Narziss macht jetzt den Bachelor

Der überbehütete Student

12.08.2013 ·  Mama, kannst du bitte meine Handyrechnung bezahlen? Die erste Generation überbehüteter Kinder bevölkert die Universitäten. Die Zumutungen des alltäglichen Lebens sind ein Schock – für alle Beteiligten.

Von Melanie Mühl

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-ueberbehuetete-student-narziss-macht-jetzt-den-bachelor-12528857.html

Nicht ohne meine Mutter! Studenten begreifen den Weg in die Universität immer weniger als Schritt ins eigene Leben - zumindest wissen ihre Eltern dies oft zu verhindern.

Nicht ohne meine Mutter! Studenten begreifen den Weg in die Universität immer weniger als Schritt ins eigene Leben – zumindest wissen ihre Eltern dies oft zu verhindern

uch in diesem Jahr hat die Universität Osnabrück einen Elterntag veranstaltet, es war bereits der fünfte. Wie in den Jahren zuvor herrschte reger Andrang, fast 12 000 Besucher sollen es insgesamt gewesen sein, und wer sich jetzt verwundert fragt, ob hier vielleicht ein Irrtum vorliege – schließlich assoziiert man Elterntage mit Kitas und Schulen, nicht aber mit Universitäten -, dem sei gesagt: Nein, Sie haben richtig gelesen.

Und das liegt nicht nur an der G8-Regelung, die Siebzehnjährige an die Universitäten bringt, sondern der Elterntag, so heißt es auf der Homepage der Universität, biete Eltern die Gelegenheit, sich über die vielfältigen Beratungs- und Betreuungsangebote, aber auch über die Lebens- und Studienbedingungen am Universitätsstandort zu informieren. Die Gäste können Ateliers, Werkstätten und Laboratorien besichtigen, an Vorlesungen teilnehmen und mit Lehrenden und Studierenden ins Gespräch kommen. Da die Ernährung ein bedeutender Baustein des körperlichen Wohlergehens ist, sind die Eltern auch in der Mensa herzlich willkommen.

Eltern scheinen von ihrem eigenen Leben angeödet zu sein

Es spricht erst einmal alles dafür, sich intensiv für das Leben seines Kindes zu interessieren, ihm in einer durchökonomisierten Welt mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Allerdings existiert ein gravierender Unterschied zwischen Interesse und Überbehütung. Sobald man gemeinsam mit seinem Kind universitäre „Schnuppertage“ verlebt, Kurse auswählt und einen Stundenplan entwirft, stellt sich die Frage, ob das Kümmern nicht in Wahrheit pathologische Ausmaße angenommen hat. Dass „overparenting“ keine auf die Kindheitsphase beschränkte Obsession darstellt, ist auch ein trauriges Zeichen dafür, dass offenbar viele Eltern von ihrem eigenen Leben derart angeödet sind, dass sie sich lieber auf das ihrer Kinder stürzen.

Kinder haben in unserer Gesellschaft Seltenheitswert, was sie zu einem kostbaren Gut macht. Gegenüber Minderheiten verhält sich das soziale Umfeld nie gleichgültig, sie werden entweder benachteiligt oder hofiert. Gefahren birgt beides. Je wohlgeratener, talentierter, niedlicher (und später erfolgreicher) sie sind, desto besser lassen sie sich präsentieren. Die bürgerliche, von Abstiegsängsten geplagte Mittelschicht ist besonders anfällig, sich in „helicopter parents“ zu verwandeln, ihre Kinder permanent zu umkreisen, sie emotional und materiell zu verwöhnen und zu verhätscheln. In diesem überbehüteten Mikrokosmos kommt es durchaus vor, dass das vergessene Pausenbrot dem Nachwuchs in die Schule hinterhergekarrt wird. Da schreibt die Mutter gern auch nachts den Deutschaufsatz oder löst ein paar Mathematikaufgaben. Die Frage lautet nicht: Was kann mein Kind tun?, sie lautet: Was kann ich für die Erfolgsbiographie meines Kindes tun?

