wissen, was passieren wird.“

Die Frage, warum das den Einzelnen beunruhigen sollte, ist damit noch nicht beantwortet. Vielleicht kann, da die Phantasie nicht ausreicht, der Blick auf Biotope helfen, in denen dieser „mindset“ bereits – oft völlig unbemerkt – in den Alltag integriert ist. Der Ökonom und Wissenschaftshistoriker Philip Mirowksi, einer der besten Kenner des Computers und seiner Mathematik, hat soeben in seinem neuem Buch „Never Let a Serious Crisis Go to Waste“ die Überwachungsalgorithmen bei normalen Kundenkreditvergaben in den Vereinigten Staaten analysiert. Er zeigt bestechend, wie das angeblich so fluide digitale Ich, das längst unser wirkliches zu ersetzen beginnt, in eine Matrix von Algorithmen evaluiert und risikobewertet wird, in der das empirische, wirkliche Ich keine Chance mehr hat. Die „New York Times“ hat in einer aufregenden Reportage Obamas letzten Wahlkampf analysiert. Sie beschreibt die Rolle der Quants, der mathematischen Köpfe hinter den neuen Verfahren, die über exzessive Überwachungsstrategien in Facebook Wahlen gewinnen, indem sie Politik selbst verändern: Die Politik, die aus zivilen Überwachungsmärkten entsteht, will niemanden mehr überzeugen und viele auch gar nicht mehr erreichen. Sie weiß, was „Allokation von Ressourcen“ auch im Bereich politischen Denkens bedeutet. So wie „pre crime“- Analytik, die Vorhersage von Verbrechen, die Kosten für die Polizei senkt, so senkt die Überwachungsmathematik im politischen Geschäft die Kosten für Ideen und für den Geist.

Der verkaufte Nutzer

So pathetisch die Frage klingen mag: Snowdens Bekenntnis, er wolle nicht in so einer Gesellschaft leben, macht seinen Fall zur wirklichen Chance für die Selbstvergewisserung der Gesellschaft – in den Worten des hier unverdächtigen Hans-Peter Uhl zum „Weckruf“.

Die Dramatik wird nicht dadurch geringer, dass wir auch als Menschen dazu neigen, die Vergangenheit in die Zukunft zu extrapolieren, allerdings mit weniger Daten und schlechterem Gedächtnis als die Überwachungssysteme. Zur demokratischen Substanz gehört, dass Medien und Öffentlichkeit Gegenwehr entwickeln. Auch hier ist der Fall Snowden in seiner Verengung auf Verrat oder Heldentum ein Menetekel. Dass innerhalb der „Debatte“ gemeldet wird, dass der amerikanische Staat eine Software zur Gesichtserkennung von Menschenmengen sehr weit entwickelt hat; oder dass Google erklärt, dass Googlemail-Nutzer nicht mit Privatsphäre rechnen können, hätte in der Vergangenheit einen Sturm der Entrüstung, zumindest Nachfragen ausgelöst. Und auch die Medien entwickeln sich zu kleinen Überwachungsmaschinen. David Ignatius, der CIA-Fachmann der „Washington Post“, wurde in der Fernsehsendung „Meet the Press“ gefragt, was er vom Verkauf an Jeff Bezos halte. „Wissen Sie“, sagte er, „wenn ich auf die Amazon-Seite gehe, wissen die eine Menge über mich. Sie wissen, was ich kaufen will. Es gibt keinen Grund, warum wir das nicht auch auf unserer Zeitungs-Website machen können.“

Wer über Snowden redet, muss über die Veränderung des Denkens reden. Es ist genau das, was Admiral Poindexter, der Architekt der Überwachungsapparatur für die NSA, vorausgesagt hat, als er von unserem „Manhattan-Projekt für das 21. Jahrhundert“ geredet hat. Größer kann man es nicht formulieren. Denn das Projekt, das zur Atombombe führte, hat das Denken und die Rationalität der Gesellschaft tiefgreifender verändert als die Bombe selbst, die im Kalten Krieg immer nur ein Symbol war. Damals gab es heftige, fruchtbare Debatten. Von den Großintellektuellen hat sich vernehmlich – und für ihn singulär – nur Hans Magnus Enzensberger zu Wort gemeldet. Aber was heißt heute „zu Wort gemeldet“? Die Schriftstellerin Juli Zeh, die das Thema früher und scharfsinniger als viele andere erkannte, hat auf „change.org“ eine Petition an die Bundeskanzlerin formuliert und mit ihrer Warnung vor dem Überwachungsstaat immerhin fünfzigtausend Unterschriften gesammelt. Vielleicht ist Warnung nötig, nicht nur vor dem Staat allein. „change.org“ ist eine kommerzielle Plattform, die ungezählte solcher Petitionen organisiert. Philip Mirowski hat unlängst das Kleingedruckte gelesen und festgestellt, dass „jeder, der die Seite benutzt, damit rechnen muss, dass seine persönlichen Informationen an die Personen oder Organisationen weitergeleitet werden, die die Petition organisieren; sie außerdem an dritte Parteien, an Behörden oder Kläger übermittelt und sogar unter bestimmten Umständen verkauft werden können.“

