Trotz Rezession zuhause: Beide spanischen Großbanken erzielen Milliardengewinn

Trotz Rezession zuhause Beide spanischen Großbanken erzielen Milliardengewinn

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26.04.2013 ·  Das Geldhaus BBVA machte im ersten Vierteljahr 1,7 Milliarden Euro Gewinn. Allerdings läuft das Geschäft zuhause in Spanien wegen der Rezession schlechter – dafür in Mexiko umso besser.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/trotz-rezession-zuhause-beide-spanischen-grossbanken-erzielen-milliardengewinn-12163143.html

ie spanische Großbank BBVA hat den Branchenprimus Santander zu Jahresbeginn abgehängt. Die zweitgrößte Bank der Landes teilte am Freitag mit, dank Sondererlösen aus Verkäufen in Lateinamerika den Nettogewinn um fast drei Viertel auf 1,73 Milliarden Euro gesteigert zu haben.

Anders als Santander verdiente BBVA auch im klassischen Kreditgeschäft mehr Geld, das in Spanien wegen der andauernden Rezession und der Rekordarbeitslosigkeit eigentlich sehr schwierig ist: Der Zinsüberschuss erhöhte sich im ersten Quartal 2013 um knapp ein Prozent. Hier halfen gute Zahlen aus Mexiko, dem wichtigsten BBVA-Markt auf dem amerikanischen Kontinent. In Spanien lief das Geschäft dagegen deutlich schlechter.

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Die größte spanische Bank Santander meldete am Donnerstag zwar einen Gewinn von immerhin 1,2 Milliarden Euro für das erste Jahresviertel – verglichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum war das aber ein Rückgang um rund 26 Prozent. Die größte Bank der Währungsunion kämpft mit Problemen in Brasilien und Großbritannien. Außerdem steigt – wie bei vielen anderen spanischen Banken auch – der Anteil der faulen Kredite an ihrem Gesamtportfolio. Die meisten spanischen Institute konnten sich zuletzt aber zumindest in der Gewinnzone halten.

Quelle: FAZ.NET/Reuters

Geldpolitik Die Schere im Süden

25.04.2013 ·  Der negative Realzins vernichtet das Kapital der Sparer. Für Deutschland müsste die Zentralbank eigentlich ihren Leitzins erhöhen. Doch nur mit niedrigen Zinsen komme Südeuropa aus der Krise, sagen viele. Stimmt das?

Von Holger Steltzner

Die Europäische Zentralbank steckt in der Zwickmühle. Da hat Bundeskanzlerin Merkel recht. Für Deutschland müsste die Zentralbank eigentlich ihren Leitzins erhöhen. Denn der negative Realzins vernichtet Kapital. Die Entschuldung von hochverschuldeten Eurostaaten erleben Millionen Sparer als „kalte Enteignung“, da die Zinsen Monat für Monat geringer sind als die Inflation, wie Sparkassenpräsident Fahrenschon feststellte. Wie will man da für eine auskömmliche Rente ansparen? Dabei wären höhere Rücklagen fürs Alter dringend nötig, denn neben den Vermögen sind auch die Rentenansprüche in Deutschland nicht so hoch, wie von Frau Merkel vermutet. In Tat und Wahrheit liegen heimische Renten im europäischen Vergleich ebenfalls unter dem Durchschnitt.Für andere Länder müsste die EZB eigentlich noch mehr tun, sagte Frau Merkel auf dem Sparkassentag. Warum? Alle Geldschleusen sind offen, Banken und Märkte mit Liquidität überflutet. Mehr kann die Zentralbank nicht tun; sie kann Unternehmen ja nicht zwingen, zu investieren. Glaubt jemand daran, dass noch eine kleine Leitzinssenkung von 0,75 auf 0,5 Prozent den Aufschwung nach Südeuropa bringen wird? Es wäre mit Blick auf die Forderung mancher Krisenstaaten nach Finanzierung durch die EZB besser, die Bundesregierung bliebe ihrer Linie treu, die Geldpolitik der EZB nicht zu kommentieren.Die unterschiedlichen Finanzierungsbedingungen in den Eurostaaten sind nicht die Ursache der Krise, sondern ihr Symptom. Darin drückt sich die Spaltung der Währungsunion aus, in einen wachsenden Norden und einen schrumpfenden Süden. Länder wie Deutschland sind wettbewerbsfähig und kostengünstig. In anderen sind die Lohnkosten zu hoch und die Produktivität zu niedrig. Seit dem Start der Währungsunion entwickeln sich Defizit- und Überschussländer wirtschaftlich immer weiter auseinander. Im Vergleich zu Deutschland stiegen in Frankreich die Löhne doppelt so stark, in Italien blieb obendrein die Produktivität fast stehen. Als Folge dieser Politik kommt es zu den traurigen Arbeitslosenrekorden im Süden. Die Lösung kann nicht sein, dass nun gesunde Länder mehr ausgeben. Die Schere zwischen Lohn und Produktivität muss dort geschlossen werden, wo Strukturreformen ausgeblieben und Kosten aus dem Ruder gelaufen sind.