Die Sorge, das Kind werde kein Premiumprodukt für den Markt

Als zum Beispiel Hamburgs Senat vor einigen Jahren eine große Bildungsreform ankündigte und die sechsjährige Primarschule einführen wollte, damit die Bildungschancen für Kinder aus allen sozialen Schichten steigen, protestierte das entrüstete Bürgertum aus Angst, dass seine Kinder mit Hartz-IV-Kindern lernen müssen. Großeltern, Eltern und Kinder zogen durch die Straßen der Innenstadt. Vom „Gucci-Protest“ war die Rede. Die Sorge, das Kind könnte nicht als Premiumprodukt in den Markt entlassen werden, ist enorm.

Die Konsequenz liegt auf der Hand: Der Raum für Schwäche, Durchschnittlichkeit und Verletzlichkeit schrumpft. Scheitern wird als Makel interpretiert. Es ist schlicht nicht vorgesehen. Doch wer abgeschirmt in einer watteweichen Welt aufwächst, in der die Eltern panisch versuchen, den Schmerz des Scheiterns fernzuhalten, als handele es sich um ein lebensbedrohliches Virus, der wird einer entscheidenden Erfahrung beraubt: derjenigen der Niederlage. Es ist ja ganz einfach: Nur wer fällt, kann auch wieder aufstehen. Das nötige Handwerkszeug muss erworben werden. Ansonsten endet das behütete Kind als Realitätsverweigerer.

Viel Geld und viel Kontakt

Es dürfte kaum verwundern, dass für jene verzärtelten, zur Lebensuntauglichkeit erzogenen Charaktere die Zumutungen des Universitätsalltags ein Schock sind. Weshalb sollte jemand, der nie für sich selbst kämpfen musste, eine Notwendigkeit darin erkennen, ausgerechnet während des Studiums damit zu beginnen? Und wie sollte man eine durchdachte Entscheidung treffen, wenn einem der Prozess der Entscheidungsfindung fremd ist? Die Soziologin Laura Hamilton von der Universität von Kalifornien fand in einer Studie heraus, dass eine großzügige finanzielle Unterstützung der Eltern nicht automatisch zu guten Prüfungsergebnissen führt. Im Gegenteil. Mit der steigenden Unterstützung verschlechtern sich die Noten. Naturgemäß bereitet es eben mehr Spaß, das Geld der Eltern auszugeben, anstatt zu lernen. Es fehlt der Druck, die Angst, zu versagen, die einen – in Maßen natürlich – häufig erst zu Höchstleistungen antreibt.

Ein schönes Beispiel dafür, wie weit die Informationsmanie etlicher Eltern ebenso wie die Unfähigkeit der Alltagsbewältigung ihrer Kinder reichen, ist das Kommunikationsverhalten. Chris Segrin, der an der Universität von Arizona lehrt, hat mehr als tausend Studenten und deren Eltern befragt. Das Ergebnis: Die jungen Erwachsenen kommunizieren im Grunde fortwährend mit den Eltern, per Mail, SMS, Chat, Facebook oder Handy, und zwar nicht, um sich gegenseitig zu versichern, man sei wohlauf, vielmehr, so Segrin, gehe es meist um Fragen wie: „Wie kann ich …?“, „Willst du …?“ und „Kannst du …?“. Die Technologie verführt zum Banalitätenaustausch, der wiederum aberwitzige Ausmaße annimmt. Für den modernen Studenten muss es unvorstellbar sein, dass auf einem Campus einst nur eine Handvoll Telefonzellen herumstanden, von denen die Hälfte nicht funktionierte.