The Surveillance CatalogWhere governments get their tools

http://projects.wsj.com/surveillance-catalog/

Buchempfehlung – R.Willemsen Das Hohe Haus

Das Hohe Haus

Das hohe Haus

Eine Deutschlandreise anderer Art, zugleich ein Versuch, der so noch nicht unternommen wurde: Ein Jahr lang, von der ersten Sitzungswoche bis zur letzten und an jedem einzelnen Sitzungstag, besuchte Roger Willemsen den Deutschen Bundestag und verfolgte von der Tribüne das Geschehen. Keine Stunde war zu spät, kein Thema zu entlegen, als leidenschaftlicher Zeitgenosse wollte er aus der Perspektive des Augenzeugen, des mündigen Bürgers erfahren, auf welche Weise das Parlament das demokratische Individuum repräsentiere, welche Themen bestimmend seien, wie sich Entscheidungen bildeten, wie sie verhandelt wurden und welche Beobachtungen sich für einen Autor ergäben, der keine tagesaktuellen Wichtigkeiten zu ermitteln hat und sich auch nicht auf Fernsehbilder verlässt.

Willemsen konzentrierte sich auf den Bundestag, als das Zentrum der Demokratie, den Ausgangpunkt von Entscheidungen, die das gemeinschaftliche und somit auch sein eigenes Leben prägen. Zugleich betrat er das „Hohe Haus“ zu einem Zeitpunkt der Krise des Parlaments als „Entscheidungsmitte“ der repräsentativen Demokratie.

Was er beobachtet, das sind die kleinen Szenen an Nebenschauplätzen, die großen Debatten und Feierstunden, Situationen der Rührung, der Freude, des Schreckens sogar und des Protests. Darunter sind Momente, die keine Öffentlichkeit gefunden haben und Situation, die jedem Klischee vom Bundestag widersprechen. Ebenso aber finden sich ernüchternde Beobachtungen aus der Stammeskultur des Parlamentariers und seinen Riten. „Das Hohe Haus“ ist der Bericht eines Augenzeugen, der voraussetzungslos schaut und tagebuchartig erzählt und protokolliert, selbst erstaunt, als wie ergiebig sich diese Perspektive erweist. Als Dieter Hildebrandt von dem Projekt erfuhr, rief er aus: „Warum ist auf diese Idee noch niemand gekommen!“

Auf der Bühne präsentiert Willemsen seine parlamentarischen Exkursionen gemeinsam mit der Schauspielerin Annette Schiedeck und dem Hörfunk-Moderator Jens-Uwe Krause.

Roger Willemsen veröffentlichte sein erstes Buch 1984 und arbeitete danach als Dozent, Übersetzer und Korrespondent aus London, ab 1991 auch als Moderator, Regisseur und Produzent fürs Fernsehen. Er erhielt u. a. den Bayerischen Fernsehpreis und den Adolf-Grimme-Preis in Gold, für seine Bücher den Rinke- und den Julius-Campe-Preis, zuletzt den Prix Pantheon-Sonderpreis. Willemsen ist Honorarprofessor für Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin, Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins und steht mit zahlreichen Soloprogrammen auf der Bühne. Seine Bestseller ›Deutschlandreise‹, ›Gute Tage‹, ›Afghanische Reise‹, ›Kleine Lichter‹, ›Der Knacks‹, ›Bangkok Noir‹, ›Die Enden der Welt‹ und ›Momentum‹ erschienen im S. Fischer Verlag und im Fischer Taschenbuch Verlag. Sie wurden in viele Sprachen übersetzt.