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DIE ZEIT:

Euro-RettungBundesbank stellt Geldpolitik der EZB infrage

Offiziell äußert sich Bundesbank-Präsident Weidmann diplomatisch zu Europas Krisenpolitik. In einem internen Papier jedoch geht seine Bank mit der EZB hart ins Gericht

http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-04/bundesbank-ezb-kritik-euro-rettung

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Das spanische Paradoxon

Das spanische Paradoxon (3): Reformen und Versäumnisse im Überblick

http://blogs.faz.net/fazit/2013/04/03/das-spanische-paradoxon-3-reformen-im-uberblick-1333/

03.04.2013, 09:10 Uhr  ·  Spanien hat bisher mehr reformiert als oft gedacht. Aber Vieles bleibt noch zu tun – wichtig ist vor allem ein Mentalitätswandel. Juergen B. Donges, ehemals Vorsitzender der Fünf Weisen, hat die Lage Spaniens analysiert. FAZIT zeichnet seine Analyse nach.

Von

“Spanien hat die Chance, die Krise zu überwinden und nicht länger ein Problemfall für die Europäische Währungsunion zu sein. Ein Selbstläufer ist das allerdings schon deshalb nicht, weil ein parteienübergreifender Reformkonsens unwahrscheinlich ist. … Die fiskalischen und strukturellen Anpassungen sind auf gutem Weg. Kommt ein breit angelegter Mentalitätswandel hinzu, werden letztendlich alle gewinnen.”
Juergen B. Donges

 

1. In einem Beitrag für die Ludwig-Erhard-Stiftung nennt Juergen B. Donges – ehemals Mitarbeiter Herbert Gierschs am Kieler Institut für Weltwirtschaft, dann viele Jahre Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln und zudem Mitglied und schließlich Vorsitzender des Sachverständigenrats (“Fünf Weise”) – drei notwendige Bedingungen für einen Erfolg Spaniens:
– die Regierung muss den Spar- und Reformkurs fortsetzen
– Banken und Unternehmen müssen entschieden auf Effizienz und Innovation setzen
– die Bevölkerung muss begreifen, dass Wohlstand nicht auf Pump gebaut werden kann und die bereits realisierten und noch bevorstehenden Einschränkungen des Lebensstandards die Korrektur früherer Exzesse und überzogener Ansprüche an den Staat darstellen.