Narzissmus habe „zugenommen wie die Fettsucht“

Schon vor einigen Jahren sprachen die amerikanischen Wissenschaftler Jean M. Twenge und Keith Campbell von einem regelrechten Narzissmus-Virus. In einer Langzeitstudie legten sie zwischen 1976 und 2006 Studenten immer wieder Fragebogen vor, in denen sie sich zu folgenden Aussagen äußern sollten: „Ich habe ein natürliches Talent, Menschen zu beeinflussen“, „Ich kann in Menschen lesen wie in einem offenen Buch“, „Ich würde gerne meine Biographie schreiben“, „Würde ich die Welt regieren, wäre sie besser“, „Ich bin eine ganz besondere Person“. Die Antworten gaben bis zum Jahr 2000 keinen Grund zur Sorge, plötzlich aber nahm die Leidenschaft für das eigene Ich sprunghaft zu, und dreißig Prozent mehr Studenten erkannten sich in den Aussagen wieder. „Der Narzissmus“, schreiben Twenge und Campbell, „hat zugenommen wie die Fettsucht.“ Die Selbstdarstellungsplattformen im Netz, so die Wissenschaftler, spielten ihm dabei ebenso in die Hände wie einst die inflationäre Vergabe billiger Kredite. Wir erinnern uns an die Botschaft: Führe endlich das Luxusleben, das du verdient hast!

Fest steht, dass die Ausbreitung infantiler Verhaltensmuster unaufhörlich voranschreitet. Leider sieht es nicht danach aus, als würde sich daran bald etwas ändern. So erzählen einem Professoren von Eltern, die als wütende Anwälte ihres Kindes in der Sprechstunde auftauchen, um über die ihrer Meinung nach ungerechte Benotung der letzten Arbeit zu diskutieren. Man erfährt von einer Studentin, die sich vierzig Minuten beraten lässt, wo sie am besten ein Auslandssemester verbringen könnte, und sich schließlich entscheidet, den Sommer doch lieber mit der Mutter auf Mallorca zu verleben. Ein Student kommt Wochen zu spät ins Seminar, möchte noch aufgenommen und mit dem bereits durchgenommenen Stoff versorgt werden – und fragt unschuldig, ob er zwei weitere Sitzungen fehlen könne, weil er mit Freunden dieses Haus am Meer gemietet habe.

Die Universitäten sollten sich gut überlegen, ob sie wirklich weiterhin Elterntage veranstalten und die Unselbständigkeit so vieler Studienanfänger in einem ohnehin absurd verschulten System weiter fördern möchten oder ob es nicht klüger wäre, den Studierenden stattdessen etwas Entscheidendes zu vermitteln: dass mit dem Studium tatsächlich ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Auch für die Eltern.

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Studienfinanzierung

Neue Bildungsministerin will Bafög ausweiten

Das Bafög geht an der Realität vorbei, sagt Johanna Wanka. Sie will die Ausbildungsförderung reformieren und Ältere sowie Teilzeitstudenten einbeziehen.

http://www.zeit.de/studium/2013-03/wanka-bafoeg-reform-studium

Bildungsministerin Johanna Wanka

Die neue Bildungsministerin Johanna Wanka will, dass mehr Menschen Bafög bekommen. Auch Teilzeitstudenten und Ältere sollten die Studienförderung erhalten, sagte CDU-Politikerin der Süddeutschen Zeitung. Die Ministerin plant eine umfassende Reform des Bafög.

“Das Bafög geht heute teilweise an der Lebenswirklichkeit vorbei”, sagte Wanka. Deshalb müssten die Bedingungen für die Studienförderung überprüft werden. Es gebe viele Menschen, die neben dem Beruf oder nach einer Ausbildung studierten. Sie seien derzeit oft von der staatlichen Förderung für Schüler und Studenten ausgeschlossen. “Die Förderung muss weiter geöffnet werden”, sagte die Ministerin.

Wanka löste im Februar Annette Schavan als Bundesbildungsministerin ab. Schavan war zurückgetreten, weil ihr der Doktortitel wegen eines Plagiats aberkannt worden war.

Studenten können nicht mit mehr Geld rechnen

Wanka möchte aber den Bafög-Satz nicht erhöhen, Studenten können also nicht mit mehr Geld rechnen. “Nur auf pauschale Erhöhungsrunden zu setzen, greift da zu kurz”, sagte Wanka. “Und die finanziellen Möglichkeiten sind nicht in allen Ländern gleich.” Mit den Ländern will die Ministerin im April über die Reform beraten. Diese tragen ein Drittel der Bafög-Kosten, der Bund den Hauptteil.

Das Bafög besteht je zur Hälfte aus einem Zuschuss und einem zinslosen Darlehen, der Höchstsatz beträgt derzeit 670 Euro. 29 Prozent aller Studenten erhalten Bafög, im Durchschnitt bekommen sie 436 Euro monatlich.