http://www.roger-willemsen.de/programm/das-hohe-haus/

Das Hohe Haus – Ein Jahr im Parlament – Sachbuch – Hardcover

Preis € (D) 19,99 | € (A) 20,60 | SFR 28,90 – ISBN: 978-3-10-092109-3

Fischer Verlag  http://www.fischerverlage.de/buch/das_hohe_haus/9783100921093

Leseprobe: RW Leseprobe LP_978-3-10-092109-3

Interview zum Buch in Pelzig haelt sich vom 18.03.2014 ( 7 Tage online)
zdf : http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2110768/%22Pelzig-h%C3%A4lt-sich%22-vom-18-M%C3%A4rz-2014

Caballerizas Conde del Real Valencia 1

Las Caballerizas figuran en la LISTA ROJA de HISPANIANOSTRA

caballerizas hispnos

http://www.hispanianostra.org/lista-roja/Caballerizas_del_Palacio_de_Escriva

Texto reproducido desde la url de Hispanianostra

Historia/Descripción:

Se distinguen dos edificios diferentes, aunque actualmente se trate de un único local en planta baja, cuyo origen, características constructivas y función están bien diferenciados.

El edificio situado al este, en el nº 2 de la Plaza del Conde del Real, es de dos plantas de altura, y fue construido en 1845 para uso de vivienda, según un proyecto de arquitecto Timoteo Calvo (1799-1879), conservando de la edificación anterior el muro trasero y los muros laterales, en los que existen sendos arcos, el situado al este de sillería y el del oeste de ladrillo macizo, y construyendo de nuevo la fachada, forjado y cubierta. La puerta de acceso presenta un umbral de piedra, con rebajes para el paso de carros. Una escalera de bóveda de ladrillo accede a la planta superior.

El otro edificio ocupa una parcela de mayor tamaño, está situado en el nº 3, con fachadas a la plaza del Conde del Real y a la calle Conde de Olocau.

Este edificio es anterior, como sus características constructivas demuestran, pudiendo ser del siglo XVII o anterior. Es un edificio de una sola planta de unos 4 metros, construido mediante muros de mampostería ordinaria de unos 50 cm de espesor, con hiladas de ladrillo macizo en algunos tramos, especialmente en los jambeados de los huecos. Además del arco de ladrillo en el límite este tiene otro arco central de características semejantes, conformando un espacio interior único.

A los lados de los arcos se conservan conjuntos de modillones moldurados de piedra, situados en un plano horizontal y destinados a soportar vigas o artesonados ya desaparecidos. La dirección de los arcos sigue la geometría de los muros interiores del cuerpo norte del palacio de Escrivà, lo que en el arco central se traduce en una destacada oblicuidad respecto a las fachadas, y refleja la vinculación constructiva entre ambos edificios, que también comparten el muro de medianería. La función de este edificio puede haber cambiado con el tiempo. Albergaba cuadras o caballerizas, uso que también tenía en los primeros años del siglo XX, aunque a finales del XVIII se señala su uso como almacén de trigo.

El Palacio representa uno de los mejores ejemplos de arquitectura palaciega del siglo XV de la ciudad de Valencia.

Época:

La época de construcción de las caballerizas se desconoce, debido a las diferentes intervenciones que han sufrido. Se plantea que pueden ser uno de los edificios más antiguos del centro histórico de Valencia. El Palacio data del S. XV, y la fachada, del S. XVIII.

Propiedad:

Privada, de los Serra de Álzaga. Ocupación parcial de viviendas.

Grado de protección:

El Plan Especial de Valencia de 1992 otorga a las caballerizas un nivel de protección 2. El Palacio fue declarado Monumento Histórico-Artístico Nacional en 1966, Bien de Interés Cultural.

Estado:

Muy deteriorado. El PGOU de 1988 no dotaba a las caballerizas de ninguna protección, por lo que se daba la opción de su derribo para ampliar la Plaza del Conde del Real.

Carácter del riesgo:

Derribo para llevar a cabo un proyecto de edificio de tres plantas, para ampliar el Palacio e instalar las colecciones de los propietarios del Palacio, como museo privado que no estaría abierto al público. Se llevó a cabo un primer intento para el derribo en 2008, con informes del arquitecto José María Lozano Velasco y la arqueóloga Agustina Herreros Hernández.

Restauración:

Las obras de restauración del Palacio fueron de 1974 a 1984, a cargo de los arquitectos Joaquín de Ros y Luis Gay. Recibió una medalla de Europa Nostra en 1992.