2. Seit dem Amtsantritt der Regierung Rajoy hat es Reformen des Arbeitsmarkts gegeben. Dazu zählen:
– Einführung von Probezeiten, größerer Spielraum für Teilzeitarbeit und Kurzarbeit sowie Mini-Jobs für Jugendliche
– nachlassende Breitenwirkung von Tarifverträgen und mehr Spielraum für Betriebsvereinbarungen
– Verkürzung der Kündigungsfristen und Reduzierung der Abfindungen bei betriebsbedingten Kündigungen
– Zulassung privater, gewerbsmäßiger Anbieter in der Arbeitsvermittlung
– Reduzierung des Arbeitslosengeldes ab dem siebten Monat der maximal zweijährigen Bezugsdauer
– ein System der dualen Berufsausbildung nach deutschem Vorbild soll eingeführt werden.
Donges: “Die Richtung hin zu mehr Flexibilität stimmt. Bei  einer Verbesserung der allgemeinen Wirtschaftslage wird sich der Arbeitsmarkt schnell erholen können. Mehr als ein Wermutstropfen ist die zum Jahresanfang 2013 verfügte Erhöhung des … gesetzlichen Mindestlohns um 0,6 Prozent auf 645,30 Euro monatlich. Für gering qualifizierte Arbeitnehmer könnten sich dadurch die Beschäftigungschancen verschlechtern.” Donges mahnt eine gesetzliche Verankerung des Streikrechts an und trifft zudem die Feststellung, dass die offiziellen Arbeitslosenzahlen die unzweifelhaft vorhandene Misere am Arbeitsmarkt überzeichnen.

3. Hier sind noch eine Reihe von Reformen aus anderen Bereichen:
– Erhöhung der Beitragszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung, schrittweise Erhöhung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre und Einschränkung der Frühverrentung
– Eindämmung der Ausgaben für Arzneimittel und Einführung einer Rezeptgebühr außer für Rentner
– Abbau von Subventionen für die Stromversorger und Erhöhung der regulatorisch gedeckelten Tarife für die Verbraucher
– Freigabe der Ladenöffnungszeiten im Einzelhandel
– strengere Leistungsstandards in den allgemeinbildenden Schulen und Förderung von Fremdsprachen

4. In der Finanzpolitik, die unter anderem mit Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen arbeitet, sieht Donges Licht und Schatten: “Aber alles in allem sind die Konsolidierungsbemühungen enorm. Das Primärdefizit *)  im gesamtstaatlichen Haushalt wurde 2012 deutlich zurückgeführt, das strukturelle Defizit ebenfalls.Ein positives Signal ist auch, dass es inzwischen für den spanischen Staat eine gesetzliche Schuldenbremse gibt.” Auf der Passivseite der Bilanz verzeichnet Donges große Unsicherheit angesichts des künftigen Verhaltens der spanischen Regionen,  von denen acht “nach Jahren beispielloser Misswirtschaft samt Korruption und Nepotismus in eine akute Haushaltsnotlage geraten” sind.

5. Zu den Aussichten der spanischen Kreditwirtschaft schreibt der Ökonom nach einer Zusammenfassung der jüngsten Ereignisse: “Wenn alles nach Plan verläuft … könnten nach heutigen Schätzungen am Ende des Anpassungsprozesses nur noch 9 on ehemals 50 selbständigen Geldinstituten übrig sein. … Insgesamt wird die Branche deutlich schrumpfen.”

6. Kritisch äußert sich Donges zur Glaubwürdigkeit der Reformpolitik der Regierung Rajoy. Sie habe zwar die Notwendigkeit von Reformen erkannt, nutze aber Deutschland als Buhmann und habe sich gegenüber den europäischen Partnern wankelmütig gezeigt. Statt dessen müsse die Reformpolitik von einem Mentalitätswandel in Spanien begleitet werden, um an Akzeptanz und Wirksamkeit zu gewinnen.

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*) Das Primärdefizit errechnet sich aus dem Saldo von Staatseinnahmen und Staatsausgaben ohne Berücksichtigung der Zinsausgaben.

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In der FAZIT-Reihe “Das spanische Paradoxon” sind bisher erschienen:
Teil 1: Warum steigen die Exporte, obwohl die Wirtschaft (angeblich) nicht wettbewerbsfähig ist?
Teil 2: Spanien muss sich aus der Krise exportieren

In der Portugal gewidmeten FAZIT-Reihe “Lissaboner Langlauf” erschien kürzlich:
Teil 4: Wie Kapitalzuflüsse schaden können (mit Links zu den ersten drei Teilen)

F.A.Z. Fazit-Blog –@FazitBlog