Zuletzt wurden die Bafög-Sätze 2010 erhöht, allerdings nur um wenige Euro. Damals hatte die schwarz-gelbe Koalition bereits den Kreis der Berechtigten ausgeweitet. Die Altersgrenze stieg von 30 auf 35 Jahre, homosexuelle Lebenspartnerschaften wurden der Ehe gleichgestellt.

Die Förderung “muss an die heutigen Realitäten angepasst werden, und die sehen anders aus als noch vor 40 Jahren”, sagte Wanka. Damals wurde das Bundesausbildungsförderungsgesetz beschlossen. Es hat Millionen Menschen ein Studium ermöglicht, die sich das sonst nicht hätten leisten können.

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Viele Studenten warten auf ihr Bafög, manchmal monatelang. Das Fördersystem ist überlastet und lückenhaft – und die Verantwortlichen tun nichts dagegen.

Bisher war Laila Oudrey, 22, zielstrebig und diszipliniert. Dann war sie plötzlich auch pleite. Im Bachelorstudium hatte Laila monatlich 597 Euro Bafög bekommen, doch damit war Schluss, als sie ihren Master antrat. »Ich war entsetzt und fühlte mich im Stich gelassen«, sagt sie.

Viele Studenten haben in diesem Semester länger als bisher auf ihr Geld gewartet. Meist ist die Überlastung der Bafög-Ämter der Grund dafür. »Mit der Zahl der Studienanfänger und Studenten ist auch die Zahl der Bafög-Antragsteller erheblich gestiegen«, sagt Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks und damit auch oberster Sprecher der Bafög-Ämter, die zu den regionalen Studentenwerken gehören. Der »Bearbeitungsstau«, sagt er, »ist ein durchgängiges Problem in den Ländern.« Gelöst werden könne es, indem die Landesregierungen mehr Geld für Personal in den Bafög-Ämtern freigeben.

Es gibt aber noch ein zweites Problem und das betrifft Laila Oudrey: Weil sie keine Zeit verlieren wollte, bewarb sie sich schon vor dem Ende ihres Bachelorstudiums auf einen Masterplatz in Germanistik an der Uni Bonn. Im letzten September gab sie ihre Bachelorarbeit ab, und schon im Oktober konnte sie ihr Masterstudium anfangen – dank einer vorläufigen Zulassung. Weil diese Zulassung aber nicht verbindlich ist, ist Lailas Bafög-Anspruch erloschen.

An vielen Hochschulen ist eine vorläufige Zulassung möglich, an manchen ist sie sogar die Regel: An der Uni Hamburg zum Beispiel wurden im letzten Herbst rund 1600 der insgesamt 2500 Masterstudenten vorläufig zugelassen. Die Hochschulen reagieren so auf das Ziel der Bologna-Reform, das Studium effizienter zu machen. 60 Studenten betreut ein Professor im Schnitt – da vergehen oft Monate, bis alle Arbeiten korrigiert, benotet und an die Prüfungsämter weitergeleitet sind, die dann die Zeugnisse ausstellen.

Bafög-Vergabe wurde nie richtig angepasst

Doch ohne Bachelorzeugnis gibt es kein Geld mehr vom Staat, so steht es in dem Gesetz, das die Bafög-Vergabe regelt. »Eine Förderung für das Masterstudium kann erst nach endgültiger Zulassung für dieses Masterstudium durch die Hochschule beginnen«, sagt Katharina Koufen, Sprecherin des Bundesbildungsministeriums. Und Corinna Sell-Keiderling, die Leiterin des Bonner Bafög-Amtes, das für Laila Oudrey zuständig ist, sagt: »Uns sind die Hände gebunden. Wir haben Verständnis für sie, aber wir müssen uns an das Gesetz halten.«

Laila erzählt, dass ihr im Bafög-Amt empfohlen wurde, das Masterstudium abzubrechen. Sie solle sich einen Job suchen, einige Monate in Vollzeit jobben und sich später, wenn die Korrektur ihrer Bachelorarbeit fertig ist, wieder neu bewerben. »Ich will studieren«, sagt Laila, »Abbrechen kommt nicht infrage.« Sie entschied sich, parallel zum Masterstudium zu arbeiten: Werktags ging sie nach der Uni ins Büro und jobbte auch am Wochenende.