(C) Photo: El Levante

Mas informacion sobre el polémico proyecto:
Articulos en la prensa

  • El consistorio descataloga unas caballerizas del siglo XVIII para ampliar el Palacio Escrivà (21.02.2014)

http://www.levante-emv.com/valencia/2014/02/21/consistorio-descataloga-caballerizas-siglo-xviii/1082224.html?utm_medium=rss
Los dueños de un palacio del siglo XV piden ampliarlo para exponer una colección de arte (21.02.14)
http://www.lasprovincias.es/v/20140221/valencia/duenos-palacio-siglo-piden-20140221.html

  • Lozano: «Se podrá derribar si es para una ampliación museística»

El arquitecto asegura que, si se aprueba el proyecto, el nuevo edificio integrará los arcos medievales de las caballerizas

25.02.2014 | 23:03 – hortensia garcía valencia
http://www.levante-emv.com/valencia/2014/02/26/lozano-podra-derribar-ampliacion-museistica/1083965.html

  • Especialistas y vecinos subrayan el valor histórico de las caballerizas de la Seu

El edificio de la plaza Conde del Real conserva dos arcos medievales, aparecería en los planos de Wyngaerde y podría formar parte del conjunto del alcázar árabe

26.02.2014 | hortensia garcía | valencia

http://www.levante-emv.com/valencia/2014/02/26/especialistas-vecinos-subrayan-historico/1083964.html

Arcos medievales en las caballerizas

Gamification – Ist Spielen das neue Arbeiten?

12.02.2014  ·  Die „Industrie 4.0“ verändert die Gesellschaft: Die Maschine macht alles, der Mensch muss in der Fabrik nur noch vereinzelt auf Knöpfchen drücken – und bei Laune bleiben.

Von Stefan Schulz

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/gamification-ist-spielen-das-neue-arbeiten-12796856.html

© Matthias Bein/ ZB
Eine Frage der Motivation: „Gamification“ soll monotone Tätigkeiten – hier Fließbandarbeit in einer Abfüllanlage – unterhaltsamer und vor allem effizienter machen

ie „Industrie 4.0“ beziehungsweise der heute als Revolution beschriebene Weg dorthin ist eine technische Angelegenheit. Weil es aber nicht nur um Entwicklungen, sondern um Vernetzung des bereits Vorhandenen geht, steckt in ihr auch eine Aufgabe für Kreative, sie ist geradezu ein Auftrag für Designer. So sieht es zumindest der Ingenieur Jörg Niesenhaus, der diese Behauptung auf einer Kölner Konferenz zur „Gamification“ vortrug, aber auch mit seinem Werdegang untermauerte. Vor zehn Jahren entwickelte er Computerspiele, heute ist er Manager in einem Unternehmen, das sich mit der Entwicklung von Benutzeroberflächen für Industrieanlagen beschäftigt.

Das bedeutet mehr, als die Begriffe Design und Gamification zunächst verraten. Niesenhaus nimmt Aufträge von Unternehmen entgegen, die planen, Fabriken zu bauen, und er hilft ihnen, sie so zu gestalten, dass sich auch Menschen in ihnen wohl fühlen. Dabei ist der Mensch die große Leerstelle der „Industrie 4.0“: Eigentlich stehen nur noch die Maschinen im Mittelpunkt, das, was sie heute schon können und was sie künftig schaffen, wenn sie miteinander vernetzt sind.

Flow-Zustände am Fließband

Der Mensch muss in dieses auf Effizienz und Qualität getrimmte Fabriksystem integriert werden. Die Rolle eines Wartungsingenieurs wird eine neue sein und in jeder Fabrik eine andere, sagte Niesenhaus. Der Mensch werde weiterhin Maschinen überwachen, aber die Maschine werde auch ihn beobachten. In „smart factories“ werden smarte Maschinen stehen. Die Herausforderung sei nun, die klaren und linearen, sich ständig wiederholenden Prozesse, die den Menschen nur selten, dann aber für hochspezielle Handgriffe benötigen, attraktiv zu machen. Menschen, die nach einer aufwendigen und teuren Ausbildung allein mit der Überwachung von Computerbildschirmen beschäftigt sind, müssen anders motiviert werden als klassische Industriearbeiter.

Mit dem richtigen Wissen könne man Menschen in moderner Akkordarbeit in Flow-Zustände versetzen, über Wettkämpfe am modernen Fließband Ablenkung herbeiführen und Ziele formulieren oder mit einem Punktesystem Anreize für Fleiß schaffen. Am Beispiel eines Disney-Freizeitparks zeigte Niesenhaus die vermeintlichen Vorzüge: Wenn die Arbeit der Reinigungskräfte in Hotels zum Vergleich auf einer Leinwand angezeigt wird, arbeiten Menschen schneller. In einem Fall arbeitete eine Schwangere bis zur völligen Erschöpfung.

Man muss nicht lange nachdenken, um auf die Probleme dieser schönen, neuen Arbeitswelt zu kommen. In Köln ging es jedoch um die angeblichen Vorteile der neuen Methoden, die zurzeit in den Personalabteilungen deutscher Unternehmen Einzug halten. Zum Auftakt der Konferenz listete der Psychologe Ibrahim Mazari die Prinzipien auf: „Gamifizierte“ Aufgaben und Arbeiten ermöglichten es Menschen, im Verlauf ihrer Tätigkeit Reputation zu erringen, Gemeinschaften zu finden, Spannungsbögen zu erleben, erreichte Ziele als Eigenleistung zu deuten und Geschichten zu erleben. Nimmt man all das ernst, ginge es nur noch darum, Menschen in „Achiever, Killer, Socializer und Explorer“ aufzuteilen. Der Weg, ein unternehmerisches Ziel in ein persönliches umzumünzen, führte dann ausschließlich über Anreize. Es geht um älteste Tugenden in digitalen Gewändern: Jagen und Sammeln, heute vor Publikum.

Burgerbasteln als Anwendungsfall

Deswegen, sagte der Geschäftsführer einer „Gamification-Full-Service-Agentur“, Roman Rackwitz, eigne sich Gamifizierung bestens fürs Marketing. Rackwitz fragte das Publikum: „Wenn Sie Fernsehen schauen und dort Werbung beginnt, was machen Sie dann?“ Die Frage war sogleich nicht mehr, ob denn jemand zu einem weiteren Bildschirm greife, sondern, „wie viele man, in Armlänge entfernt“, um sich habe. In Deutschland seien es zwei, in Amerika schon drei. Der „Push-Ansatz“ der Werbung, Aufmerksamkeit zu erregen, indem Werbeflächen gefüllt würden, funktioniere kaum noch, behauptete Rackwitz. Digitale Werbung sei bislang Flächenwerbung, früher auf Papier, heute auf Displays. Nun aber stehe ein Paradigmenwechsel an. Für Inhalte und Produkte sei dann zu werben, wenn nach ihnen verlangt werde und auch der Rahmen der Werbemaßnahme der richtige sei. Diesen Rahmen müsse man im Zweifel selbst schaffen.

Der beste Anwendungsfall bisher sei McDonald’s mit einer Kampagne gewesen, in der Kunden aufgefordert wurden, einen eigenen Burger zu kreieren, den McDonald’s dann ins Programm nahm. Die Idee dahinter: die von außen angeregte Motivation, „etwas zu bekommen“, umzuformen in innere Motivation, „etwas zu erreichen“. Noch nicht hinterfragt wurde, wie motivierend es für Zehntausende von Kunden ist, einen Hamburger zu bauen und dann zuzusehen, wie es einem der Konkurrenten gelingt, ihn für vier Wochen ins Angebot der Filialen zu bringen. Nachhaltigkeit sei bei der Gamifizierung durchaus noch ein offenes Problem, über das man sprechen könne, wenn das Phänomen älter werde, sagte Rackwitz.

Personaler in einer Zwangslage

Wichtig sei, das wurde auch in den Diskussionen am Rande deutlich, ein ständiges Feedback, das auch schon vor der Erfindung der Computer bei vielen Spielen von Bedeutung war. Fehler zu provozieren, aus denen man lernen könne, anstatt sie zu vermeiden oder zu bedauern, sei für die Bildung nicht nur in der Schule ein wichtiger Aspekt der Gamifizierung, sagte Rackwitz. Joachim Diercks, der über den spielerischen Ansatz des „Recrutainments“ sprach, stellte heraus, dass Unternehmen den Wissenstransfer durch spielerisches Lernen auch bei der Nachwuchssuche einsetzen könnten.

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Die demographische Entwicklung zwinge Unternehmen dazu, auf Bewerber zuzugehen und niedrigschwellige Zugänge ins Unternehmen anzubieten. Formale Eignungstests akzeptierten viele Jugendliche heute kaum noch. Den Personalsuchern spielt dabei allerdings ihr eigener Trend in die Hände: Die jungen Menschen, die sich den Leistungstests verweigern, haben sich und ihr Leben längst selbst vermessen. Es ist tatsächlich Zeit, über Vor- und Nachteile der Gamifizierung zu diskutieren.