Fleißige Studenten sollen sich voll auf ihr Studium konzentrieren können – auch dann, wenn sie keine wohlhabenden Eltern haben. Das war die Idee, als das Bafög 1971 eingeführt wurde. Wer gefördert werden will, stellt einen Antrag. Ob es Geld gibt, entscheidet das zuständige Bafög-Amt nach den Regeln des Bundesgesetzes. Mit der Abgabe der Diplom- oder Magisterarbeit endet der Bafög-Anspruch dann wieder.

Seite 2/2:

Bund und Länder schieben sich den schwarzen Peter zu

Doch in den letzten zehn Jahren wurden die meisten Studiengänge auf das Bachelor- und Mastersystem umgestellt – mit einer Abschlussarbeit mitten im Studium. Die Bafög-Vergabe wurde aber nie richtig angepasst. Stattdessen schieben sich alle gegenseitig den Schwarzen Peter zu, im Zuständigkeitsgewirr aus Bund (der für das Gesetz zuständig ist), Ländern (die über die Finanzierung der Bafög-Ämter entscheiden), den einzelnen Uni-Städten (wo die Bafög-Ämter sitzen) und den Fachbereichen der Universitäten (deren Professoren die Arbeiten benoten und deren Prüfungsämter die Zeugnisse ausstellen).

Bafög-Amtsleiterin Corinna Sell-Keiderling etwa sieht die Universitäten in der Pflicht: Prüfungstermine sollten so gelegt werden, dass die Bachelornoten zu Beginn des Masterstudiums bekannt sind. Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde bevorzugt stattdessen eine bundesweit einheitliche Lösung: »Um Klarheit zu schaffen, fordern wir eine Gesetzesänderung.« Doch das Bundesbildungsministerium hält das nicht für nötig. Die Sprecherin Katharina Koufen sagt: Die Prüfer sollen ihren Studenten verbindlich bescheinigen, dass sie das Bachelorstudium bestanden haben, schon bevor die Abschlussarbeit korrigiert ist und die Note feststeht. Dann müssen die Länder weiter Bafög zahlen. Studenten sollen also zwischen Bafög-Amt, Professor und Prüfungsamt vermitteln.

Ökonomisch spräche wohl nichts dagegen, die Förderungslücke durch eine Gesetzesänderung ein für alle Mal zu schließen. Denn Studenten wie Laila Oudrey bekommen die ausgebliebenen Zahlungen überwiesen, sobald sie ihr Bachelorzeugnis nachreichen. Doch in den Monaten bis dahin sind sie auf sich allein gestellt.

Besserung nicht in Sicht

Das einzige Argument, das für die jetzige Regelung spricht: Durch sie wird ausgeschlossen, dass Studenten Bafög beziehen, die in der Bachelorarbeit durchfallen und ihren Masterplatz dann theoretisch noch verlieren können. Doch dass ein vorläufig zugelassener Student tatsächlich wieder exmatrikuliert wird, passiere »höchstens mal im Einzelfall, wenn überhaupt«, sagt Klaus Herkenrath, Pressesprecher der Uni Bonn. Schließlich macht die Abschlussarbeit nur einen Teil der Gesamtnote aus, in manchen Studiengängen nicht mehr als zehn Prozent. Wer einen guten Notendurchschnitt hat – und der ist eine Voraussetzung für viele Masterprogramme –, bekommt seinen Bachelorabschluss. Selbst dann, wenn er die Abschlussarbeit verhauen hat.

Größer als der Stress, ihr neues Masterstudium mit der zusätzlichen Arbeit zu vereinen, war für Laila Oudrey die Angst, einen ihrer beiden Jobs zu verlieren und nicht mehr weiterstudieren zu können. »Ich arbeite ja gerne, aber mit diesem Druck wurde es einfach zu viel«, sagt sie. Drei Monate lang ging das so. Im Dezember konnte Laila Oudrey dann aufatmen. Sie bekam ihr Bachelorzeugnis – und kurz danach auch wieder Bafög. Zurzeit besteht keine Aussicht, dass die Förderlücke bald geschlossen wird.