Quelle: F.A.Z.

Fraktur – Die Sprachglosse Promotionstourismus

17.01.2014  ·  Jetzt kann wirklich keiner mehr behaupten, dass die CSU gegen Armutsmigration aus dem Osten ist.

Von Berthold Kohler

Wo war eigentlich Claudia Roth, als der Sozialtourismus über uns kam? Natürlich nur als menschenverachtendes Unwort, denn als Tatsache gibt es ihn ja gar nicht. Aus Rumänien und Bulgarien kommen, wie man jetzt überall sehen und lesen kann, fast nur junge Ärztinnen und hochqualifizierte Klempner nach Deutschland, die nichts lieber tun, als in unsere Rentenkasse einzuzahlen. Aber das Unwort schlich sich unerkannt bei uns ein, bis es jetzt von der „sprachkritischen Aktion“ erwischt wurde. Es sollte allen zu denken geben, dass dies erst und nur einer Technischen Universität gelang. Claudia Roth war wohl immer noch damit beschäftigt, die Betriebsanleitung ihres neuen und fair gehandelten Dienstwagens zu studieren.

Die Darmstädter Jury zeigt uns sprachunsensiblen Journalisten Jahr für Jahr, dass eigentlich harmlose, mitunter sogar hochangesehene Wörter wie jetzt eben „sozial“ und „Tourismus“ zu ganz üblen Gesellen verbunden werden können, die den Ruf Deutschlands beschädigen.

In England glaubt man seit der Entdeckung dieses sprachlichen Schweinehunds bestimmt, dass wir unseren gar nicht existierenden Sozialtouristen im Integrationskurs als Erstes beibringen, wie man morgens um sieben mit einem Handtuch eine Liege am Pool besetzt. Jawoll, besetzt! Das ist natürlich Nonsens. Aber ein bisschen Ordnung kann nicht schaden, am Schwimmbecken nicht und in unserem Sozialstaat schon gar nicht. Dankenswerterweise hat die Europäische Kommission schnell einen Reiseführer für Sozialtouristen – das Darmstädter Unworturteil ist noch nicht in alle Amtssprachen übersetzt worden – herausgegeben, der ihnen dabei hilft, sich im Dschungel unseres wirklich unübersichtlichen Sozialsystems zurechtzufinden.

Hilfreich wäre es auch, wenn die EU eine ähnliche Handreichung für Promotionstouristen herausbrächte, damit die endlich wissen, in welchem Landkreis sie ihren Titel führen dürfen und in welchem nicht. Sonst kann sich die Karlsuniversität in Prag demnächst nicht mehr vor Doktoranden retten, die dort ihren Grundschulaufsatz über ihr schönstes Ferienerlebnis als Doktorarbeit einreichen wollen, auf Deutsch, versteht sich. Vor zwanzig Jahren wäre das noch völlig unvorstellbar gewesen, ganz Böhmen hätte „Germanisierung!“ geschrieen und die Mobilmachung verlangt.

Da sieht man einmal am praktischen Beispiel, wie viel die bayerische Staatsregierung und die Hanns-Seidel-Stiftung – hier ist der Bindestrich, anders als bei Franz Josef Strauß, zwingend und dieser Hinweis auch, denn offenbar tun sich selbst Führungskader der CSU auf diesem Gebiet schwer – inzwischen für die Verbesserung des deutsch-tschechischen Verhältnisses getan haben.

Und von wegen, die CSU sei gegen die „Armutszuwanderung“ aus dem Osten (die in Darmstadt um den ihr zustehenden Unwort-Titel gebracht wurde, ist sie doch fünfzehnmal vorgeschlagen worden und der Sozialtourismus nur dreimal).

Bundeskabinett
© picture alliance / dpa -Andreas Scheuer

Der aktuelle Fall belegt das Gegenteil: Die sogenannte Doktorarbeit des CSU-Generalsekretärs soll nicht besonders reich an neuen Erkenntnissen sein, und dennoch hat er es mit seinem Prager Bildungshintergrund in München bis ganz nach oben geschafft. Die CSU ist eben eine für Grenzüberschreitungen offene Aufsteigerpartei. Und eine, die an ihren Traditionen festhält, auch und gerade bei ihren Generalsekretären.

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