Mitarbeit: Benedikt Peters

Pagar para estudiar ? Abschaffung der Studiengebühren

Hochschulen in Bayern: CSU erwägt Abschaffung der Studiengebühren

Die CSU steuert auf einen möglichen Kurswechsel in der Hochschulpolitik zu. In der Partei mehren sich offenbar die Stimmen für eine Abschaffung der Studiengebühren. CSU-Chef Seehofer will das Thema Parteikreisen zufolge jetzt offen diskutieren lassen.

DER SPIEGEL

Was Studieren kostet

Klicken Sie auf die Länder oder wählen Sie ein Bundesland aus dem Ausklappmenü, um mehr über die Beschlusslage dort zu erfahren. s. interaktive Graphik auf:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/studiengebuehren-csu-erwaegt-abschaffung-in-bayern-a-863033.html

Studenten in München (Archivbild): Fallen die Studiengebühren in Bayern?

München – Entfallen für Hochschüler in Bayern in Zukunft die unpopulären Studiengebühren? Die CSU rückt jetzt offenbar zunehmend von den Gebühren ab. Grund ist die Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, der zuletzt ein Volksbegehren der Freien Wähler gegen die Gebühren zugelassen hat.

Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer will das Thema jetzt in der Partei zur Diskussion stellen, wie aus CSU-Kreisen verlautete. Im Vorstand der CSU-Landtagsfraktion mehren sich die Stimmen für eine Abschaffung der Gebühren. “Wir werden das Thema Studienbeiträge ergebnisoffen in der Fraktion, mit der Staatsregierung und mit dem Koalitionspartner diskutieren”, erklärte der CSU-Fraktionsvorsitzende Georg Schmid am Dienstagabend. Auch Befürworter der Gebühren fürchten eine Niederlage bei einem Volksentscheid. Überlegt wird inzwischen sogar, ob die Studiengebühren nicht schon vor dem Start des Volksbegehrens gekippt werden könnten.

Seehofer hatte schon 2011 einen Anlauf zur Abschaffung der Gebühren unternommen, war damals aber am Widerstand der CSU-Fraktion gescheitert. Seehofer habe seine Meinung seither nicht geändert, hieß es in der CSU. In der CSU-internen Kabinettsvorbesprechung und der eigentlichen Kabinettssitzung legte sich Seehofer aber nicht fest.

Die CSU könnte eine Abschaffung der Studiengebühren aber nicht allein beschließen – dafür bräuchte sie die Zustimmung der FDP. Seehofer habe deswegen im Kabinett vorgeschlagen, das Thema im Koalitionsausschuss zu diskutieren, sagte Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP).

Die FDP stand bisher für Studiengebühren. Doch auch hier gibt es Risse in der Front der Befürworter. “Studiengebühren abschaffen”, forderte der stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Andreas Fischer in der “Mittelbayerischen Zeitung”: “Ich bin davon überzeugt, dass eine Mehrheit der Bürger gegen Studiengebühren stimmen wird.”

In Bayern stehen im September 2013 Landtagswahlen an. Viele CSU-Abgeordnete haben noch das Volksbegehren für ein striktes Rauchverbot in unerfreulicher Erinnerung. Damals machten die Bürger dem jahrelangen Hin und Her in der CSU mit dem Votum für ein kompromissloses Verbot ein Ende.

Die Freien Wähler wollen mit dem Volksbegehren die Studiengebühren zu Fall bringen. Grüne und SPD hatten sich der Klage nicht angeschlossen, weil sie sie für nicht aussichtsreich hielten.

hen/dpa/dapd

Urteil: Bayern dürfen über Studiengebühren entscheiden

In Bayern stehen die Studiengebühren auf der Kippe: Der Verfassungsgerichtshof in München hat überraschend ein Volksbegehren zugelassen – nun entscheiden die Bürger des Freistaats.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/studiengebuehren-gerichtshof-erlaubt-volksbegehren-in-bayern-a-862704.html

JA zur Bildung – NEIN zu Studiengebühren

http://volksbegehren-studiengebuehren.de/